2025 komprimiert

Dezember 2025. Nun kommen sie wieder, die Jahresrückblicke. Und meine Fresse, habt ihr nicht auch das Gefühl, es wir jedes Jahr absurder?

Das tatsächliche Leben hat Science Fiction und Satire in vielen Bereichen schon überrundet und beim Blick in die Nachrichten möchte man sich manchmal ungläubig die Augen reiben.

Ich möchte wieder mehr schreiben. Also dachte ich mir, ich nehme das Jahrsende mal als Gelegenheit dazu und blicke persönlich darauf zurück. Also auf das, was bei mir los war, weniger auf das, was das Weltgeschehen so mit sich gebracht hat.

Ich habe aktuell erst gehört, dass Triggerwarnungen eher kontraproduktiv sind und allein das Aussprechen einer solchen ebenfalls schon dafür sorgen kann, dass eine Person u. U. in eine negative Gedankenkette rutscht.

Dennoch möchte ich an dieser Stelle anbringen, dass auch das Thema Tod hier behandelt werden wird. Zwei mal.

Im Februar waren wir auf einer ziemlich großen Demo gegen rechts in unserer Heimatstadt. Hierzu hatte meine Frau eigens selbst entworfene Fahnen geplottert.

Ab April begann dann der Umbau der Küche. Aufgrund der MECFS Erkrankung von Lovis sind einige Anpassungen nötig, um ihr das Leben etwas zu erleichtern.

2024 war es das Badezimmer mit einer Badewanne mit Einstieg, dieses Jahr nun eine Küche, bei der die Elektrogeräte erhöht angebracht sind und alle wichtigen Dinge auch notfalls im Sitzen von einem Rollstuhl aus zu erreichen sind. Wir hatten hier noch das Glück von einem Förderprogramm profitieren zu dürfen, welches aus Einsparungsgründen schon wieder abgeschafft werden soll.

Aber das ist eine andere Geschichte.

Alle Sachen aus der Küche raus und in Kartons verpackt und die alten Möbel wurden zersägt und auf den Wertstoffhof gebracht. In der neuen Küche  brauchten wir mehr Steckdosen, also musste ich hier auch Schlitze in die Wände stemmen und Leitungen verlegen. Der Zeitplan wurde etwas durcheinandergebracht, als ich beim Schlitze ziehen eine unglücklich verlegt Wasserleitung traf (ist ein altes Haus).

Letztendlich war es aber wie in einem Disneyfilm – am Ende wurde alles gut.

Im Mai hatte unsere Tochter ihre Konfirmation. Ich persönlich habs ja nicht so mit Kirche aber es gab im Anschluss gutes Essen. Und wir hatten uns natürlich alle hübsch zurecht gemacht.

Im Juli war ich mit meinen Kumpels auf Schalke zum Iron Maiden Konzert. Ich muss zugeben, dass mich Maiden in meiner Jugend überhaupt nicht tangiert hat. Eigentlich schade, denn was die Band live abliefert ist echt der helle Wahnsinn. Hinterher haben wir noch im Cafe Nord in Hessen Aftershow Party gemacht.

Nur wenige Tage nach dem Konzert habe ich mir das erste Glied des linken kleinen Fingers beim Umbau in der Katzen-Quarantäne geschreddert. Das war ziemlich beschissen und ein langwieriger Heilungsprozess.

Aber der Chirurg hat gute Arbeit geleistet. Auf den ersten Blick sieht man heute kaum noch etwas davon, allerdings ist der betroffene Teil des Fingers an einer Stelle Taub und an anderer Stelle überempfindlich, was insgesamt manchmal nervig sein kann.

Außerdem ist im Juli unsere Hündin Risa verstorben. Sie war krank und alt und wir haben es kommen sehen und dennoch bricht so etwas einem immer ein bisschen das Herz.

Sie ist zu Hause gestorben und wir waren bei ihr und haben sie im Arm gehalten.

Wenn ihr ihr Haustiere habt begleitet sie in solchen Momenten. Unsere TÄ hat immer wieder TierbesitzerInnen, die ihre Tiere zum einschläfern bringen und dann nicht mal dabei bleiben. Macht sowas nicht. Begleitet euer Tier bis zum Ende. Es hat euch auch sein Leben lang begleitet.

Im August sollte es eigentlich aufs Wacken gehen. Das erste mal nach über 10 Jahren. Wurde dann aber nichts. Zum einen war immer noch der Finger Matsch und zum anderen hatte mein Freund seine Teilnahme abgesagt und ich fand dann kurzfristig keinen neuen Anschluss mehr. Die Situation hat mich schon ziemlich traurig gemacht, aber was willste machen? Es läuft nicht immer wie geplant oder gewünscht und das Leben hält nicht nur schöne Überraschungen bereit.

Dafür ist mein Ältester 18 geworden und wir hatten eine wirklich schöne Geburtstagsfeier mit ihm verbringen dürfen.

Am 1. September erhielt ich vormittags einen Anruf meiner Mutter. Mein Vater hatte das Haus seit Monaten nicht mehr weiter als bis in den Garten verlassen. Er war nicht zur Konfirmation unserer Tochter gekommen und auch nicht zum 18. Geburtstags meines Ältesten. Ihm ging es gesundheitlich nicht gut. Und ihm ging es psychisch nicht gut. Das war seit jeher schwierig mit ihm. Ärzte sahen ihn nur, wenn gar nichts mehr ging, oftmals versuchte er Krankheiten auszusitzen oder selber daran rumzudoktern. Legendär, als er sich mal den Fuß brach und versuchte diesen Umstand mit Bepanthen Wundgel zu kurieren.

Oder als er sich selbst einen Backenzahn zog. Meine Mutter hatte es nicht leicht mit ihm. Wir haben so oft mit ihm gesprochen. Wir haben uns nach Kräften bemüht und ihn immer wieder ermutigt, dass er auch mit seinen seelischen Sorgen einen Therapeuten aufsuchen möge. Ich weiß wovon ich spreche, denn ich habe dieses Jahr selber meine zweite Therapie aufgrund von Depressionen hinter mich gebracht. Es gibt Parallelen zwischen mir und meinem Vater und ich gehe stark davon aus, dass ich diesen Teil von ihm vererbt bekommen habe.

An diesem 1. September 2025 ist mein Vater mit meiner Mutter aufgestanden, um ihr Brote für die Arbeit zu machen. Er gab ihr wie immer einen Abschiedskuss. Als meine Mutter aus dem Haus war legte er seine Armbanduhr ab und auf den Küchentisch. Er zog seine schwarze Allwetterjacke und schwarze Turnschuhe an. Seine Trainingshose war ebenfalls schwarz. Es war früh morgens, noch recht dunkel und so hatte ihn auch niemand wahrgenommen, als er dunkel gekleidet durchs Dorf ging. Kein Schlüssel, kein Portemonnaie, seine Armbanduhr (die er sonst auch zum Schlafen nicht abnahm) auf dem Küchentisch.

Als meine Mutter mich anrief weinte sie, weil er weg war und sie ihn nicht finden konnte. Sie ist früher von der Arbeit, weil der vormittägliche Anruf, der sonst kam ausblieb und sie ein ungutes Gefühl hatte, weil er auch auf ihre Anrufe nicht reagierte.

Wir schalteten eine Vermisstenanzeige in sozialen Medien und Whatsapp und verständigten die Polizei. Suchten alles ab. Ich fuhr wichtige Orte von früher ab. Als ich zu meiner Mutter zurück fuhr (bei der meine Frau war) nahm die Polizei gerade Daten auf. Als es wenige Zeit später erneut klingelte und die Beamten den Hausflur hochkamen erkannte man es schon an ihren Gesichtern.

Man hatte meinen Vater aus der Weser gezogen, 12 km weiter flussabwärts in der nächsten großen Stadt an einer Pumpstation.

Mein Vater hat sein Leben selbst beendet. Ich werde hier nicht noch tiefer ins Detail gehen, aber das war ohne Frage eines der einschneidendsten und prägendsten Ereignisse meines bisherigen Lebens.

Diesen 1. September und die daraus resultierenden Ereignisse, Tage und Wochen werde ich lange in mir tragen und gewissermaßen ist dies auch eine Weichenstellung gewesen, wie es für mich in meinem Leben weiter geht.

Im Oktober dann die Geburtstage unserer Jüngsten und des Mittleren, der ebenfalls volljährig wurde und nun schon einen Führerschein und einen Nebenjob hat. Fast wie so ein richtiger Erwachsener.

Ich fühle mich manchmal echt alt. Was hat Torsten Sträter mal gesagt? Bald wächst mir ne Cordhose und ein Spazierstock.

Anfang November ist dann Alma bei uns eingezogen Sie ist ein 4 Monate altes Labrador Retriever Mädchen und eine Frischzellenkur für unseren H1 Suerte. Sie bringt ordentlich Leben ins Haus. Meine erste Reaktion nach Risas Tod war, dass ich keinen weiteren Hund mehr haben möchte. Dann haben sich einige Gespräche ergeben und meine Meinung auch ziemlich schnell geändert und ich bin 100% glücklich, dass es nun so ist wie es ist.

Natürlich sind die #nordstadtkatzen auch „nebenher“ weiter gelaufen, aber dies könnt ihr bei Lovis ja viel besser direkt verfolgen. Aber auch diesbezüglich wird sich einiges ändern.

Nach 10 Jahren haben wir uns aus diversen Gründen entschieden deutlich herunterzufahren. Twitter / X ist mittlerweile eine Jauchegrube, Punkt. So sehr mir diese Plattform auch am Herzen liegt kann man da  nichts mehr schön reden. Seit Elons Übernahme verkommt dieses ehemals so sympathische und lustige Netzwerk immer mehr zu einer Bot- und Trollschleuder, auf der Falschnachrichten propagandaartig unter die Nutzer gerotzt werden.

Nach amerikanischen Verständnis ist Redefreiheit gleichbedeutend mit „Wer am lautesten schreit und den meisten Einfluss hat, hat auch automatisch recht“.

Um echte Fakten, wissenschaftliche Evidenz und belegbare Quellengeht es dabei schon lange nicht mehr.

Deswegen gab es eine wahre Abwanderungsflut von Nutzern. Twitter war die stärkste Basis und meist frequentierte Anlaufstelle für die #nordstadtkatzen. Wir haben dort eine große Bubble, die zu regelmäßigen Aktionen, bisher 2 Nordstadtkatzen-Treffen und einigen Freundschaften geführt hat. Es gab mal regelmäßige Spaces. Der Trend auf Twitter ist aber stark rückläufig. Nach wie vor sind dort noch einige liebe Menschen aber die Interaktionen und auch das „gesehen werden“ lässt nach (was viel auch mit dem Algorithmus zu tun hat). Gleichzeitig wächst aber auch Missgunst und es wird immer schwieriger mit Leuten zu diskutieren oder zu kommunizieren.

Es gab in den vergangenen Jahren einiges an Bedrohungen, Unterstellungen, Hassnachrichten und Diskreditierungsversuche. Tierschutz ist ein heißes Pflaster und das größte Problem dort sind die – Überraschung! – Menschen.

Ein ganz entscheidender Grund ist auch, dass meine Frau Lovis sich nun auch nochmal verstärkt um ihre Gesundheit kümmern muss. Die MECFS begleitet sie nun schon ein paar Jahre und wer sich schonmal mit dem Thema befasst hat, der weiß, dass der Umgang mit dieser Krankheit nicht einfach ist. Um den Verlauf möglichst positiv zu beeinflussen sind starke Einschränkungen im Alltag nötig. Behördliche oder auch Arzttermine können dafür sorgen, dass sie danach für mehrere Tage ausfällt. Diejenigen von Euch, die die Spaces mitverfolgt haben, haben gemerkt, dass die Abstände größer wurden und das sie manchmal auch eher aufhören musste als sie eigentlich wollte, weil es zu viel Energie gesaugt hat.

Das Thema Geld möchte ich hier nur kurz anreißen, aber auch dieser leidige Punkt ist natürlich nicht wegzuwischen. Mit den abgewanderten und inaktiven Followern und der fehlenden Reichweite ist es schlicht nicht möglich auf dem Level zu agieren, wie wir es bisher taten. Das Projekt hatte einen ungemeinen Zulauf und eine große Unterstützung erfahren, wofür wir sehr dankbar sind und was vieles für die Tiere möglich gemacht hat.

Nun scheint aber nach dem Gipfel eine Talfahrt zu folgen. Zudem haben viele Menschen derzeit sowieso ganz anders mit ihrem Geld zu haushalten, dass wissen wir selber natürlich auch nur zu gut.

Finanzen privat und aus der Initiative waren seit jeher strikt getrennt und durch die Initiative durch Dritte „überwacht“.

Wir mussten nun aber aus Gründen auch privat eine größere Summe zwischenfinanzieren. Das können wir aber auf Dauer nicht immer wieder tun, ohne uns selber zu schaden.

Ich bin Alleinverdiener, wir haben Haus und Kinder, meine Frau muss kürzer treten und somit haben wir neben dem Tierschutz auch so eine Menge Verantwortung zu stemmen.

Wie sich die #nordstadtkatzen dabei aufstellen und ob und wie sie dauerhaft weiter bestehen wird die Zukunft zeigen.  

Was bleibt rückblickend zu sagen? Das war ein forderndes und anstrengendes Jahr für mich und uns. Ich werde mich weiter mit dem Tod meines Vaters auseinandersetzen müssen, die MECFS wird uns auch noch weiter begleiten. Das nächste Jahr wird mehr Zeit mit meiner Mutter, mehr Zeit mit der Familie und weniger Zeit mit den Nordstadtkatzen. Und wohl auch mehr Zeit mit meinem DIY Tonstudio und den Zeichenutensilien.

Und Baustellen wird es wohl auch wieder geben. Allerdings dann diesmal gerne ohne den Körper ernsthaft in Mitleidenschaft zu ziehen.

Ich geb jedenfalls mein Bestes.

Ich wünsche euch eine schöne Adventszeit und schöne Feiertage, sollten wir uns hier vorher nicht mehr lesen. Und einen guten Start ins neue Jahr.

Kuckuck, ihr Eumels

Mein Leben ist ja recht turbulent und ich denke ganz oft „Ja geil, das ist perfekt für den Blog oder als kurzes Video bei TikTok“ und dann bin ich auch schon drüber weg. Heute mal nicht und somit entstand hier dieser Text:

Ich war u. a. bei Torsten Sträter in Hildesheim und bei AC/DC in Gelsenkirchen, bin aus der Partei DIE PARTEI ausgetreten, da ich dort vieles nicht mehr witzig fand und einen anderen politischen Weg einschlagen will, der vielleicht auch etwas ernsthafter ist. Bei den #nordstadtkatzen wollten wir eigentlich etwas zurückfahren, allerdings haben wir da jüngst gerade eine Mega-Kastrationsaktion durchgeführt, für die man sich an uns gewandt hatte. Leider konnte ein Teil der Tiere nicht kastriert werden da trächtig und – nunja – so ändern sich dann die ursprünglich gefassten Pläne wieder einmal. Wir planen etwas und das Leben winkt Tränen lachend ab – „Wartet mal, ich hab da was viiiel besseres für euch“.

In Haus und Garten habe ich einige bauliche Veränderungen, oder besser gesagt Modernisierungen und Reparaturen durchgeführt. Dafür hatte ich die Zeit des Sommerurlaubs genutzt, weil wenn man arbeitet kommt man ja zu nix, gell? Ganz aktuell bin ich an der Gründung eines neuen Vereins beteiligt. Ist noch zu früh für konkrete Werbetrommelei aber es sei so viel verraten, dass es darum geht unsere an sich doch schöne Stadt kultureller wieder stärker zu beleben.

In meinem Kopf schwirren noch so ein paar weitere Sachen. In den letzten Wochen drängt sich wieder mein Ambient/Noise Projekt mit Nachhaltigkeit in meinen Kopf und es braut sich da langsam etwas zusammen. Ich bin auch immer noch nicht von der Idee weg mal live ein paar alte Nintendo Games zu streamen. Vielleicht ist das mal was für den Herbst. Ich würde auch gern mal für die #nordstadtkatzen live gehen oder ein paar Videos bei TikTok und Co. hochladen. Des Weiteren warten in der Werkstatt noch einige Projekte und wir machen auch die Beetumrandungen im Garten nebenher neu. Vermutlich müsste ich mal eine Sache konkret auswählen von den tausenden, die mein Hirn fluten, und diese dann konsequent umsetzen. Leider fällts mir zum einen sehr schwer meine Interessen zu priorisieren und zum anderen hat so ein Tag auch leider nur 24 Stunden.

Wenn also jemand von Euch ne Idee hat wie man ohne Lohnarbeit und ohne kriminell zu werden finanzielle Unabhängigkeit erreicht immer her mit den Ideen. Gibt’s da eventuell ne Nische für bärtige, kräftige Männer bei OnlyFans? Ich könnte mich mit Barbecue-Sauce einreiben oder so… okay, lassen wir das.

Bevor es ganz komisch wird beende ich dann diesen kurzen Beitrag erstmal. Fühlt sich gut an mal wieder ein paar Zeilen rausgehauen zu haben.

Also Küsschen aufs Nüsschen, bleibt lieb und gebt Nazis keine Chance.

Bis zum nächsten mal.

1 x Mindfuck, aber reflektiert

Es gibt Phasen in meinem Leben, da fühle ich mich nicht mehr.

Ich fühle mich nicht lebendig und wie ein Statist im eigenen Leben.

Jeder Tag fühlt sich gleich an, mit den gleichen Abläufen, den gleichen Tätigkeiten.

Und je gleicher und grau sich alles anfühlt, desto anstrengender wird es.

Das Blatt bleibt weiß, die Instrumente stumm.  

Ich will so gerne, aber es geht nicht.

Müde und ausgelaugt warte ich dann einfach darauf schlafen gehen zu können.

Und habe dann die Gedanken an den nächsten Tag schon im Kopf.

Mit den gleichen Abläufen, den gleichen Tätigkeiten, der gleichen Struktur.

Und fürchte mich vor der Einheitlichkeit. Vor der Uniformität des Lebens.

Es fühlt sich an wie ein abhaken, ein abarbeiten von Alltäglichkeiten, die getan werden müssen.

Dann etwas schlafen, damit wieder Energie für die neuen, gleichen Aufgaben da ist.

Mit jedem Schlaf wird die Energie gefühlt weniger aufgefüllt.

Die Dinge die ich tun will stauen sich in meiner Unfähigkeit sie in diese vermeintlich fest vorgegebene Struktur an Abläufen einzubauen.

Atempausen gipfeln in einer weiteren, sinnlosen Runde Angry Birds.

Die Dinge die ich tun muss stauen sich gleichermaßen. So viel, was noch erledigt werden muss.

So wenig Energie, es ist ein Teufelskreis.

Ich mache Sache A, kommt Sache B dazwischen, bleiben Teile von Sache A unerledigt, weil ich mit C anfange oder es schon wieder Schlafenszeit ist.

Ich hasse den Schlaf und ich liebe ihn.

Ich hasse es durch den Flur zu laufen und dann dort die Kartons zu sehen, die ich schon vor 3 anderen Erledigungen zerschnitten und entsorgt haben wollte.

Ich habe eine diagnostizierte Anpassungsstörung und auch Depressionen.

Als Sahnehäubchen kommt eine Aversion gegen Regeln und Hierachien dazu.

Vor ein paar Monaten wurde die Dosis der Medis erhöht.

Dann geht es eine Weile. Das Grübeln hört auf.

Alles ist weniger und vieles egaler. Dann funktioniere ich wieder besser.

Und irgendwann frage ich mich dann wieder ob ich überhaupt in diese Welt passe.

Andere sind zufrieden, gehen auf in dem was sie sind und was sie tun.

Ich fühle mich, als müsse ich nun wieder Dinge abarbeiten von einer imaginären Liste von einer Endlosrolle.

Jeder Schlaf, jede abgehakte Aufgabe bringt mich näher ans Lebensende und mein Hirn mahnt mich,

dass ich bisher weder eine Geschichte oder ein Album veröffentlicht habe.

Ich bin ein Mensch, der stark auf audiovisuelle Reize reagiert. Bilder und Musik begleiten mich mein ganzes Leben.

Während andere Kinder Hörspiele gehört haben, habe ich die Rockplatten meiner Mutter zum Lego bauen gehört.

Durch die Kunst fühle ich und durch sie kann ich mich am besten ausdrücken.

Immer wieder erreiche ich diesen Punkt.

Diesmal ist es unaufgeregter, reflektierter. Ich bin mir meines Selbst und dem Zustand, in dem ich mich befinde bewusst.

Das ist Teil dieser Erkrankung aber auch Teil meines Erwachsenenlebens.

Je mehr Verantwortung, je mehr Arbeit, desto weniger Möglichkeiten im Nimmerland Unsinn zu treiben.

So ähnlich hieß mein erstes Musikprojekt: Niemandsland. Das ist nun über 20 Jahre her, war aber wohl die kreativ produktivste Zeit meines Lebens.

Ich glaube nicht an Karma, Schicksal, vorherbestimmtes Leben.

Was ich aber bemerkenswert finde ist, dass sowohl das Nimmerland mit Peter Pan (in der weniger tragischen Disney Variante)

und diese Unruhe in Bezug auf mich selbst und das Ausleben meiner Gedankenkonstrukte und Gefühle nicht nachlässt und

immer wieder mit Nachdruck mein Hirn massiert und mir in den Bauch boxt. Immer und immer wieder.

Um ein fest etabliertes, (aber nicht gutes) System zu durchbrechen muss man es immer wieder rigoros und deutlich stören.

Das hat mal eine sehr schlaue und einfühlsame Person zu mir gesagt.

Dadurch, dass ich es hier heruntergeschrieben und es euch zum Lesen gegeben habe ist es ja auch schon mal etwas anders.

Dadurch, dass ich nicht den Wunsch verspüre mich selbst zu zerstören und immer extremere Erfahrungen zu machen ist es etwas anders.

Ich weiß, dass ich viel leiste, dabei fühle ich mich aber manchmal wie der Fahrrad fahrende Fisch, der versucht einen Baum raufzufahren.

Dabei würde es mir reichen einfach nur ich zu sein.

Kopfmurks

2012 gingen für mich zwei große Wünsche in Erfüllung.

Zum einen habe ich das erste Mal den heiligen, matschigen Grund von Wacken betreten.

Zum anderen ergab sich hier aus abendlichen Gesprächen auf den Campground mein erstes, richtiges Engagement als Sänger.

Ich hatte keinerlei Bühnenerfahrung und habe davor auch nur unter der Dusche, im Auto und in einer Metal Band ohne Auftritte gesungen.

Letzteres war mehr ein Spaßprojekt mit Freunden um einmal die Woche Dampf abzulassen.

Das hier war neu. Die Band war lokal bereits etabliert, hatte ein umfangreiches Set an Coverversionen und eigenen Stücken.

Schon bei dem nächsten Auftritt sollte ich vorgestellt werden und zunächst ein paar der härteren Nummern singen.

Mein erster Auftritt fand auf einer Open Air Veranstaltung im Spätsommer desselben Jahres statt.

Die Besucheranzahl war vierstellig und mir war kotzübel vor Aufregung. SO viele Menschen. Und ich habe noch nie vorher auf einer Bühne gestanden.

Was, wenn ich die Texte vergesse, was, wenn ich mich beschissen anhöre?

Letzten Endes war es saugeil. Als die Musik einsetzte umschloss mich etwas und verließ mich erst wieder als es vorbei war.

Adrenalin, Glücksgefühl.

Wir haben an vielen Locations mit vielen unterschiedlichen Bands gespielt, Parties gefeiert, Songs geschrieben, Auftritte geplant, Setlists erweitert und umgestellt.

Als wir genug eigenes Material für eine Demo hatten stieg zunächst unser Tastenmann aus und wir entschlossen zukünftig stattdessen mit 2 Gitarristen zu arbeiten und einen Schuh Härte oben drauf zu legen.

Wir begannen dann quasi von vorn, arbeiteten uns aber recht schnell wieder auf ein Level, wo wir Auftritte machen konnten.

Wir planten also ein weiteres Mal einen Studioaufenthalt als dann unser Bassmann aus persönlichen Gründen aussteigen musste.

Letztendlich schmiss dann auch kurz darauf der Drummer und mit neuem Drummer und neuem Bassmann sowie einem neuen Konzept und Bandnamen wollten wir wieder komplett neu durchstarten.

Leider kam es nicht mehr dazu. Bei allen Beteiligten kam es immer wieder zu Probe Ausfällen, weshalb wir irgendwann der Realität ins Auge blicken mussten, dass es so nicht funktioniert.

Das Ganze ist nun auch schon einige Jahre her, dennoch sitzt es tiefer, als ich es mir bisher eingestehen wollte. Vielleicht schreibe ich es daher auch hier einmal runter, damit es fest irgendwo steht und draußen ist. Vielleicht lässt dieses Gefühl dann mal etwas nach.

Ich vermisse diese Zeit sehr und nein, sie kommt nicht wieder. Auch eine neue Band würde das, was damals abgelaufen ist nicht reproduzieren können.

Davon ab habe ich momentan gar nicht die Zeit für eine Band. In meinem Kopf stapeln sich noch so viele andere unerledigte Aufgaben, dass ich mir manchmal einen Resetknopf für meinen Kopf wünsche. Und es kommen ständig neue dazu.

Ab hier startete ein Absatz mit Selbstmitleid und Opferblabla, den habe ich daher wieder gelöscht.

Stattdessen möchte ich euch ermutigen. Wenn ihr etwas davon wiedererkennt oder ihr euch darin erkennt, dann macht einfach mal. Tut es, denkt nicht zu viel drüber nach.

Am besten fand ich immer das Gefühl, wenn ich gesprungen bin, obwohl das Wasser kalt war.

Wenn das große Licht aus und die Scheinwerfer angingen.  

Es muss ja nicht Musik sein, aber für irgendetwas brennt ja fast jeder.

Ich denke ihr solltet dem nachgeben und es ausleben.

Außer, es hat mit harten Drogen zu tun. Dann tut mal lieber die Möhrchen.

Over and out.

FUWUWU

Was hat es mit diesem Wort auf sich? Nun, einige von Euch wissen eventuell bereits, dass es einen Twitter Account namens „Fuwuwu Sachen“ gibt. Den Account hat Lovis erstellt, um ausschließlich kreative Projekte dort zu (re-)tweeten, die bei uns im Laufe der Zeit so stattfinden.

Wir sind fast 11 Jahre ein paar, davon 8 Jahre verheiratet. Wir haben uns quasi aus dem Nichts eine kleine aber feine Existenz erarbeitet und aufgebaut. Bei vielem davon hat die Kreativität und der Schaffensdrang von Lovis einen großen Anteil. Ich bin dann eher der Typ, der fragt: „Was soll ich wie dabei machen?“ und konzentriere mich dann auf die Ausführung.

Lovis hatte bereits einen Umsonstflohmarkt aus der Taufe gehoben und eine begleitende Facebookseite dazu betreut. Es war damals die Größte ihrer Art.

Wir haben Pflegehunde aus Spanien aufgenommen und vermittelt, Lovis war im Vorstand des Vereins und hat auch selber Shelter in Spanien besucht und sich ein Bild gemacht.

Wir haben Klamotten für die Flüchtlingshilfe gesammelt, sortiert und verteilt.

Als die Pandemie anfing, hat sie im Akkord Stoffmasken für Bedürftige genäht, ich habe die Bänder befestigt.

Ein Teil vom #nordstadtkatzen Merch entsteht in Handarbeit und dann sind da ja auch noch die #nordstadtkatzen selber.

Ich zähle das im Übrigen auf um zu zeigen, dass bei uns eigentlich immer was am Start ist und nicht um zu zeigen, was für geile Menschenfreunde wir sind. Was wir natürlich sind. Aber niemals zugeben. Also ich zumindest nicht.

Egal, weiter.

Seit Lovis gesundheitlich bedingt immer wieder mal ausgebremst wird hat sie das Malen wiederentdeckt.

Ich selber beschäftige mich gerne mit Projekten in der Werkstatt, mit Musik und Collagen/Illustrationen (wie sie auch zum Teil in meinem Shop zu finden sind).   

Ein Teil all dieser Dinge haben wir dann auch zu Gunsten der #nordstadtkatzen oder auch für andere Projekte versteigert.

Andere Dinge finden sich am und im Haus wieder, wo wir versuchen durch Kreativität und Upcycling neue Klettermöglichkeiten für unsere Schützlinge zu schaffen oder es uns einfach etwas gemütlicher zu machen.

Aktuell versuche ich ja mit möglichst günstigen Mitteln eine Schaufelgitarre zu bauen und dieses Projekt mit einem Tutorial darüber abzuschließen.

Auch dieses Tutorial sollt ihr dann bei FUWUWU finden um euer eigenes Ding draus zu machen und nachzubauen / umzubauen / neu zu bauen.

Das Haus ist Versuchslabor und Testgelände.

Aufmerksame Leser meiner Frau wissen, dass wir aus Gründen in den letzten Monaten etwas auf die Bremse treten mussten.

Ab nächster Woche ist die Zahl der Schützlinge deutlich reduziert. Zum einen freut uns das sehr, weil bis zu 6 Katzen ein neues für immer zu Hause bekommen. Es entlastet auf der anderen Seite auch. Schließlich sind da noch unsere beiden Dauerpatienten, die täglich medizinisch versorgt werden und unser Neuzugang mit dem Blutohr, was uns noch ne Weile, aber hoffentlich nicht mehr zu lange, beschäftigen wird.

Derzeit strukturiert sich unser Alltag etwas anders, was uns aber nicht davon abhält weiter zu machen.

Ich schweife ab.

Also, FUWUWU. Der Begriff ist ungefähr so alt wie unsere Beziehung und wurde schon recht früh zu einem geflügelten Wort und Code.

Das geht soweit, dass wir eine kleine FUWUWU Stele aus rostigem Eisen vor der Haustür haben. Und FUWUWU fasst auch ganz gut unser Leben zusammen, es ist ein roter Faden zum immer wieder ins Gedächtnis rufen und danach zu handeln.

In unserem Eheversprechen, auf den Wänden unserer Küche (NEIN! Nicht als Wandtattoo) und an Lovis‘ Knöchel befinden sich die Worte Achtung, Liebe und Respekt.

Nach meiner Vorstellung und nach meinem Gefühl sind die drei der Kern. FUWUWU ist quasi die Frucht, die drum herum wächst.

Aber was zum Teufel heißt denn nun FUWUWU? Sagen wir nicht. Haben wir noch niemandem verraten und werden es auch nicht verraten.

Es ist kein reines Fantasiewort und hat eine „seriöse“ Bedeutung. Mehr Info gibt es dazu wirklich nicht.  

Was nun allerdings neu ist, ist das Lovis und ich eine Initiative gegründet haben.

Mit dieser Initiative wollen wir den kreativen Prozessen und dem Schaffen dahinter ein Gesicht geben.

Kurz zusammengefasst lässt sich die Zielsetzung unter FUWUWU.art nachlesen.

FUWUWU wird sich mit den ganzen Sachen, die wir verzapfen, anfüllen. Dann wird es wieder die geben, die fragen werden „Was soll der Scheiß?“, „Das soll Kunst sein?“ bliblablub.

Um die werden wir uns nicht kümmern.

Es wird auch Menschen geben, die sich angesprochen fühlen werden. Auf sie sind wir gespannt. Mit ihnen wollen wir uns austauschen.

Ich kann nicht für Lovis sprechen, aber für mich ist es schon so etwas wie unser gemeinsames, geistiges Kind, Ausdruck unserer Lebensphilosophie vielleicht.

Das klingt jetzt pompöser und dramatischer als ich es meine.

Das Ganze wird organisch wachsen, ebenso, wie wir es bedienen können und wollen. Alles kann, nichts muss (auch ein Spruch, der bei uns lange Tradition hat).

Aber wenn ihr Bock habt schaut einfach mal von Zeit zu Zeit auf Twitter oder FUWUWU.art vorbei.

Zweifel, Hoffnung, Vorurteile

Sowohl meine Frau als auch ich haben Depressionen. In der Vergangenheit gab es immer mal wieder die Frage ob so eine Art von Beziehung denn überhaupt klappen könne.

Zieht man sich nicht gegenseitig runter? Sitzt man nicht zusammen unter einer schwarzen Wolke und lässt sich von Tränen der Trauer und Leere berieseln?

Nun, ich hab darauf keine allgemeingültige Antwort, kann aber sagen, dass es in unserem Fall wunderbar klappt.

Wir können nachvollziehen, wie sich der andere bei einer Talfahrt fühlt und dementsprechend darauf eingehen. Eben weil wir in dieser Hinsicht dasselbe Schicksal teilen.

Ich denke, dass es eher schwierig werden kann, wenn dem gesunden Part einer Beziehung das Verständnis für Depressionen fehlt.

Es gibt Menschen ohne Depressionen, die bemühen sich zu verstehen, nehmen es ernst und haben Geduld. Es gibt aber natürlich auch die anderen, die all das nicht aufbringen.

Und oftmals kann man ihnen auch keinen Vorwurf daraus machen. Niemand, der selbst betroffen ist oder war, wird dieses Gefühl, welches der schwarze Hund mit sich bringt, richtig nachfühlen können.

Hast du dir noch nie den Arm gebrochen ist es leicht zu sagen „Stell dich nicht so an. Kommt ne Schiene dran und ein Gips drum und dann ist nach ein paar Wochen wieder gut“.

Wobei: im Fall einer offensichtlichen Erkrankung wie einem Armbruch, einer Grippe oder Verbrennung sind wir oftmals in der Lage dennoch besser mitzufühlen, weil die Wahrscheinlichkeit groß ist, ähnliches bereits selber schon mal durchlitten zu haben.

Depressionen sieht man nicht. Und wenn man die Diagnose hat, dann weiß man selber „Aha, ich habe Depressionen“. Der Arzt weiß es, der Therapeut weiß es.

Man kann darauf hinweisen, es erzählen. Ob es verstanden wird liegt nicht an einem selbst.

Die Diagnose habe ich vor 10 Jahren erhalten und nehme seitdem Medikamente. Damit geht es ganz gut.

Bei meiner Frau spielen Depressionen seit frühester Kindheit eine Rolle, sind auch dementsprechend lange schon Begleiter in allen möglichen Krankenakten.

Und das macht sich leider aktuell bemerkbar. Meine Frau hat seit vielen Jahren Beschwerden. Zunächst traten sie nur phasenweise auf. Mittlerweile sind sie zum Dauerzustand geworden.

Sie kann nicht länger als 200 m laufen ohne aus der Puste zu kommen, fühlt sich oft wie eine Siebzigjährige. Hat das Gefühl durch Ausruhen und Schlaf nicht die Regeneration zu bekommen, die normal wäre.

Ihr fallen Dinge aus den Händen, sie stolpert, ermüdet schnell. Und seit Jahren rennen wir von einem Arzt zum nächsten, von einer Klinik zur nächsten.

Immer wieder erzählt man ihr es läge an den Depressionen, sei psychosomatisch.

Wird sie untersucht liegen ihre Werte immer im Grenzbereich. Nicht gut, aber auch noch nicht wirklich schlecht. Sie kühlt schnell aus, hat zu niedrigen Blutdruck, immer wieder mal Schübe an Schuppenflechte und gelegentlich schwellen ihre Hände an und sind rot. Alles ersichtlich. Wir als ihre Familie sehen sie, kennen sie. Wir wissen, dass sie eine nie stillstehende, kreative und aktive Frau ist, die ständig etwas zu tun haben muss, lange Hunderunden geht, Projekte wie die #nordstadtkatzen ins Leben ruft undundund. Nun, und im Moment geht das nicht mehr. Sie kann nicht mehr arbeiten, sie kann nicht mit den Hunden gehen und teilt sich alle Tätigkeiten in kleinen Stufen mit vielen Pausen ein. Dinge heben und halten: no Sir. Geht nicht. Und es beschäftigt sie; sie ist natürlich unzufrieden mit der Situation.

Und sie hatte ihre letzte wirklich starke depressive Phase vor etwa 5 Jahren.

All diese offensichtlichen, körperlichen Beschwerden sehen die Ärzte nicht. Und sie leben auch nicht mit meiner Frau, erleben nicht unseren Alltag.

Es ist frustrierend zu wissen, dass da etwas nicht stimmt und man dann immer wieder erzählt bekommt, die Depressionen seien dafür verantwortlich.

Ich frage mich manchmal, ob wir lediglich an Mediziner geraten, von denen keiner depressiv ist. Ob ein depressiver Arzt einen anderen Blick auf meine Frau hätte und anders untersuchen würde.

Ob das ein Grund sein könnte. Das ist mit Sicherheit ein naiver Gedanke, ein hakeliger Erklärungsversuch meines Kopfs.

Es gibt noch zig verschiedene Möglichkeiten, auf die untersucht werden könnte. Derzeit drehen wir uns aber nur im Kreis. Es werden wieder dieselben Untersuchungen angeordnet, anstatt neue Ansätze zu wagen und mal zu schauen, ob es sich möglicherweise um etwas nicht Alltägliches handelt. Und Ansätze gibt es hier. Es gibt bestimmte Parameter und Werte, die eben nicht in Ordnung sind.

Aber weil meine Frau Depressionen hat und keiner der Werte so richtig abgrundtief schlecht ist, ist es halt psychosomatisch.

Wir werden da dranbleiben. Einfach, weil wir sicher sein können, dass da irgendetwas ist, was dafür sorgt, dass die Energie ausbleibt. Meine Frau ist der Überzeugung, es handelt sich um eine „Kleinigkeit“, wenn man es im Rahmen dieser Situation so nennen kann. Also etwas hormonelles oder ein Mangel, etwas das sich durch die richtige Behandlung verbessern lässt.

Sie hat seit jeher ein gutes Bauchgefühl und mit den meisten Vermutungen am Ende immer richtiggelegen. Und deswegen vertraue ich darauf, dass wir letzten Endes auch erfahren werden, was die tatsächliche Ursache ist.

Wie ist es bei Euch? Seid Ihr in einer ähnlichen Situation (gewesen)? Musstet ihr auch schon einmal die Erfahrung machen, dass etwas war und Euch nicht geglaubt wurde und am Ende stellte sich heraus, dass Ihr recht hattet?

Ich würde mich freuen, wenn Ihr uns dazu Eure Erfahrungen oder Gedanken mitteilt. Es ist immer hilfreich festzustellen, dass es auch noch andere gibt, denen es ähnlich geht wie einem selber.

Schreibt uns gern einen Kommentar oder auch eine Mail an DaLord(at)LordSixtus.de.

Nun

Nachfolgend ein Beitrag meiner Frau Lovis:

Nun, mal wieder viel zu viele Gedanken in meinem Kopf, die ich gar nicht in der Lage bin, alle aufzuschreiben, viel zu schnell geht es hin und her.

Ich versuche es etwas zu ordnen, deshalb hilft es mir, es aufzuschreiben.

Es geht gar nicht darum, dass dies jemand anders liest, es muss nur irgendwie raus in die Welt.

Vielleicht ist es auch ein bisschen Mimimi…

Ich erzähle ja öffentlich, dass ich zur Therapie gehe… Auch ein bisschen was Neues für mich, aber letztlich ja glücklicherweise nichts ungewöhnliches mehr und längst nicht so ein Tabuthema, wie es mal war.

Die Therapeutin ist im Bereich der Tiefenpsychologie tätig und ich komme relativ gut inzwischen mit ihr aus.

Vor gar nicht allzu langer Zeit hat sich mich gefragt, wie ich mich beschreiben würde, wenn ich ne Kontaktanzeige aufgeben würde.

Es fiel mir sooooo schwer, mich dazu äußern, aber sie war minutenlang geduldig.

Ich hab mich für „chaotisch-kreative Idealistin“ entschieden, so richtig mehr ist mir nicht eingefallen.

Ob mein Mann mich auch so schwer beschreiben könne, hat sie mich gefragt. „Nein, dem fallen bestimmt 20 Dinge sofort ein“.

So ist es auch, ihm würden zig Beschreibungen einfallen, die sich aber für mich alle nicht richtig anfühlen, das habe ich auch so gesagt. Sie machen mir etwas Unbehagen, ich rutsche dann auf dem Stuhl hin und her und … nun ja.

„Und ihr Mann kennt sie doch jetzt seit x Jahren am besten, nicht? Und sagen Sie nicht, dass Sie zwei auch Freunde sind und komplett offen miteinander umgehen, alles besprechen können und ehrlich miteinander sind?“ Na klar, dass konnte ich bejahen, das ist so.

Während ich mit meinem Exmann im Nachhinein betrachtet zu viel Zeit verbracht habe, bin ich jedes Mal froh, wenn seine Lordschaft durch die Tür kommt. Hat er etwas früher Feierabend, freue ich mich, dass wir uns sehen. „Aha! Und meinen Sie dann, er könnte nicht recht haben mit dem, was er über sie sagt?“
Alter, der war fies…

„Oder spielen Sie ihm was vor?“

Nein, natürlich nicht. Vor niemandem habe ich mich je so offengelegt, wie vor ihm und das ganz bewusst von Anfang an. Auch meine absurden, traurigen, schamvollen Gedanken teile ich mit ihm, die, die meine eigene Schuld betreffen, meine Fehler, aber auch meine Wünsche und Hoffnungen. Zu niemandem habe ich solch ein Vertrauen, wie zu ihm. Er ist mein Partner, mein Gefährte, mein bester Freund und jemand, der so tief an mich und meine Seele, meine Ideale und mein Sein glaubt, wie ich es selbst gar nicht kann.

„Was ist denn wahrscheinlicher? Dass Sie sich mit ihrer Selbsteinschätzung irren, oder er?“

Pfffffffffffft, Touché, Frau Therapeutin.

Ich fand das ein bisschen gemein und hab ihr das auch gesagt, aber mit ‘nem Zwinkern.

Sie hat da schon recht, mein Bild über mich ist recht undifferenziert und möglicherweise aus Gründen auch geprägt von Überlebensstrategien und Glaubenssätzen.

Ich habe ein Tattoo, sagen wir mal, „gewonnen“.

Ich darf mir das Motiv aussuchen, gleich was es ist, unabhängig von der Größe, Stelle und überhaupt… Ich habe freie Hand, muss nicht auf die Kosten achten.

An meiner Fessel habe ich drei Worte stehen: Achtung, Liebe, Respekt, meine Grundfesten also, mit denen ich anderen gegenübertreten möchte, im wahrsten Sinne des Wortes.
Es hat mich Überzeugungskraft gekostet, die Tätowiererin davon zu überzeugen, es nicht so zu stechen, dass es für andere Leute symmetrisch aussieht, sondern aus meiner Sicht. Sie war nicht der Meinung, dass mich das auf Dauer glücklich macht.

Letztlich bekam ich es so, wie ich es mir gewünscht hatte und bin so zufrieden damit.

In dem neuen Rahmen habe ich über weitere Worte nachgedacht, zwei standen sofort fest: Würde und Menschlichkeit. Auch sie prägen mein Handeln (hoffentlich) und ich möchte sie verewigt haben.

Ich hab darüber nachgedacht, was wohl zu dem vorhandenen passen würde…

Das andere Tattoo ist braun, nicht schwarz, das war mir zu auffällig, außerdem mag ich die Farbe nicht, sie hat so einen Blaustich.

Dezent soll es sein, unauffällig, da ich das ja nicht für andere tragen möchte, sondern für mich.

Aber es gibt noch so viele andere Dinge, die ich „eigentlich“ gerne hätte.

Und genau an diesem „eigentlich“ hänge ich noch…

Denn: Eigentlich möchte ein Teil von mir sich eben nicht mehr anpassen. Eigentlich mag ein Teil wieder Punk sein und wieder nen Iro haben.

Eigentlich mag ich Farbe. Eigentlich mag ich meinen Körper so tätowieren lassen, wie ich mag.

Eigentlich gibt es viele Menschen, die mit ihren Tattoos unsagbar schön aussehen.

Eigentlich mag ich mich meinen mir selbst aufgestellten moralischen Regeln und Beschränkungen nicht unterwerfen und wieder ein bisschen Fuwuwu werden.

Fuwuwu kann ich euch nicht näher erklären, es ist etwas besonderes zwischen seiner Lordschaft und mir, hat für uns mal eine dolle Bedeutung gehabt, uns aus unseren „alten Leben“ zu befreien und steht für etwas sehr persönliches… Es ist eine Art Mantra und gleichzeitig auch irgendwie für das, was wir noch erreichen möchten, sein wollen, für das, was unser persönliches großes Ziel für dieses Leben ist.

Manchmal sage ich „Och, das mache ich im nächsten Leben“, wenn etwas aufgrund der Umstände nicht möglich ist und es mir selbst aber wünsche…

„Im nächsten Leben werde ich einen Tanzkurs machen/ studieren/ die Stolperseine aus dem Weg räumen, die mich selbst in mir hindern, mich und mein Leben zumindest OK zu finden/ reisen, in die Politik gehen/ oder was auch immer“.

Und langsam wird mir bewusst, dass ich kein nächstes Leben haben werde.

Unabhängig nun mal von Religion, Glauben, Wiedergeburt und so, meine ich.

Denn selbst, wenn das so stimmen würde, wäre ja mein Bewusstsein dieses Lebens nicht existent…

Komische Gedanken, oder?

Darüber habe ich bereits in der Grundschule philosophiert… Wird bereits bei der Zeugung das einzigartige Bewusstsein vergeben? Also wenn ein anderes Spermium gewonnen hätte, würde mein Bewusstsein das dann merken, oder geht das gar nicht, weil es dann ja nicht besteht?! Meine Mutter hat mich mit großen Augen angeguckt…

Nun ja, also tobt in mir auch grad etwas der Kampf, was für ein Tattoo ich möchte.

Und das ist ein großer Kampf, denn es ist stellvertretend für diese Seiten in meinem Leben: Die, die ich bin und die, die ich sein mag.

Kann das grad nicht richtig ausdrücken, aber es hängt auch damit zusammen, wie ich mit mir zufrieden werden kann, was an Erziehung und Glaubenssätzen ich loslassen kann und mich mit mir und meiner Welt arrangieren kann.

Und da ich grad bei dem Thema bin: Autsch.

Gestern haben sich seine Lordschaft und ich ein paar Augenblicke gestohlen und sind in die Stadt gefahren.

Wir wollten ein bestimmtes Buch kaufen, haben es gefunden und mitgenommen, alles tutti.

Aber diese 50 Minuten Stadt haben mir wirklich einiges abverlangt, denn gesundheitlich wird’s grad ehrlich gesagt nicht besser, sondern eher schlimmer.

Auch das ist so ein Thema, was meinen Kopf hart f++++.

Ich habe aus Gründen gelernt, dass ich immer und immer und immer weitermachen muss, auf meinen Körper nicht zu hören habe und immer und immer stärker zu sein habe, als andere Menschen. Über Schwäche und Unzulänglichkeiten wird nicht gesprochen, nützt ja nichts, also Arschbacken zusammen kneifen und trotzdem machen.

Mein Körper ist grad wie ein billig-Akku: Ein, zwei kleine Dinge machen, dann braucht er schon wieder eine Ladestation.

Ich habe täglich Schmerzen, seit meiner Jugend schon. Es gibt keinen Tag, an dem ich schmerzfrei bin und habe aber ja für mich gelernt, dass dies normal ist, zumindest für mich.

Es ist nichts Besonderes, dass ich in bestimmten Positionen nicht sitzen kann, Kopf- und Gliederschmerzen habe, mir Kopfhaut, Arme, Beine, Oberschenkel und sogar Teile des Gesichts einschlafen, dass mir phasenweise die Haare ausfallen, ich auch nach drei Durchgängen in der Sauna noch eiskalte Füße und Finger habe und nicht schwitze. Mir ist eigentlich immer kalt. Also auch im Sommer bei 40 Grad. Da sitze ich gerne auf der Terrasse oder grade den Garten um oder betätige mich körperlich, das ist für mich das angenehmste Wetter, denn dann ist die Kälte nicht so schlimm.

Ich kann mir im Moment die Haare nicht kämmen, zu schnell schmerzen die Oberarme und ich habe keine Kraft mehr, bin aus der Puste alleine davon und brauche eine Pause.

Im Moment gibt es Tage, da ist rein körperlich das Lenkradhalten zu anstrengend…

Die Oberschenkel machen auch nicht mit. Gerade Strecken gehen noch, Treppensteigen oder Anstiege entleeren diesen blöden Akku zu schnell und ich brauchen eine Pause.

In der Stadt gestern war es zu anstrengend, die Hand seiner Lordschaft zu nehmen, wir mussten nach einigen Minuten die Seiten wechseln.

Inzwischen gehe ich solche Strecken kaum noch, es ist eher wie ein Wanken geworden.

Von dem schnellen, dynamischen Schritttempo ist nichts mehr da, eher ein „verdammt, wo kann ich keinen Kopf anlehnen und mich hinsetzen“… Beim Duschen zu stehen, bringt mich auch außer Atem.

Neulich im Krankenhaus bei Belastungs-EKG hab ich stolze 122 Sekunden Fahrradfahren können, ehe ich kurz vor einem heftigen Zusammenbruch war.

Ein Arzt stellte eine Mitochondriopathie fest, ein anderer zweifelt dies an.

Und nun weiß ich nicht weiter und überlege, wie lange ich noch ohne Hilfsmittel mich außerhalb des Hauses bewegen kann und hoffe hoffe hoffe, dass ich bald endlich alle Unterlagen bekommen kann, für den neuen Arzt. Der, der zuhört und mich ernst nimmt, der das alles nicht abtut mit „Psyche“… Zu dem hat mich die Therapeutin geschickt, denn auch sie glaubt nicht, dass dies psychisch ist.

Weder das wiederkehrende Fieber, noch die immer auffälligen Urinproben…

Tja, das ist grad etwas fordernd.

Und ich habe mich getraut, mit seiner Lordschaft darüber zu sprechen… Hab mich auch da nackig gemacht, was meine Kraft angeht. Und er war mal wieder toll!
Vielleicht erzählt er euch davon.

Aber erschrocken war er auch ein bisschen… glaube ich.

Und dann sind da noch die Schützlinge und das, was das alles so beinhaltet.

Das geht ehrlich gesagt einigermaßen gut, im Moment arbeite ich ja nicht und kann in mehreren Abschnitten Staubsaugen und mich zwischendurch hinsetzen, mich schlafen legen und mein eigenes Tempo machen.

Aber klar: Das alles kann ich auch nur, weil ich noch krankgeschrieben bin. Und, das ist mir wichtig zu betonten: Weil es Menschen gibt, die dies auch finanziell unterstützen.

Eigentlich hatten wir uns auf ein „besseres“ Jahr gefreut, mit mehr Hoffnungsträgern und wenigen Nordsternchen… Es kam wieder anders. Wie bitter! Also wirklich!

Um jedes einzelne Lebewesen trauern wir und ich bitte um Entschuldigung, dass ich es nicht geschafft hab, dieses Tier groß zu ziehen… Es ist jedes Mal ein persönliches Versagen…

Bereits bevor wir uns diesen Namen gegeben haben, waren wir im Tierschutz aktiv, irgendwie sind wir einfach dazu gekommen und da so reingestolpert.

Ich war im Vorstand eines Vereins, der sich um Hunde aus Spanien bemüht.

An vier verschiedenen Stadtorten in Spanien hatte der Verein Partner… Also in Spanien vor Ort tätige Menschen und private Organisationen, die die Tiere versuchen aus den Tötungsstationen zu holen, sie einfangen oder annehmen.

Dort gibt es keine Tierheime, wie wir sie hier kennen und der Umgang mit den Tieren, ihr Wert für die Gesellschaft ist einfach anders… Vielleicht eher so, wie bei uns zu Küken, die geschreddert werden.

Dort wird ein Hund (oder eine Katze) in der Perrera abgegeben. Sie haben bis zu 28 Tage Zeit, vermittelt oder freigekauft zu werden, danach werden sie getötet.

In einigen Städten hat sich dies schon geändert, dort gibt es Zufluchtsheime, Shelter.

Es ist auch etwas komplexer, als es hier klingen mag, davon kann ich bei Interesse mal erzählen.

Unser Hund 1 stammt direkt aus einer Tötung. Ein TSV kaufte 20 Tiere dort frei, 21 stiegen in dem Shelter aus dem Transporter. Er war Nummer 21.

Hund 2 war in Adra in einem Shelter und von dem Verein, wo ich später tätig war.

Dieses Sheltern waren 30 qm2 betonierter Hinterhof mit zwei Zwingern, unter freiem Himmel. Dort lebten etwa 15 Hunde. Freiwillige kamen und gaben Futter, sehr viel mehr war nicht möglich.

Der TSV hatte immer wieder Stress mit den „Adra-Mädels“, denn es gab immer mehr Notfälle, schwierige Fälle, immer schwieriger waren die Bedingungen.

Der TSV meinte, sie dürfen keine Tiere mehr aufnehmen.

Die Mädels taten es trotzdem, Stück für Stück. Wenn das Shelter voll war, fütterten sie auf der Straße, versorgten dort, behandelten und hofften auf einen freien Platz im Shelter.

Aber: Voll ist voll, sie wussten das.

Irgendwann hofften sie auf einen Platz für eine schwangere Hündin, sprachen mit dem TSV, baten diese Menschen in Deutschland sie dabei zu unterstützen, dass sie sie doch aufnehmen.

Der TSV blieb dabei: Nein war Nein.
Kurz und knapp: Es gab grausame Menschen dort.

Mutter und die ungeborenen Kinder wurden gemeuchelt.

Ich hab Bilder gesehen, die die Mädels geschickt haben, wie gingen schon sehr sehr tief.

Ein Jahr später etwa war ich mit dem TSV Vorort, habe alle Shelter besucht, die Tiere kennengelernt, mit den Menschen Kontakt aufgenommen, verstanden, geschaut, unterstützt.

Es ist sehr leicht zu sagen: Voll ist voll.

Es ist etwas anderes, das Leid und die Tiere zu spüren und zu erleben.

Von außen urteilt es sich so leicht…

Es gibt im Tierschutz nach meinem Empfinden kein schwarz-weiß.

Ich kenne viele Engagierte, die sagen: Ich kann nicht mehr aufnehmen, es im Notfall aber doch tun.

Natürlich doch tun.

Bei uns ist das ähnlich.

Ich weiß sehr genau, dass wir weniger Schützlinge haben müssen, die Umstände passen nicht gut für so viele.

Seine Lordschaft weiß das, das Internet weiß das, alle wissen es.

Trotzdem tun wir es.

Hätten wir eine imaginäre Zahl, wär Ruth nicht hier.

Wo wäre sie dann?

Höchstwahrscheinlich, nein, in diesem Fall sicher nicht mehr am Leben.

Merkt ihr was? Es ist nicht schwarz-weiß…

Und einfach schon gar nicht! Wirklich nicht! Kein Stück.

Grad, weil wir wissen, dass dies seeeeeeeeehr viel ist und wir selbst schon Grenzen überschreiten…

Doch …

Nunja…

Entweder, müssen wir einen Rahmen stecken, mit allen Konsequenzen und Unnachgiebigkeit zu uns und Anfragen, oder wir versuchen den Rahmen zu verändern….

Puh…

Erfahrungsgemäß sind Januar, Februar und noch bis in den März Monate, in denen die wenigsten Menschen die finanzielle Möglichkeit haben, zu unterstützen.

Geht uns ja nicht anders.

Aktuell ist dazu nicht genug Puffer da, einmal grade raus gesagt.

Habt ihr Ideen dazu?

Es gibt so unfassbar tolle Menschen, die uns wiederkehrend unterstützen (können) und das ist ganz ganz groß!

Es ist mir immer noch unangenehm um weitere Unterstützung zu bitten und ich wünsche mir, dass wir irgendwann an einen Punkt kommen, wo wir wieder alles alleine stemmen können und eben diese Menschen nicht mehr brauchen müssen…

Ich breche hier jetzt mal ab, da sind meine Gedanken zu schnell… Vielleicht besprechen wir das mal in nem Space?

Was ich aber unbedingt auch erwähnen möchte, sind die Erfüllung von privaten Wünschen.

Derzeit können wir wenig geben.

Derzeit sind unsere privaten Mittel begrenzt.

Ich schäme mich vor meinen Kindern deswegen oft und versuche, es sie nicht spüren zu lassen.

Ich müsste finanziell schnellstmöglich wieder arbeiten…

Und das sehe ich grad noch nicht.

Mein Krankengeld deckt nicht mal die Strom- und Gasrechnung…

Was ich damit sagen mag:
Danke!

Ich versuche, es wieder echt zu machen…

Wirklich!

Ich möchte nichts geschenkt, werde es wieder ausgleichen…

Danke für euch!

Danke für diese symbolische Geste und die Dinge!

Lovis

Yin und Yang von Lovis

Hallo ihr Lieben,

meine Frau hat wieder einen Beitrag verfasst. Da es hier um Missbrauch und teilweise expliziter Darstellung dessen geht, hat sie entsprechende Markierungen angebracht, siehe Einleitung.

Dennoch: wer sich hier nicht sicher ist, der sollte den Text entweder nicht allein oder gar nicht lesen.

 Heute hatte ich eine intensive Therapiesitzung, viele Themen ein bisschen umrandet, angerissen, vielleicht auch ganz gut so. Ich musste dabei an einen Text denken, den ich auf einer alten Festplatte gefunden habe, den hänge ich mal dran. 

Aber Achtung, Warnung: Dabei geht es um Missbrauch. 

Ich mache den Text kursiv, sodass er überlesen werden kann, denn danach kommt noch was schönes 😊 

  

Ich weiß nicht mehr genau, ob ich 18 oder 19 war, auf jeden Fall konnte ich schon Auto fahren. 

Ich weiß gar nicht mehr genau, warum ich gefahren bin, ich weiß, mir ging es nicht gut und O. hatte sich als Freund mehrfach angeboten. Vielleicht hatte ich Stress mit meinem Freund, der auch sein Freund war, es war so eine on/off Beziehung. 

O. hatte Jura in Göttingen studiert, derzeit kandidiert er in einem Ort im Landkreis für die CDU. 

Er hatte mir angeboten, ich könne jederzeit kommen und bleiben, so lange, bis es mir besser ginge, da hätten schon mehrere gemacht und ein Plätzchen finde sich immer. 
Das klang gut und herzlich, dass ich dann mit ihm telefoniert habe und mir für den nächsten Tag den Fiesta meiner Mutter ausgeliehen hab und wollte zwei Nächte in Göttingen verbringen. 

Das Verbindungshaus, die Villa, war prunkvoll, große Räume mit sehr hoher Decke. Auf dem Fußboden lag sehr altes Parkett, überall war Holz. Es sah trotzdem hell aus, ich kam mir vor wie bei einer Besichtigung eines Schlosses. In der Mitte des Raumes standen mehrere Sofas um einen alten, teuer aussehenden Tisch. 

Zuerst gab es ein Sit-in, aber nicht gemütlich, sondern abgehoben, mit Champagner und Canapees, Lacoste Hemd und Haltung. Ich kam mir mit meiner Jeans und meinen Deichmannschuhen richtig dumm und klein vor zwischen diesen jungen Frauen, deren Cardigan zu den Schuhen passte und die Kette und Ohrringe perfekt abgestimmt auf ihr Outfit hatten. Später gingen die Damen und es wurde so eine richtige Stundenparty draus. Viel Fassbier, viele junge Männer in Verbindungsklamotten, Kotzbecken im „Clubraum“ und und und. Ich stand später in dieser kleinen Küche und wollte abwaschen um etwas zu tun zu haben, O. sagte, dass würde morgen die Putzfrau machen. Putzfrau… in einer Studentenverbindung… Es war eine ganz andere Welt. 

Irgendwann sind wir diese große schwere Holztreppe hochgegangen, wie im Fernsehen wurde der Lärm immer leiserSein Zimmer war so gar nicht dem ähnlich, was ich unten gesehen hatte. Es war karg und unpersönlich eingerichtet, ein Metallbett an der linken Seite, kein Schnickschnack, nichts persönliches, keine Wärme, kein Holz. Es sah ein bisschen aus, wie eine Zelle. 

Er sagte, ich könne das Bett nehmen und ging raus. 

Ich hab mich umgezogen und mich ins Bett gelegt. 

Etwas später kam er mit seiner Boxershorts und nem weißen T-Shirt an und machte in dem Zimmer irgendwas. Ich hatte die Augen zu, war aber kein bisschen müde. 

Er setzte sich seitlich auf das Bett und wollte nun mit mir sprechen, warum es mir schlecht ginge und warum ich gekommen sei. Ich sagte, dass ich heute nicht mehr sprechen könne, weil ich zu müde sei und hab ihn angelächelt, damit er nicht böse sein würde und ihm eine gute Nacht gewünscht. Er sagte, ich müsse ja auch nicht reden, er sei mein Freund, ich könne mich sicher fühlen. Dann schmiss er sich seitlich auf mich, hielt meine Hände fest und fing an mich wild zu küssen und leckte mir das Gesicht mit der Zunge ab. 

Sein Griff war fest und bestimmend. 

Ich sagte ihm, dass ich das nicht wolle, ihn als Freund gerne hätte und schlafen wolle. Er machte pssssst, er sei mein Freund. 

Ich habe immer wieder gesagt, ich wolle das nicht und hab versucht mich weg zu drehen. 

Er war schwer und fest. 

Irgendwann hielt er meine Hände mit einer Hand fest und zog sich die Boxershorts mit seiner Hand runter. Er bewegte sich hart auf und ab, er hat die ganze Zeit geguckt. Er hat mich angeguckt und riss mir die Hose und den Slip runter. 

Dann hat er angefangen und sein Körper war so fest, dass er keine Widerrede mehr duldete. Er war bestimmend. 

Irgendwann hatte ich eine Hand frei und hab ihn weggestoßen, bevor er kommen konnte. 

Er hat gekeucht und ich war leer. 

Er hat geguckt und mir gesagt, dass ich Schlampe und Nutte es nicht besser verdient habe und ich solle mich nicht so zieren. Er hat geglaubt, es sei ein Spiel. 

Ich hab gewusst, dass das noch nicht vorbei ist und hab meine Augen zu gemacht. 

Er steckte seine Finger rein und fing an zu lecken. 

Es tat wahnsinnig weh. 

Ich fühlte mich klein, leer und beschmutzt. Es war erniedrigend. 

Ich machte noch einen Versuch und wollte mich wegdrehen. Es wurde auf einmal warm in meinem Intimbereich und ich hab es nicht geschafft, mich umzudrehen. Später hab ich festgestellt, dass eine Ader geplatzt war, es war das warme Blut

Als er aufgehört hatte, legte er meine Hand an seinen Penis. 

Ich habe nichts gemacht, ich war tot. 

Er saß dann auf seinen Knien vor mir und hatte so einen gleichgültigen, versunkenen Gesichtsausdruck, den ich kaum beschreiben kann. 

Er kam kurze Zeit später. 

Ich lag und konnte mich nicht rühren. 

Noch bevor sein Kopf auf dem Kissen lag, hat er geschlafen. 

Er lag halb auf mir, ich an der Wand und habe nicht realisiert, was dort passiert ist. 

Ich war lange wach, ohne Gedanken im Kopf, nur leer und schwindelig. Ich habe mich nicht bewegt, ich war unfähig dazu, gelähmt und in einer Schockstarre. Er hat geschnarcht und nach Bier gestunken. Etwas, was ich bis heute in der Nase habe. 

Ich bin im frühen Morgengrauen eingeschlafen und als ich aufgewacht bin, stand er im Anzug mit Regenschirm in der Hand vor mir und redete wie ein Wasserfall, dass er jetzt gehen müsse, er wollte ja mit seinen Verbindungsleuten für ein paar Tage auf Tour, ich könne bleiben, so lange ich wolle, Frühstück gebe es unten du ich solle mich wie zu Hause fühlen. Während des Redens gab er mir einen Kuss auf die Wange, verabschiedete sich mit :Tschüß, meine Kleine, wir sehen uns, und ging aus der Tür. 

Ich war völlig perplex. 

Ich habe noch eine ganze Weile gebraucht, dann bin ich in dieses alte Badezimmer auf der Zwischenetage gegangen und habe geduscht. Ich habe mich nicht sicher dabei gefühlt. 

Erst einen Tag später bin ich nach Hause gefahren, ich hatte mich so geschämt, war voller Schuld, fühlte mich dreckig und leer. 

Dies war nicht die einzige derartige Situation, als frischer Teenie war ich in einer ähnlichen, nur kannte ich den Typen damals nicht. 

Nun mag ich aber ins Positive kommen, denn mein Leben hat sich irgendwann ja zu dem entwickelt, was es jetzt ist. 

All diese Dinge, die sich in meinem Leben so schwer angefühlt haben und meinen Helferkomplex genährt haben, haben mich nun auch zu ganz wertvollen Menschen geführt. 

Menschen hier auf Twitter, die meine Freunde geworden sind, meine Vertrauten. 

Menschen, die sich für mich einsetzen, mitfühlen und Anteil nehmen an dem Weg, den unsere Schützlinge gehen, aber auch wir als Familie. 

Ganz oft warte ich noch auf die Kehrseite, den Haken, das Negative, was ja „eigentlich kommen muss“, aber es kommt nicht. 

Ist das nicht unglaublich? 

Da gibt es wirklich Menschen, die einfach so gut sind und mich annehmen, genau so, wie ich bin?! 

Das fällt mir manchmal schwer anzuerkennen, für mich selbst, denn dieses Gefühl, nicht genug zu sein oder gar schuldig an dem Geschehen der Welt ist halt noch in mir drinnen. 

Im Moment muss ich mich wieder darauf vorbereiten, arbeiten zu gehen. Mir hat es letzten Herbst/Winter ziemlich die Schuhe ausgezogen, körperlich und psychisch. 

Nun sind die Zwänge groß und ich versuche die Zeit, die ich noch habe, bevor es wieder losgehen muss, zu nutzen. 

Natürlich arbeite ich mit unseren Schützlingen einiges ab, versuche Schutz zu geben, den ich mir das eine oder andere Mal in meinem Leben gewünscht hätte, der aber einfach nicht da war. 

Und weil es eben (für mich) so komplex ist, möchte ich mich ausdrücklich bedanken bei euch! 

Danke, dass ihr nicht nur unseren Schützlingen eine Chance schenkt, sondern auch mir. 

Danke, dass ihr wertschätzend auf diese Arbeit schaut und wir gemeinsam sind. 

Danke, dass ihr dies und mich unterstützt. 

Danke, dass ich schon so viele tolle Familien kennenlernen durfte. 

Danke, durch euch gibt es die Chance, dass es besser wird. 

Danke! 

Und lieber Lord: 

Du bist gut und ich bin gut und wir sind gut! 

Just me, 

Lovis 

Ein Blick ins Loch

Ich weiß, die Überschrift ist gewagt, gerade wenn man auf Twitter unterwegs ist, lädt sie doch zu vielerlei Doppeldeutigkeiten ein.

Mich hats aber gerade mal wieder durchfahren, will meinen, die dunklen Krallen haben sich aus dem finsteren Loch getastet und greifen nach meinen Fußknöcheln, um mich mit runter zu sich zu ziehen.

Das passiert relativ häufig. Im Gegensatz zu früher bin ich vorbereitet, trete einen Schritt zur Seite, blicke in den Abgrund und beobachte die Klauen, die blind nach mir tasten.

Das war nicht immer so. Noch vor ein paar Monaten hätten sie mich vermutlich unvorbereitet getroffen, gepackt und einfach mit sich gezogen.

Die Auslöser, die den Abgrund öffnen sind vielfältig.

Es sind die zahlreichen Aufgaben auf der To-Do Liste, die sich wie der Turm zu Babel aufbauen, aber die Instabilität eines Jenga-Turms haben und mich zu erschlagen drohen.

Es sind die täglichen schlechten Nachrichten aus der Welt, die mich an unserer Gesellschaft und am Menschen konkret (ver)zweifeln lassen.

Es ist die Verantwortung. Sei es die auf der Arbeit, oder eben die, die ich im privaten trage. Als Vater, Ehemann und Freund.

Ich habe oftmals das Gefühl, dass ich trotz aller Bemühungen immer nicht genug mache und das ist manchmal ganz schön zermürbend.

Manchmal gibt es auch ganz einfach keinen konkreten Grund. Es ist dann einfach so.

Ich mache meinen Job gut. Und ich gebe mein Bestes in der Familie, in der Freundschaft und bei den Nordstadtkatzen.

Und dennoch ist da immer wieder diese Stimme, die mir sagt, dass es nicht reicht. So verbringe ich Tage damit darauf zu warten, dass jemand auf mich zukommt und etwas von mir will und räume mir dabei keine Zeit für meine eigenen Bedürfnisse ein.

Diese schiebe ich mit einem Handyspiel oder einer Newsseite beiseite. Wo ich dann wieder gruselige Nachrichten lese. Mechanismen, die ineinandergreifen und ein Mühlrad sind. Das mich zermalmt, ganz langsam.

Und die Kurbel drehe ich selber.

Vor ein paar Tagen habe ich für eine Freundin Fotos bearbeitet. Das waren fast zwei Stunden am Stück, in denen ich völlig versunken und konzentriert bei mir war. Psychohygiene, Seelentherapie.

Absoluter Luxus in unserer gegenwärtigen Situation.

Wirklich? Oder rede ich es mir nur ein? Manage ich mein Leben falsch?

Ich wünschte manchmal der Tag hätte mehr Stunden. Vielleicht 36, besser 48. Vielleicht würde ich mir dann nicht so getrieben und unter Druck vorkommen. Vielleicht hätte ich dann genug Zeit für meine alltäglichen Aufgaben, zu schlafen und die Dinge zu tun, die ich tun will.

Oder ich müsste einfach flexibler werden. Oder weniger Ansprüche ans Leben haben.

Ich will zeichnen und illustrieren. Ich will Musik machen. Ich will schreiben. Ich will meinen Job gut machen. Ich will ein guter Vater sein. Ein guter Ehemann sein. Ein guter Freund sein. Ich will unsere Schützlinge gut mitpflegen können. Und mir bei all dem selbst dabei gerecht werden können.

Wenn ich in den Spiegel gucke, dann sehe ich da einen Mann, der weiße Barthaare bekommt (aufm Kopp is eh nicht mehr viel los).

Tränensäcke und Falten. Ich habe ein kaputtes Knie, Verdacht auf Bandscheibenvorfall und Abnutzungserscheinungen in den Daumengelenken.

Ich bin mein Opa.

Und das mit Anfang 40.

Nein, bin ich natürlich nicht. Mein Opa war ein störrischer, konservativer Mann. So wie mein Vater. Diesen Kreis habe ich durchbrochen und mache vieles anders. Ich gehe meinen Weg geradeaus. Habe nach meiner ersten Ehe neues Glück gefunden und wir haben uns eine neue, gemeinsame Existenz aufgebaut.

Es ist wichtig auf die guten Sachen zu schauen. Das Gehirn ist aber so nicht eingerichtet. Das Gehirn zieht sich lieber an den Dingen hoch, die nicht so laufen, wie wir das wollen und vergisst dabei all das, was wir bereits an Gutem erreicht haben.

Ich denke, dieses Gefühl im Leben wird bei mir nicht mehr weggehen, ich kann nur damit weiter lernen umzugehen. Jeden Tag.

Und achtsam sein. Darauf aufpassen, wann und wo sich der Abgrund auftut und die Klauen nach mir greifen.

Das man darüber – zumindest ein Stück weit – Kontrolle erlangen kann, war ohne Kokolores und Theatralik, eine der wichtigsten Erkenntnisse in meinem bisherigen Leben. Es hilft einem dabei vom passiven Opfer zum aktiv Handelnden zu werden.

Heute war es dann also mal wieder soweit. Ganz unvermittelt in der Mittagspause. Das Loch ging auf, ich ging zur Seite. Und letztendlich werden auch die schwarzen Grapscher nach und nach aufgeben und wieder verschwinden. Notfalls latsche ich ihnen auf die Finger um nachzuhelfen.

Denn eins ist Sicher: einen Moment innezuhalten und zur Seite zu treten ist allemal weniger zehrend, als aus einem bodenlosen Loch wieder herauskriechen zu müssen.

Bleibt gesund und passt auch Euch auf.

Ein gegähnter Rant

Ich bin müde. Müde von den Spinnern, die sich ihrer Freiheit beraubt fühlen. Müde von den Idioten die Wurmkuren für Pferde fressen aber Impfungen ablehnen.

Müde von denen, die auf alles scheißen, die Solidarität und unsere Demokratie mit Füßen treten und es achtlos in Kauf nehmen, dass Menschen sterben.

Die wissentlich dazu beitragen, dass die Intensivstationen immer voller werden.

Müde von einer Regierung die einen sauberen Vorzeigestart in dieser Pandemie hingelegt hat und uns nun die Clownsnase aufsetzt.

Die Nachrichten sind voll mit Wissenschaftlern, die von Anfang an gewarnt haben und die noch immer nicht ernst genommen werden.

Und so sehr ich verstehe wie wichtig für viele Karneval ist, umso fassungsloser haben mich diese Bilder gemacht. Da hilft auch kein 2G, 3G pipapo.

Wie Lemminge rennen wir sehenden Auges in den Abgrund und es gibt zig Idioten, die sich im freien Fall noch selber auf die Schulter klopfen und sich einen auf ihre egozentrische Engstirnigkeit runterholen.

Wir leben in einer Zeit, wo eine Linken – Politikerin von Rechten beklatscht wird, weil sie immer mehr Stuss redet und abdriftet. Wo eine mutmaßlich liberale, gelbe Partei im Endeffekt zu einem hässlichen, nur offen geldgeileren Zwilling der christlich demokratischen Union mutiert.

Nachdem letztes Jahr ein brennendes Affenhaus das böse Omen für viele weitere Monate voller Katastrophenmeldungen war, haben wir als Gesellschaft scheinbar nichts dazu gelernt.

Die Wälder haben gebrannt, die Dörfer und Städte sind abgesoffen. Die Anzahl der Covid Erkrankungen explodiert täglich in neue Rekordhöhen.

Und immer noch wird diskutiert und nicht gemacht. Und immer noch wird der Wirtschaft eine besondere Position zuteil. Wider aller vernünftigen Argumente werden viel zu lange Diskussionen geführt, Maßnahmen gelockert.

Wer jetzt noch nicht im Vorweihnachtsstress ist, wird es wohl bald sein. Der Black Friday und die Adventszeit stehen bald an. Weihnachtsmärkte, (Online)Shopping. Juhu!

Doch wird es dieses Jahr genug Leute geben, die andere Sorgen haben. Wie zum Beispiel die Bewohner des Ortes Rech an der Ahr. Stand jetzt wurden Wiederaufbauhilfen beantragt, aber noch nicht ausgezahlt. Im November. Der Hilfsantrag ist laut eines Berichts im Focus 48 Seiten lag. Mehr muss man über die schnelle, unbürokratische Hilfe in Deutschland dann auch nicht wissen.

RKI Chef Wieler hat es überdeutlich betont. Die kommenden Wochen und Monate werden hart, es werden weiter Menschen sterben. Viele Menschen.

Es werden Menschen während der Feiertage auf Intensivstationen liegen und auch sterben. Andere Menschen werden für diese Menschen dennoch alles geben, ÄrtzInnen, Krankenschwestern, PflegerInnen. Die seit Monaten am Anschlag sind. Die Situation spitzt sich zu und wird weiter von jenen „Freiheitskämpfern“ befeuert, die die Freiheit für die sie kämpfen nicht mal näher definieren können.

Manche von denen werden dann auch auf der Intensivstation liegen. Und von diesen ÄrztInnen und dem Pflegepersonal dennoch behandelt. Und manche dieser Schwurbler werden auch mit dem Leben bezahlen und ihre Angehörigen zurücklassen.

Wie viele gekaufte Geschenke werden wohl dieses Jahr nicht ausgepackt werden, weil keine schnellen Entscheidungen getroffen wurden? Oder die Sache immer noch nicht ernst genug genommen wurde?

Ich mag nicht darüber nachdenken.

Der Wirtschaft wird es egal sein. Hauptsache der Rubel rollt und die Wirtschaft hält den globalen Lieferengpässen irgendwie stand, nicht wahr?

Eigentlich mag ich nicht mal über die ganze Scheiße schreiben. Ich will dazu auch nichts mehr sehen oder lesen oder hören. Ignorieren hilft aber nicht. Wir schlagen uns fast zwei Jahre mit diesem Virus rum.

Das mit dem Klima ist hinlänglich bekannt, seit Jahrzehnten. So viel Zeit sollten wir uns mit dem Virus nicht nehmen.

Neben Pandemie und Klima werden wir uns mit deutlich steigenden Preisen auseinandersetzen müssen. Nicht nur beim Sprit, Strom und Gas.

Ich arbeite in einer Branche, die Roh- und Hilfsstoffe für zahlreiche Industriezweige zur Verfügung stellt. Auch hierfür sind wiederum Rohstoffe knapp. Hier wartet manch ein Lebensmittelhersteller oder Kosmetikproduzent auf sein Material ähnlich händeringend wie der Gamer auf seine PS5. Und Verknappung lässt die Preise explodieren.

Das alles wird sich bemerkbar auf Lebensmittel, Kosmetika, Medikamente ebenso auswirken, wie es das schon in der Elektronik- und Autobranche tut.

Das ist keine Schwarzmalerei. Nüchtern betrachtet sind es die Resultate unseres Wirkens und Verhalten als Gesellschaft. Als Konsumenten und Lieferanten, Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Vernünftige und Unvernünftige.

Vor Jahren schrieb ich auf einem anderen Blog schon mal über die Schere, den Graben, der sich in der Gesellschaft auftut. Damals war natürlich die Komponente mit dem Virus noch nicht abzusehen, dieser erwies sich aber nun als Brandbeschleuniger, wie man sieht. Viele Masken sind mittlerweile gefallen. Und es werden sicherlich noch einige fallen.

Auch wenn ich müde bin – ich mag die Hoffnung noch nicht aufgeben. Die stirbt ja bekanntlich zuletzt.

Bleibt gesund und passt auf Euch und Eure Mitmenschen auf.