Yin und Yang von Lovis

Hallo ihr Lieben,

meine Frau hat wieder einen Beitrag verfasst. Da es hier um Missbrauch und teilweise expliziter Darstellung dessen geht, hat sie entsprechende Markierungen angebracht, siehe Einleitung.

Dennoch: wer sich hier nicht sicher ist, der sollte den Text entweder nicht allein oder gar nicht lesen.

 Heute hatte ich eine intensive Therapiesitzung, viele Themen ein bisschen umrandet, angerissen, vielleicht auch ganz gut so. Ich musste dabei an einen Text denken, den ich auf einer alten Festplatte gefunden habe, den hänge ich mal dran. 

Aber Achtung, Warnung: Dabei geht es um Missbrauch. 

Ich mache den Text kursiv, sodass er überlesen werden kann, denn danach kommt noch was schönes 😊 

  

Ich weiß nicht mehr genau, ob ich 18 oder 19 war, auf jeden Fall konnte ich schon Auto fahren. 

Ich weiß gar nicht mehr genau, warum ich gefahren bin, ich weiß, mir ging es nicht gut und O. hatte sich als Freund mehrfach angeboten. Vielleicht hatte ich Stress mit meinem Freund, der auch sein Freund war, es war so eine on/off Beziehung. 

O. hatte Jura in Göttingen studiert, derzeit kandidiert er in einem Ort im Landkreis für die CDU. 

Er hatte mir angeboten, ich könne jederzeit kommen und bleiben, so lange, bis es mir besser ginge, da hätten schon mehrere gemacht und ein Plätzchen finde sich immer. 
Das klang gut und herzlich, dass ich dann mit ihm telefoniert habe und mir für den nächsten Tag den Fiesta meiner Mutter ausgeliehen hab und wollte zwei Nächte in Göttingen verbringen. 

Das Verbindungshaus, die Villa, war prunkvoll, große Räume mit sehr hoher Decke. Auf dem Fußboden lag sehr altes Parkett, überall war Holz. Es sah trotzdem hell aus, ich kam mir vor wie bei einer Besichtigung eines Schlosses. In der Mitte des Raumes standen mehrere Sofas um einen alten, teuer aussehenden Tisch. 

Zuerst gab es ein Sit-in, aber nicht gemütlich, sondern abgehoben, mit Champagner und Canapees, Lacoste Hemd und Haltung. Ich kam mir mit meiner Jeans und meinen Deichmannschuhen richtig dumm und klein vor zwischen diesen jungen Frauen, deren Cardigan zu den Schuhen passte und die Kette und Ohrringe perfekt abgestimmt auf ihr Outfit hatten. Später gingen die Damen und es wurde so eine richtige Stundenparty draus. Viel Fassbier, viele junge Männer in Verbindungsklamotten, Kotzbecken im „Clubraum“ und und und. Ich stand später in dieser kleinen Küche und wollte abwaschen um etwas zu tun zu haben, O. sagte, dass würde morgen die Putzfrau machen. Putzfrau… in einer Studentenverbindung… Es war eine ganz andere Welt. 

Irgendwann sind wir diese große schwere Holztreppe hochgegangen, wie im Fernsehen wurde der Lärm immer leiserSein Zimmer war so gar nicht dem ähnlich, was ich unten gesehen hatte. Es war karg und unpersönlich eingerichtet, ein Metallbett an der linken Seite, kein Schnickschnack, nichts persönliches, keine Wärme, kein Holz. Es sah ein bisschen aus, wie eine Zelle. 

Er sagte, ich könne das Bett nehmen und ging raus. 

Ich hab mich umgezogen und mich ins Bett gelegt. 

Etwas später kam er mit seiner Boxershorts und nem weißen T-Shirt an und machte in dem Zimmer irgendwas. Ich hatte die Augen zu, war aber kein bisschen müde. 

Er setzte sich seitlich auf das Bett und wollte nun mit mir sprechen, warum es mir schlecht ginge und warum ich gekommen sei. Ich sagte, dass ich heute nicht mehr sprechen könne, weil ich zu müde sei und hab ihn angelächelt, damit er nicht böse sein würde und ihm eine gute Nacht gewünscht. Er sagte, ich müsse ja auch nicht reden, er sei mein Freund, ich könne mich sicher fühlen. Dann schmiss er sich seitlich auf mich, hielt meine Hände fest und fing an mich wild zu küssen und leckte mir das Gesicht mit der Zunge ab. 

Sein Griff war fest und bestimmend. 

Ich sagte ihm, dass ich das nicht wolle, ihn als Freund gerne hätte und schlafen wolle. Er machte pssssst, er sei mein Freund. 

Ich habe immer wieder gesagt, ich wolle das nicht und hab versucht mich weg zu drehen. 

Er war schwer und fest. 

Irgendwann hielt er meine Hände mit einer Hand fest und zog sich die Boxershorts mit seiner Hand runter. Er bewegte sich hart auf und ab, er hat die ganze Zeit geguckt. Er hat mich angeguckt und riss mir die Hose und den Slip runter. 

Dann hat er angefangen und sein Körper war so fest, dass er keine Widerrede mehr duldete. Er war bestimmend. 

Irgendwann hatte ich eine Hand frei und hab ihn weggestoßen, bevor er kommen konnte. 

Er hat gekeucht und ich war leer. 

Er hat geguckt und mir gesagt, dass ich Schlampe und Nutte es nicht besser verdient habe und ich solle mich nicht so zieren. Er hat geglaubt, es sei ein Spiel. 

Ich hab gewusst, dass das noch nicht vorbei ist und hab meine Augen zu gemacht. 

Er steckte seine Finger rein und fing an zu lecken. 

Es tat wahnsinnig weh. 

Ich fühlte mich klein, leer und beschmutzt. Es war erniedrigend. 

Ich machte noch einen Versuch und wollte mich wegdrehen. Es wurde auf einmal warm in meinem Intimbereich und ich hab es nicht geschafft, mich umzudrehen. Später hab ich festgestellt, dass eine Ader geplatzt war, es war das warme Blut

Als er aufgehört hatte, legte er meine Hand an seinen Penis. 

Ich habe nichts gemacht, ich war tot. 

Er saß dann auf seinen Knien vor mir und hatte so einen gleichgültigen, versunkenen Gesichtsausdruck, den ich kaum beschreiben kann. 

Er kam kurze Zeit später. 

Ich lag und konnte mich nicht rühren. 

Noch bevor sein Kopf auf dem Kissen lag, hat er geschlafen. 

Er lag halb auf mir, ich an der Wand und habe nicht realisiert, was dort passiert ist. 

Ich war lange wach, ohne Gedanken im Kopf, nur leer und schwindelig. Ich habe mich nicht bewegt, ich war unfähig dazu, gelähmt und in einer Schockstarre. Er hat geschnarcht und nach Bier gestunken. Etwas, was ich bis heute in der Nase habe. 

Ich bin im frühen Morgengrauen eingeschlafen und als ich aufgewacht bin, stand er im Anzug mit Regenschirm in der Hand vor mir und redete wie ein Wasserfall, dass er jetzt gehen müsse, er wollte ja mit seinen Verbindungsleuten für ein paar Tage auf Tour, ich könne bleiben, so lange ich wolle, Frühstück gebe es unten du ich solle mich wie zu Hause fühlen. Während des Redens gab er mir einen Kuss auf die Wange, verabschiedete sich mit :Tschüß, meine Kleine, wir sehen uns, und ging aus der Tür. 

Ich war völlig perplex. 

Ich habe noch eine ganze Weile gebraucht, dann bin ich in dieses alte Badezimmer auf der Zwischenetage gegangen und habe geduscht. Ich habe mich nicht sicher dabei gefühlt. 

Erst einen Tag später bin ich nach Hause gefahren, ich hatte mich so geschämt, war voller Schuld, fühlte mich dreckig und leer. 

Dies war nicht die einzige derartige Situation, als frischer Teenie war ich in einer ähnlichen, nur kannte ich den Typen damals nicht. 

Nun mag ich aber ins Positive kommen, denn mein Leben hat sich irgendwann ja zu dem entwickelt, was es jetzt ist. 

All diese Dinge, die sich in meinem Leben so schwer angefühlt haben und meinen Helferkomplex genährt haben, haben mich nun auch zu ganz wertvollen Menschen geführt. 

Menschen hier auf Twitter, die meine Freunde geworden sind, meine Vertrauten. 

Menschen, die sich für mich einsetzen, mitfühlen und Anteil nehmen an dem Weg, den unsere Schützlinge gehen, aber auch wir als Familie. 

Ganz oft warte ich noch auf die Kehrseite, den Haken, das Negative, was ja „eigentlich kommen muss“, aber es kommt nicht. 

Ist das nicht unglaublich? 

Da gibt es wirklich Menschen, die einfach so gut sind und mich annehmen, genau so, wie ich bin?! 

Das fällt mir manchmal schwer anzuerkennen, für mich selbst, denn dieses Gefühl, nicht genug zu sein oder gar schuldig an dem Geschehen der Welt ist halt noch in mir drinnen. 

Im Moment muss ich mich wieder darauf vorbereiten, arbeiten zu gehen. Mir hat es letzten Herbst/Winter ziemlich die Schuhe ausgezogen, körperlich und psychisch. 

Nun sind die Zwänge groß und ich versuche die Zeit, die ich noch habe, bevor es wieder losgehen muss, zu nutzen. 

Natürlich arbeite ich mit unseren Schützlingen einiges ab, versuche Schutz zu geben, den ich mir das eine oder andere Mal in meinem Leben gewünscht hätte, der aber einfach nicht da war. 

Und weil es eben (für mich) so komplex ist, möchte ich mich ausdrücklich bedanken bei euch! 

Danke, dass ihr nicht nur unseren Schützlingen eine Chance schenkt, sondern auch mir. 

Danke, dass ihr wertschätzend auf diese Arbeit schaut und wir gemeinsam sind. 

Danke, dass ihr dies und mich unterstützt. 

Danke, dass ich schon so viele tolle Familien kennenlernen durfte. 

Danke, durch euch gibt es die Chance, dass es besser wird. 

Danke! 

Und lieber Lord: 

Du bist gut und ich bin gut und wir sind gut! 

Just me, 

Lovis 

Einmal zum runterschreiben – von Lovis

(Um Missverständnisse zu vermeiden: Hier schreibt meine liebe Frau, nicht ich)

Vielleicht mit mehr privaten Infos, als ich sie sonst über uns rausgebe…

Im Jahr 2012 trennte ich mich von meinem ersten Mann.

Da lebten wir in einer 75qm2 Wohnung einer Genossenschaft. 4 Zimmer, Küche, Bad.

Seine Lordschaft brachte ein weiteres Kind mit in die Beziehung, somit waren wir zu fünft.

Eins der Kinder ging es seelisch nicht gut, noch vor Schuleintritt zeigten sich suizidale Gedanken, Zwänge, Ängste, es ging dem Kind nicht gut.

Uns war klar: Auf Dauer müssen wir uns räumlich verändern.

Wir suchten Wohnungen mit 5 Zimmern, etwas größer, sodass jedes Kind seinen eigenen Raum haben konnte.

Wichtig war aus Gründen, diese Wohnung muss in der Stadt sein, fußläufig erreichbar für alle drei Ks, die es bei den anderen Elternteilen oft nicht aushielten.

Wir suchten über 1 ½ Jahre nach etwas, was wir finanzieren konnten und sind nicht fündig geworden. 1500Euro, außerhalb unserer Preiskategorie. Auf dem Dorf wäre es günstiger, aber das ging nicht.

Irgendwann gab es ein Haus in einer Zwangsversteigerung, in der Nähe des anderen Elternteils, bei dem das Kind war, dem es nicht gut ging.

Ein Haus wollte ich nicht, zu viel Verantwortung, grad eine Ehe beendet, wer weiß, ob diese Beziehung mit seiner Lordschaft überhaupt hält.

Er, seine Lordschaft, hatte schon mal ein Haus, mit seiner ersten Frau, auch noch ein Punkt, der dagegensprach.

Zu diesem Zeitpunkt hatten wir in unserer Wohnung kein Wohnzimmer, sondern dieses Zimmer auf die Bedürfnisse des Ks abgestimmt, dass es eben einen Raum nat. Wörtlich und im übertragenen Sinn.

Wir sind dann, eigentlich ohne den Gedanken auf Erfolg zur Bank, diese hätte uns das Haus ermöglicht, letztlich ging es aber nicht an uns.

Dann der Hinweis der Bank: Überlegen Sie zu kaufen!

Ein Jahr haben wir Häuser besichtigt, die wir uns leisten konnten, immer noch unter der Prämisse: Es muss für die Ks auch zu Fuß von ihren anderen Elternteilen erreichbar sein.

Nach 10.000 gemalten Zetteln an Laternenpfählen und anderen Stolpersteinen finanzierten wird dieses Haus, in dem wir nun wohnen… zu 110%, denn unsere Rücklagen waren nicht nur bei 0, sondern darunter. 

Also nahmen wir auch alle entstehenden Hauskaufnebenkosten mit auf, hatten 800€ für die Renovierung der alten Wohnung, den Umzug, die Renovierung des neuen Hauses und die Möbel…

Haben wir geschafft, mit deutlichen Gemurkse.

Wir sind umgezogen, die Ks hatten ein eigenes Zimmer, ok.

Dann wurden die Nordstadtkatzen größer… es wurde mehr.

Der besagte Nachbar stresste schon, als wir noch nicht mal eingezogen waren.

Wir wohnen in einem Reihenhaus.

Unsere Ks gingen zu laut die Treppe hoch.

Um 19h solle ihr Kind schlafen, danach keine lauten (Einzugs-)Geräusche mehr.

Die Klingel ist zu laut.

Der Hund bellt.

Alles Mögliche.

Wir haben die komplette Wand im Flur, vom Keller bis zum Dach mit diesen Schutzmatten aus Tonstudios verkleidet… hässlich…

Es kam immer mehr Ärger, immer mehr Druck.

Irgendwann fing er mich ab, zwei Besuchende hatte ich an der Straße in Empfang genommen, und er schrie. Grund: Madita, unsere Freigängerin würde ständig in seinen Garten und alles dreckig machen.

Dreck ist für ihn ein Problem! Seine inzwischen zwei Kinder, bekommen Lack, aber so richtig, wenn Sand außerhalb des Sandkastens ist… Wenn der Spielzeugtrecker nicht abgefegt ist… Wenn was auch immer. Dann schreit er. „Was stimmt denn mit dir nicht, kannst du mir das bitte mal erklären? Ich kotz ins Mett, du willst mich wohl ärgern! Ab auf die stille Treppe und darüber nachdenken“

Ja, das passiert tatsächlich so.

Ein Choleriker.

Sie: ähnlich.

Immer mies gelaunt, nie Freude, nie lachen, einfach immer grau und wutrot.

Ich denke, er ist etwas über 40, sie vielleicht knapp.

Zu Madita schrie er, dass er ihr den Kopf abhackt, wenn er sie nochmal erwischt.

Ich bot an, dass ich die Dinge natürlich saubermachen würde, bot einen Katzenschreck, so eins das per Bewegungsmelder Lichtblitze macht an, frug, was eine gute Lösung sein könne…

Ich habe nie gelernt, in solchen Momenten für mich und meine Bedürfnisse einzustehen.

Nie.

Immer ist es meine Verantwortung, was passiert, so habe ich es gelernt: frühkindlicher Missbrauch, Mobbing, die Gesundheit meiner Eltern, das Glück der Welt… Alles lastet auf meinen Schultern.

Und so sind meine Schultern auch. Chronisch verspannt und hochgezogen.

In Duckhaltung.

Der Missbrauch von K2… 

Hätte ich diesem Umzug nicht zugestimmt, hätte es den Täter nicht kennengelernt.

Hätte ich besser aufgepasst, hätte ich dies verhindern können.

Hätte ich mehr auf meine Nachbarn geachtet, hätten wir keinen Konflikt.

Hätte ich mich nur genug angestrengt, hätte ich nur darauf geachtet, hätte ich nur mehr gemacht, hätte ich nur….

Das ist tief verwurzelt.

Meine Schuld…

Meine Verantwortung am Leid der Welt.

Natürlich weiß mein Kopf, wie es besser geht, natürlich erkenne ich diese Muster und kann sie klar rausarbeiten, das war noch nie mein Problem.

Ich bekomme dies aber auf der Gefühlsebene nicht umgesetzt.

Ich weiß um dies alles, fühle es aber nicht.

Da ist nix an Stärke, an Resilienz, da ist einfach nur Depression und Schuld.

Durch die Beziehung mit seiner Lordschaft lernte ich eine andere Seite des Lebens kennen, mit Respekt, mit Würde, mit Achtung und Liebe.

Wir beide arbeiten hart daran, diese Werte uns selbst gegenüber anzuwenden… Mal mit mehr Erfolg, mal mit weniger.

Kleinigkeiten können so viel auslösen…

Jace, der kleine, liebe Kater, der im Koma lag in meinen Händen, der für mich immer wieder die Bestätigung ist, dass es sich lohnt bei all dem Schmerz, den diese furchtbaren Momente der #nordstadtkatzen auslösen, weiterzumachen…. Er lag zitternd, zuckend und schon mehr tot als lebendig über Tage so da… Es war furchtbar.

Und er schaffte es…

Dieses Wundertier!

Jeder Neuzugang wird von ihm abgeleckt, begrüßt…

Jace, der kleine Bengalen Mix mit unfassbarer Lebensfreude und ADHS…

Jace, ein rotzefrecher, wunderbarer Kater.

Nun waren unsere Nachbarn im Urlaub, Jace durfte raus.

Unsere alte Nachbarin ermutigte uns, ihm Freigang zu ermöglichen, der Nachbar müsse damit klarkommen, es sei normal und wir sollen uns nicht wegducken. Keiner aus der Nachbarschaft möge ihn und Jace sei so ein guter, der das auch einfach braucht. Der Nachbar lebe eben nicht steril …

Sie hat mich ermutigt, für die Bedürfnisse von Jace zu kämpfen.

Er war 2 Minuten draußen, als es klingelte…

Seine Lordschaft telefonierte grade und gab eine plötzliche Todesnachricht aus unserem engsten Kreis weiter.

Der Nachbar schrie, es gäbe einen Brief von Anwalt.

Er schrie, so ginge es nicht, bei aller Liebe.

Ich würde ihr Leben durch all diese scheiß Viecher kaputt machen.

Jace sei auf ihrer Terrasse.

Ich habe den Namen unserer Anwältin genannt. Geschrien habe ich nicht, aber ich war, für meine Verhältnisse laut. Hab ihm gesagt, dass ich mein Leben nicht ausrichte nach ihm.

Dass er dann nicht in ein Reihenhaus ziehen soll.

Ein sehr großer Schritt für mich.

Ich schloss die Tür. 

Ein paar Sekunden später klingelte es Sturm.

Die scheiß Katze sei im Haus, seine Kinder würden weinen vor Angst, ich hätte so dermaßen eine Grenze überschritten, Anwalt… Wir werden schon sehen was wir davon haben. Diese Katze muss eingesperrt werden, sie sei eine Gefahr.

Ich weiß gar nicht mehr, was ich gesagt hab, seine Lordschaft kam zitternd und wütend raus und sagte, dass er grade eine Todesnachricht erhalten habe und jetzt wegen einer Katze so einen Stress haben?!

Der Nachbar bekundete sein Beileid, er habe den falschen Moment gewählt, aber das könne er ja nicht wissen und es sei dennoch eine Unverschämtheit (von mir/uns) und das ginge so nicht und das würde noch ein Nachspiel haben…

Und nun sitze ich weinend in einem Reihenmittelhaus, bin weit über meinen persönlichen Grenzen, auch wenn ich weiß, dass es das Problem von Nachbarn sein sollte, nicht meins.

Ich möchte in Ruhe leben, ich möchte Zuhause sein können.

Ich werde das nicht schaffen. Zu gut kenn ich mich und meine Kraftreserven.

Jace braucht Freigang.

Diese Entscheidung, die wir nun treffen müssen, wird eine der schwersten.

Wir werden wohl die #nordstadtkatzen, die jetzt noch bei uns sind vermitteln und aufhören.

Es geht so nicht.

Ach, ich weiß auch nicht… Heute is kein Tag um Entscheidungen zu treffen, ich bin einfach grad nur echt … fertig…

Ich kann neben all meinen anderen Schauplätzen, sterbenden Kitten, Mobbing von K2, den Sorgen und unserem Alltag diese Last nicht.

Es übersteigt meine Kraft. 

Weshalb ich bei Garden Escape in Level 6098 bin

Im nachfolgenden lest ihr einen Gastbeitrag von meiner lieben Lovis.

Mehr einleitende Worte habe ich nicht, außer dem Wunsch, dass es der/dem einen oder anderen zeigen möge, dass niemand allein ist.

Vorab eine Triggerwarnung:

Es geht in meinen Kopf. Es geht um Mobbing, den Körper, Kindesmissbrauch, frühkindlichen Missbrauch, Depressionen, Zwiespälte und ich weiß nicht was…

In meinem Kopf ist es laut. Ich merke seit sein paar Tagen, dass da etwas ist, was mich umtreibt.

Wenn so eine Phase ansteht, werde ich nach außen ruhiger. Ich rede weniger, höre auf Gespräche zu suchen, höre auf, durch Fragen in die Tiefe zu gehen.

Meistens kenne ich das Thema nicht, was in meinem Kopf schwirrt. Meistens ist nur dieses Gefühl von Rückzug da. Irgendwann kommt der Kipppunkt: Entweder entlädt es sich mit einem Knall oder ich kann reden. Und beim Reden merke ich dann, um welches Thema es geht, vorher nicht.

Im Moment kenne ich das Thema: Missbrauch. Und die damit verbundenen Gefühle. Schuld, Schwere, Ohnmacht, Fassungslosigkeit, Nervosität.

Hätte gestern eine Kneipe offen gehabt, wäre ich wahrscheinlich abends rausgegangen, hätte harte Gitarrenmusik gehört, getrunken, dieses Kribbeln im Körper gespürt, nach mehr, nach Leben, nach Adrenalin, nach mehr. Ich hätte wahrscheinlich nervös mit dem Bein wippend am Thresen gesessen, ein Alt-Schuss vor mir, kettenrauchend, den Kopf im Tackt hin und her bewegend. Wahrscheinlich hätte ich irgendwann die Augen geschlossen und hätte mich in HardRock, Metal und Gothicmusik verloren, mir beim runtergekommenen Barkeeper und Kneipenbesitzer meine üblichen Lieder gewünscht, die an solch einem Abend alles nur noch schlimmer machen…. Lieder, die aus einer anderen Generation sind und mich in die schlimmeren Zeiten meines Lebens versetzen, einfach, damit das Fass überläuft, damit es sich entlädt und „das“ raus kommt. Damit es nach einem Folgetag mit Kreislaufproblemen, dem schlechten Gewissen über den Abend und deren Eskalation wieder besser werden kann.

Wahrscheinlich hätte ich mich irgendwann zu dem Dartautomaten bewegt, natürlich hätte ich verloren, komplett egal. Und wenn And One läuft oder das eine Lied von Funker Vogt wäre ich auf die Tanzfläche gegangen und hätte mich unschön auf der Tanzfläche hin und her bewegt, versucht unkoordiniert den Druck loszuwerden. Komischerweise mit einem Lächeln im Gesicht.

Wishmaster von Nightwish hätte mir wahrscheinlich den Rest gegeben, oder LinkinPark, aber LinkinPark hätte der schmuddelige, ungewaschene Barkeeper, der erst eine Frisörlehre und dann eine Kfz-Lehre gemacht hat, nicht gespielt. Vielleicht noch etwas ganz altes von Unheilig, bevor sie Schlagerfutzis geworden sind… Freiheit vielleicht oder vielleicht auch ZombieNation oder… Nein, stopp, hier muss ich abbrechen, denn das tut nicht gut. Im Gegenteil.

Dies waren alte Zeiten, lange Zeit meines Lebens haben sie mich begleitet.

Inclusive meines Ex-Mannes, den ich dort kennengelernt hab. Mehr war ich mir nicht wert.

Dieses Mal kenne ich das Thema jedoch genau, aber das hilft grad kaum.

Bereits mit 4 oder 5 Jahren habe ich Depressionen bekommen. Eigentlich ein Alter, indem Kinder vor positiver Energie nur so sprühen sollten. Noch vor Schuleintritt habe ich den lieben Gott verzweifelt gebeten, mich zu erlösen.

Zu erlösen wovon war mir nicht klar. Ich spürte Schuld, Scharm, Verzweiflung, Schwere…

Bis heute habe ich kein ausgewogenes Gefühl zu mir uns meinem Körper.

Intimitäten waren Jahre mein Mittel, das Fass zum Überlaufen zu bringen. Mich seelisch und gedanklich nieder zu machen, mich zu bestrafen.

Wofür?

Weil ich es verdient habe…

Wofür?

Weil ich so war, wie ich war.

Ich wollte ein Junge sein, als solcher erkannt werden.

Mitten in den 80ern hab ich eine Kurzhaarfrisur gehabt, eine Fliegerbrille, ich wollte kein Mädchen sein. Mädchen waren schwach, wurden Opfer.

Das trug ich Jahrzehnte, einen Teil davon noch heute.

Aber es ist besser geworden.

Nur selten fühle ich mich noch so, nur selten treibe ich es auf die Spitze um meiner Seele Erleichterung zu verschaffen.

LordSixtus bekam schnell ein Gefühl dafür, wann „ich“ da bin und wann dieses andere Wesen, dass so kaputt war, dass es mich fast vollständig eingenommen hat.

Irgendwann konnte ich anfangen Stopp zu sagen, zitternd und zusammengekauert, weinend, mit aufgerissenen Augen, nicht in der Lage, irgendetwas zu tun. Er sagte, es sei ein bestimmter Ausdruck in meinen Augen. Für ihn muss es schwer gewesen sein. Für mich auch.

Nur noch selten kommt dies vor.

Aber manchmal muss ich dabei eine Art Reißleine ziehen.

Sonst muss ich sofort duschen gehen. Sofort.

Ich muss mich, die Scharm, das Gefühl abwaschen. Stundenlang. Es muss weg von mir und meinem Körper. Es muss runter. Ich muss zu mir kommen.

Duschen war eine Art Exit-Strategie.

Oder Blut. Schmerzen. Wenn ich meiner Seele keine Schmerzen zufügen konnte, musste der Körper herhalten. In so vielen verschiedenen Varianten.

Auch das ist lange nicht nötig gewesen.

Wie gut.

Was meinen Kopf aber die letzten Tage treibt hat nur indirekt damit etwas zu tun.

Es wühlt nur das Wasser wieder auf, dass sich mit Schlamm und Dreck gesetzt hatte, wird wieder unklarer, undurchsichtig, ich kann nicht mehr tief blicken, sehe den Grund nicht.

K2 hat ähnliches erlebt.

Und nun bin ich an dem Punkt, an dem ich mir wieder Vorwürfe mache, nicht weiß, wie ich ihn unterstützen kann. Denn K2 ist ein Junge, 13Jahre alt. Als Junge muss dies nochmal anders sein.

Frauen und Mädchen bekommen langsam Nischen, langsam…

Fast jede Frau, jedes Mädchen, jede Freundin, die ich kenne, hat Erfahrungen in dem Thema, dass ich noch nicht mal in Worte fassen und klar benennen möchte, zu mächtig ist dieses Wort, diese Taten. Die Worte finde ich in schriftlicher Form, in der Lage diese laut zu denken, bin ich nicht, wenn sie einen Bezug zu mir oder meiner Familie haben. Zu mächtig.

K2 war 9, als wir hier hergezogen sind.

Er fand schnell Anbindung zu einer Familie aus der Nachbarschaft, ebenfalls mit drei Kindern.

Der älteste Sohn dieser Familie wurde schnell zum besten Freund von K2, kam und ging in unserem Haus, hatte durch seine freundliche, wohlerzogene Art schnell unser Vertrauen. Es tat K2 gut. Wirklich, so war mein Eindruck.

Im Spätherbst änderte sich dies. K2 wollte diesen intensiven, täglichen Kontakt nicht mehr.

Details aus dieser Phase kann ich nicht aufschreiben, sie quälen so sehr.

Eines Abends beim Kuscheln erzählte K2 von einem Videospiel. Ich verstand kein Stück, hörte ihm aber aufmerksam zu. In einem Nebensatz sagte er: „Das ist genauso komisch, wie wenn er (der Nachbarsjunge) an meinem Penis lutschen will.“

Leere.

Schweißausbrüche.

Ohnmacht.

Atemlosigkeit.

Wir haben Anzeige erstattet. Mit dem Kinderschutzbund gesprochen. Eine Kinder- und Jugendtherapeutin aufgesucht. Mit der Klassenlehrerin gesprochen. Das ist übrigens die Badeanzugfreundin aus einem früheren Thread.

Da der Nachbarsjunge 13 zum Tatzeitpunkt war, konnte natürlich nichts passieren. Das wussten wir. Aber wir wollten dies trotzdem tun, als Zeichen für K2, um es zu beenden, um klarzustellen, dass das nicht geht.

In meinem Kopf hab ich das Bild, wie K2 in dem weißen Innenschlafsack von Alvi mit den blonden Locken auf dem Flur steht und mir strahlend, schlurfend entgegen kommt, weil er nicht schlafen kann. Der kleine Windelpopo wackelt und ich liebe ihn unglaublich.

Dem gegenüber steht der Nachbarsjunge, der K2 ein 20Centstück mit der Zunge über den Toilettenrand schieben ließ. Gefolgt von Schlägen, dass K2 die Zähne weh taten, wenn er nicht wollte und diese mit einem leisen Geräusch auf die Keramik stießen.

Dem gegenüber stehen die Geschickten, die K2 erzählte. Dass der junge einen Porno drehen wollte. Und was sonst noch passiert ist.

Auch hier muss ich stoppen, diese Bilder dürfen sich nicht festsetzen.

Seit dieser Zeit kann K2 nicht mehr auf der Spielstraße spielen, ohne dass der Vater des Nachbarsjungen ihn beleidigt, anschreit, nieder macht.

Seit Jahren tut er das. Immer dann, wenn kein Erwachsener dabei ist.

Er schreit K2 an, er solle verschwinden.

Die Polizei, die wir öfter hilfesuchend angesprochen haben, kann nichts machen, nur eine Gefährderansprache wegen Beleidigung, kann K2 nicht schützen, wovor auch… Vor Worten eines erwachsenen Mannes? Wenn er tätig werden würde, ihn körperlich angreifen würde…

Bullshit!

In dieser Woche war es wieder so weit. Nach einer Winterpause hat K2 mit einem anderen Kind verstecken gespielt… Also nicht auf die Weise, wie ich es in meiner Kindehit gespielt hab, sondern irgendwie, wie Kinder, Heranwachsende es eben in dieser Zeit tun, als Figuren eines Filmes oder Videospiels oder was weiß ich.

Beim Suchen des anderen kam K2 auch an dem Haus dieser Familie entlang und der Vater öffnete das Fenster und schrie K2 wieder an. Er solle verschwinden, sei ein Lügner, solle sich verpissen.

Ich würde ihn gerne bewahren. Ich möchte, dass dieser Mann schweigt. Er soll endlich schweigen. Er soll K2 in Ruhe lassen.

Und ich bin hilflos. Kann K2 nicht schützen. Nach all dem, was er erlebt hat, nimmt ihm dieser Mann auch noch weiterhin das Gefühl von Unbefangenheit. Obwohl K2 dies am meisten bräuchte. Einfach er sein, frei im Kopf, unbeschwert sein, nicht wie seine Mutter, noch Jahrzehnte später getriggert und belastet.

Was kann ich tun, wie kann ich es durchbrechen, wie kann ich K2 beschützen?

Ich weiß es nicht.

Ich kann es nicht.

Ich wünsche mir für K2 etwas anders.

Wenn solche Gedanken anfangen, lenke ich mich ab, versuche, meine Gedanken „abzudenken“ in meinem Kopf zu bewegen. Spiele sinnlose Handygames… GardenEscape…

Wie krass, oder?

Ich brauche viele Level, hab das eine oder andere Spiel bis zum Ende gespielt und ein zweites, drittes, viertes angefangen, weil die Entwickler zu langsam für meinen Kopf sind, um alle zwei Wochen 20 neue Level rauszubringen.

Egal.

Doch, mir ist etwas eingefallen.

Wenn es wieder möglich ist, lade ich dazu ein, sich auf die besagte Spielstraße zu stellen, mit dem Rücken zu dem Haus dieser Familie, während K2 dort spielt.

Ihm so Zusammenhalt, Schutz zu zeigen, den Rücken zu stärken und diesen Mann in seine Schranken zu weisen.

Jedes Wochenende.

Viele Menschen für einen Jungen, der in einer so wichtigen Phase ist.

Das mach ich.

So bekomme ich das Gefühl, nicht hilflos zu sein. Etwas bewegen zu können. Nicht ausgeliefert zu sein und mich für meinen Sohn einsetzen zu können.

Aktionismus…

Ja, das hilft mir so oft.

Wenn es nun K2 noch helfen könnte…

Für K2 haben so viele von Euch Anteil genommen, als es um das digitale Endgerät ging…

Es schwingt so viel Dankbarkeit bei mir mit… Er hat es so schwer und ist so ein toller Junge…. Sein Selbstvertrauen ist angeknackst… sein Selbstwert …

Puh, nun muss ich mich einmal schütteln, die Schultern straffen, noch eine Zigarette rauchen und dann in mein Leben zurück, bewusst positiv, bewusst voller schöner Momente und mit der Konzentration auf diese guten und schönen Dinge…. Alles andere wäre…. Blöd….

Glücklicherweise konnte ich mich für diese Art des Lebens entscheiden, glücklicherweise passieren so viele gute Dinge in meinem Leben, glücklicherweise kann ich sie suchen und mich darauf konzentrieren.

Glücklicherweise gebe ich ihnen mehr Platz als den anderen.

Glücklicherweise hab ich meine Familie.

Glücklicherweise habe ich nun etwas Erleichterung.

Glücklicherweise passieren auch gute Dinge in meinem Leben.

Das ist gut und ich werde, bewusst, weiter mehr Wert darauf legen…. Und Katzenbabys helfen… und die Welt retten… und die Welt von K2 etwas besser machen… und meine Seele beruhigen… naja, und die Welt retten und etwas besser machen, hatte ich das schon erwähnt?

Und Blumen pflanzen.

Und überhaupt….

Ich werde etwas Heilung in die Welt geben, wenn nicht für mich oder K2 dann für jemanden, etwas anders…

Katzenbabys… Ja, Katzenbabys sind gut.

Also….

Einatmen, Schultern zurück, Haltung… Lächeln…

Oh, Jace, schön, dass du da bist, schön, dass es dich gibt, lass dich streicheln und dir etwas Liebe schenken….

It’s just me, Tinker Bell *Gastbeitrag von Lovis*

Vor einiger Zeit hatte mich Lord Sixus eingeladen, ein wenig zu schreiben über mich, meine Werte und was mir so einfällt.

Seit dem hat mein Kopf Romane geschrieben, die von der Länge Shining um vielfaches schlagen könnten.

Nur diese ganzen Sachen runterzuschreiben, fällt mir im Moment schwer.

Ich glaube, ich bin grad eher die, die redet, denn das geht schneller und ich kann schneller den 10.0000 Gedankensprüngen in meinem Kopf Ausdruck verleihen.

Gedanklich habe ich nahezu alles umrissen in dieser Zeit und auch tatsächlich schonmal angefangen zu schreiben, aber es las sich einfach anders, als es sich für mich anfühlte. Also habe ich es gelöscht.

Nun also ein neuer Versuch.

Ich bin nur ich, nicht mehr, nicht weniger.

Ich bin natürlich die Ehefrau und Gefährtin von Lord Sixtus, Mutter, Bonusmutter, Arbeitnehmerin, Lovis von den #nordstadtkatzen, Straßenhunde-Alphatier, Schwester, Freundin und manchmal auch ein bisschen ich.

Nach vielen vielen dunklen Jahren und schweren Erlebnissen bin ich in meinem Leben an einen Punkt gekommen, an dem ich mich entscheiden konnte.

Entscheiden konnte ich über die zukünftige Ausrichtung meines Lebens.

Welch unglaublicher Gewinn, eine unfassbare Chance für mich.

Jahrzehnte, schon vor Schuleintritt, haben mich Dinge gelenkt, denen ich (dachte), ausgeliefert zu sein: Schuld, Depressionen, Tiefe, Ausgrenzung, ein Gefühl der Wertlosigkeit, Zweifeln, Einsamkeit,…

Und dann kam der Moment, der etwa ein halbes Jahr dauerte, geboren aus einem derartigen Tiefpunkt in meinem Leben, wie ich ihn nie wieder erleben mag.

Vom Kopf wusste ich schon länger, was ich nicht möchte, aber dann war etwas anders: Ich habe mich das erste Mal anders gefühlt! Fühlen und Wissen sind zwei gaaaaaaanz verschiedene Sachen.

Ich habe mich gefragt: „Shit, so fühlen sich die anderen Menschen die ganze Zeit? Ohne Depressionen?!“ und hatte gefühlt, wie sich Leben, mein Leben auch anfühlen kann.

Es war so ein unbeschreiblicher Moment.

Von dort an, mit Lord Sixtus an meiner Seite, habe ich begonnen zu lächeln. Ganz bewusst meine Muskeln zu trainieren und meinem Gehirn zu signalisieren: Du bist jetzt zufrieden.

Ich habe mir beigebracht meine Schultern zu straffen und nicht vor vermeintlicher Schuld hängen zu lassen.

Ich habe mir bewusst die guten Dinge (der Welt, meines Lebens,…) ins Gedächnis zu rufen und mich darauf zu konzentrieren.

Ich habe versucht zu lernen, mein Leben selbst in der Hand zu haben und mit so einigem, auch ungeklärtem, abzuschließen.

Das war und ist gut.

Nur mit mir selbst gehe ich noch nicht so respektvoll um, wie es wahrscheinlich manchmal angebracht wäre. Das weiß ich und auch woran es liegt: An den Glaubenssätzen, die ich gesagt/gezeigt bekommen und mir auch selbst genommen habe.

Glaubenssätze sind die Sätze, die unterbewusst mein Leben lange begleitet haben und nun eine nicht mehr ganz so große Rolle spielen, zumindest diese:

Du bist selbst Schuld

Du bist faul

Du bist nicht genug

Du bist egoistisch

Du bist ein schlechter Mensch

Du hast es nicht anders verdient

Am meisten gewogen haben, glaube ich, lange die Gedanken, ich sei nicht genug und ich hätte es nicht anders verdient. Wobei das „es“ alles schlechte, negative, unangenehme ist. Wahrscheinlich auch eine Kausalkette, die einfach schwer zu durchbrechen war. Vielleicht auch eine selbsterfüllende Prophezeiung, getreu dem Motto: „Schlechten Menschen widerfährt schlechtes“…

Nun hab ich sehr bewusst getauscht gegen: „Ich bin gut und du bist gut und wir sind gut“ und „Achtung, Liebe, Respekt, Würde“, die Grundfesten, mit dem ich jedem Menschen, jedem Wesen in meinem Leben gegenübertreten möchte.

Oder auch: „Ich freu mich wenn es regnet, denn es regnet auch, wenn ich mich nicht freue“.

Das bedeutet natürlich nicht, alles durch die rosa-rote Brille zu sehen oder Probleme, Hindernisse und co. Einfach wegzulächeln, aber es macht mein Leben nicht schwerer, es zunächst positiv zu bewerten.

Zu Herausforderungen kommt es immer wieder, insbesondere, wenn es um mein Arbeitspegel geht. Ich brauch ein hohes Level, damit die Stille nicht so laut wird, erwarte dies aber nicht von anderen. Aber diesen Auftrag nehmen sich manchmal Menschen in meinem Umfeld, möchten sich messen oder denken, sie würden das auch machen müssen. Das ist aber nicht so! Ich erwarte das von niemandem, es ist nur mein ganz persönlicher Weg mit meinem Leben, ganz meiner eben.

Andere Menschen sind vielleicht zufrieden, wenn sie in Ruhe mit einem Tee ein Buch lesen, mich würde das stressen.

Andere mögen sich gerne mal einen Nachmittag auf dem Sofa auschillen, ich bekäme (tatsächlich) eine Krise. 

Ich brauche das, mein Weg. Aber das heißt ja nicht, dass das nicht der Weg von x oder y sein kann und dem/der das gut tut, mir aber eben nicht. Deswegen haben mein Hausarzt und ich öfter mal Meinungsverschiedenheiten…. Aber, ich bin groß und kenne mich und mein Leben am besten, ich bin also der Experte für mein Leben und kann daher ziemlich gut einschätzen, was ich brauche und was mir gut tut.

Viele Jahre war ich für so viele Dinge selbst und alleine verantwortlich, Hilfe oder Unterstützung anzunehmen ist für mich schwer. Im kleinen, wie im großen: Ich kann die Tüten alleine tragen, ich kann mit dem Bohrhammer selbst die Steine wegmachen, ich schaffe das schon…

Schwierig, denn da spielen die alten Glaubenssätze natürlich wieder mit.

Für die #nordstadtkatzen Unterstützung und Hilfe anzunehmen war für mich ein Meilenstein.

Und so schwer das war, umso dankbarer bin ich dafür!

Wirklich!

Dankbarkeit spüren zu können, ging für mich in Phasen der Depression nicht, so gerne ich es gewollt hätte.

Aber nun bin ich sehr dankbar! Dankbar für diesen Weg, für meine Familie, so chaotisch und unnormal wir manchmal auch sind, für die große Chance in meinem Leben, für so viele Dinge….

Aber auch dankbar, für „nicht-Zustände“, zum Beispiel, dass ich nicht in einem Land lebe, in dem ich verfolgt werde, dass ich nicht auf der Flucht bin, dass ich keine Gewalt mehr erfahre…

Daraus folgt wieder, dass ich glücklich bin, dass meine Kinder so von Herzen lachen, dass sie mich (zwar sehr selten, aber immerhin) anstecken können, dass sie gute Startbedingungen für ihr Leben hatten, nicht zuletzt auch, weil Lord Sixtus unsere Familie bereichert hat, denn wir sind gepatchworkt…

Nun, vielen Dank fürs lesen, nun verlangen die Tiere und die Kinder wieder ihre Aufmerksamkeit und die Follower der #nordstadtkatzen warten auf die Abendbilder.

Herzliche Grüße

Just me, TinkerBell

Ein paar weitere Gedanken

Dieser Beitrag knüpft direkt an diesen Beitrag vom 30.05. an. Wenn du also den kompletten Zusammenhang erfahren möchtest solltest du dort anfangen zu lesen. Ansonsten geht es nun hier direkt weiter.

Seit heute weiß ich, dass er nicht mehr durch die Tür kommen und einen guten Morgen wünschen wird. Gestern starb er.

Hoffnungen und Wünsche sind Illusionen die, wenn das Erhoffte denn Eintritt, eine verstärkende Wirkung auf das Glücksempfinden haben. Tritt das Erhoffte jedoch nicht ein kommt die Desillusionierung und Enttäuschung ins Spiel. Trauer. Traurigkeit.

Obgleich ich immer mit der Möglichkeit gerechnet habe, dass es nicht gut ausgeht, so war ich doch im Moment, als ich die Nachricht bekommen habe geschockt. Wir haben gute 10 Jahre zusammen gearbeitet. Er hat die Trennung von meiner ersten Frau miterlebt und mir auf der Arbeit in der Zeit oftmals meinen Arsch aus der Schusslinie gehalten. Wir haben oft geplant mal gemeinsam zu seinem Lieblingsgriechen Essen zu gehen und es nie umgesetzt. Irgendwas kam immer dazwischen. Bei ihm, bei mir, im Leben. Und auch wenn wir privat nichts miteinander unternommen haben baute sich eine Art kumpelhaftes Verhältnis auf. Wir haben diskutiert, gelacht und auch gestritten und waren in mancherlei Dingen nicht einer Meinung.

Und auch wenn es Ärger gab, so waren wir am Ende doch immer wieder auf einem gemeinsamen Nenner. Er sagte mir, dass er nicht verstehen könne, wie ich immer so ruhig bleibe. Ich sagte ihm er solle sich nicht so aufregen.

Er war bei unseren letzten Gesprächen immer so voll Optimismus und plante seine Zukunft nach der Therapie, dass es für mich fast selbstverständlich war, dass er irgendwann wiederkommt. Hier müssen seine Frau und Familie ganze Motivationsarbeit geleistet und ihn mit großer Kraft unterstützt haben. Davor habe ich großen Respekt.

Nach dem ersten Schock setzen die Gedanken ein. Ich frage mich das große „warum“. Was ist falsch gelaufen? Hat er besonders ungesund gelebt, haben die Ärzte etwas falsch gemacht und was kann ich selber tun um so etwas entgegen zu wirken?

Meiner Meinung nach gibt es kein Patentrezept auf das Leben und das Sterben. Er hatte das Rauchen bereits vor der Diagnose aufgegeben und auch keinen Lungenkrebs. Meine Großmutter ist mit Bier und Zigaretten doppelt so alt geworden wie er. Fast 100. Es gibt so viele Menschen die gesund Leben und krank werden und es gibt so viele Menschen die ungesund Leben und alt werden. Versteht mich nicht falsch, ich denke nicht, dass es scheißegal ist wie man sich ernährt und sein Leben gestaltet.

Letztendlich ist aber der Gedanke, dass wir unser Leben vollends in der Hand haben, auch nur eine Illusion. Wir können ein paar Feineinstellungen vornehmen und somit eine grobe Richtung vorgeben. Wohin das ganze aber führt und wann es endet liegt nicht in unserer Hand.

Eigentlich können wir nur über das hier und jetzt bestimmen. Und das auch nicht in vollem Umfang. Und allzu oft sind wir nicht im hier und jetzt. Wir sind beim nächsten Meeting, beim nächsten Urlaub, bei der letzten Grillparty oder sonst wo. Gedanklich springen wir ständig in der Vergangenheit oder Zukunft rum, während der gelebte Moment vergeht ohne zu wissen, wie lange wir noch die Möglichkeit haben, diese bewussten Momente wahrzunehmen.

Solcherlei Gedanken kommen mir immer wieder bei Todesfällen. Und ich nehme mir vor bewusster, gesünder und mehr in der Gegenwart zu leben. Und ein paar Tage später stecke ich voll im Alltag und bin schon wieder ganz woanders mit meinen Gedanken. Geht es uns nicht allen so? Mal mehr, mal weniger? Vielleicht ist das ja auch so ein biologischer Trick unseres Gehirns? Ich weiß es nicht.

Je älter ich werde, desto mehr bin ich bemüht die Vergangenheit ruhen zu lassen und nicht so viel über die Zukunft nachzudenken. Achtsamer und bewusster zu sein. Die Hoffnungen und Wünsche, die ich für meinen Kollegen hatte möchte ich aber erhalten und nun an seine Familie und Hinterbliebenen weitergeben. Das sie die Kraft haben, diese schwere Zeit gemeinsam durchzustehen und die Möglichkeit haben werden wieder in die Normalität zurückzufinden.

Lasst und die gegebene Zeit bestmöglich nutzen und auch genießen.

Stifte, Pinsel, Instrumente

Audiovisuelle Künste sind seit ich denken kann eine der absoluten Hauptinteressen in meinem Leben. Nun, ich bin kein Kunstgelehrter, schaue mir keine Gemälde von Bosch oder Van Gogh an und mache dabei schlaue Bemerkungen, während ich an meiner Zigarre ziehe.

Aber ich konnte mit ca. 5 Jahren den Plattenspieler meiner Eltern selbstständig benutzen und tat dies zum Leidwesen ebendieser auch. Ich hörte mich zunächst durch die Plattensammlung meiner Mutter, wobei besonders KISS, Gerry Rafferty, Uriah Heep und ähnliche bei mir hängengeblieben sind und die Vorliebe für härtere Musik prägten.
Wenn ich keine Musik hörte, dann zeichnete und malte ich. Oft mit meinem Großvater zusammen, der lange Jahre Ölbilder und Aquarelle malte und mit dem Bleistift wie mit einem Zauberstab umgehen konnte.

So oft es ging verband ich beide Leidenschaften miteinander. Und so zeichnete ich, während im Hintergrund Musik lief. Stunde um Stunde.
Ich hatte für ein Kind in meinem Alter recht wenige Hörspiele, dafür lieh ich mir liebend gern die Mixtapes meiner Eltern aus oder nahm Musik aus dem Radio auf.
Die einzige Hörspielserie, von der ich tatsächlich mehr als ein Kassette hatte, war He-Man and the Masters of the Universe. TKKG und Drei Fragezeichen habe ich erst als Erwachsener kennen gelernt. Kein Scheiß.

Sowohl die Musik, als auch das kreieren eigener Bilder hat etwas abenteuerliches. Man erkundet andere Welten oder erschafft sie gar.
Und irgendwann verliert man sich so sehr in dem, was man tut, dass alles andere um einen herum verschwindet und man darin aufgeht.
Wenn ich mal über einen längeren Zeitpunkt nicht dazu komme, mich intensiv mit audiovisuellen Dingen auf einer kreativen Basis auseinanderzusetzen, setzt eine nagende Unzufriedenheit ein. Ich denke dies liegt daran, dass ich dahingehend schon sehr früh sehr stark geprägt wurde, wie ich anfangs angerissen habe.
Mittlerweile lasse ich es am Liebsten gar nicht erst soweit kommen.

Ein besonderes Faible habe ich für die dunklen und schrägen Dinge. Seien es Filme, Bilder oder Musik.
In den letzten 10 Jahren habe ich verstärkt Drone, Noise und Ambient für mich entdeckt.
Bands wie die japanischen Boris, die Amerikaner Sunn O))), Earth oder der japanische Noise Artist Merzbow sind für mich Inspiration, wie ein Teller lauter, düsterer, zerbröckelter Kekse, die dennoch einen sehr angenehmen Geschmack haben.

Seien wir ehrlich, niemand kann sich das wahrscheinlich 24/7 reinziehen ohne sich das Hirn aufzuweichen, aber ohne würde mir etwas fehlen, da ich an herkömmlicher Musik in vielen Genres mittlerweile übersättigt und gelangweilt bin und es viele Bands und Künstler gibt, die Kopien von anderen Bands und Künstlern sind, die von anderen usw.
Da sind die Lauten, die Kaputten, die Exzentriker und Andersmacher einfach ein willkommener Farbklecks in der unüberschaubaren Masse geworden.

Alles ist ständig im Wandel, du und ich eingeschlossen. Hätte ich meinem jüngeren Ich die Scheiben vorgespielt, die ich heute höre,und die Bilder, die mein Kopfkino heute produziert gezeigt, ich wäre vermutlich schreiend weggelaufen.
Dabei sind sie heute ein Teil der Ruhefindung und des Selbst-Zentrieren. Und Inspiration, die eigenen Gefühle in Bild und Ton umzusetzen.

Letztendlich ist es eigentlich auch Wurscht ob sich jemand Horrorstories ausdenkt oder Blumenwiesen malt. Wichtig ist, dass das was man tut, grundsätzlich niemand anderem schadet und es dazu beiträgt, dass eigene Leben in positiver Art und Weise zu bereichern.

Mittlerweile bin ich in der luxuriösen Lage, mir Zeit für kreative Ausbrüche leisten zu können und zu dürfen und lege Dir hiermit ans Herz auch schnellstens damit anzufangen, wenn es noch nicht der Fall ist.
Zackzack!

Immer bleibt alles anders

Manche Sachen ändern sich nicht, andere dagegen ständig. Und manchmal ist die einzige Konstante, dass sich wieder mal was ändert.

Dann kommen die Zeiten, in denen man durchatmet und denkt, es wird besser. Und nur kurze Zeit später stellt sich wieder alles auf den Kopf.

Ich finde Veränderungen, Entwicklungen und neuen Input grundsätzlich gut. Was eine wirklich harte Übung für mich ist, sind diese ständig wiederkehrenden Dauerschleifen von grundsätzlich unangenehmen, gleichbleibenden und / oder monotonen Situationen. Ich akzeptiere diese mittlerweile so gut es geht, besonders weil ich selber bei einer der Hauptschleifen nicht die Möglichkeit habe, aus eben dieser herauszutreten.

Oder besser gesagt, ich möchte diese Möglichkeit nicht nutzen. Grundsätzlich hat man ja immer die Wahl und muss nur mit den Konsequenzen klar kommen. Diese Konsequenz habe ich bisher immer gescheut – wie sich herausstellt war das auch gar nicht so verkehrt bisher, da sich hierdurch mein Wille zur Akzeptanz und Gelassenheit gestärkt hat.

Nein, man muss nicht alles hinnehmen. Man muss aber auch nicht jedesmal weglaufen oder sofort auf die Barrikaden gehen. Jeder hat sein eigenes Level, ob und wie lange er Dinge ertragen kann. Durch den Halt, den mir meine Familie und mein überschaubarer, guter Freundeskreis gibt, habe ich einen sicheren Rückzugsort. Hätte ich das nicht, wäre meine Zündschnur sicher immer noch so kurz wie in jüngeren Jahren – möglicherweise noch kürzer.

Ich spüre, dass ich in vielen Dingen deutlich ruhiger werde, eher loslasse. Der von Impulsen getriebene, rebellische Terroaffe, der mein Verstand ist lässt sich immer häufiger zähmen. Wahrscheinlich ist schon was dran an der Sache, dass man erstmal ne Menge Scheiß erlebt haben muss, um einen Blick und ein Gefühl dafür zu bekommen, ob sich die eingesetzte Energie in dieser Form lohnt.

Energie konnte ich in der Vergangenheit wunderbar in negativen Gedanken, Ängsten und Sorgen verbrennen. Wären sie Kalorien, ich wäre vermutlich nur noch ein Strich in der Landschaft. Oft genug sind sie immer noch da. Manchmal auch noch Nachts. Längst aber nicht mehr so übermannshoch, wie sie es waren. Vielleicht sogar auf einem fast normalen Level. Aber woran will man das schon messen? Jeder Mensch und sein Empfinden sind einzigartig.

Unterm Strich komme ich mir seit lange Zeit wohl mal wieder selber ein bisschen näher; näher zu dieser inneren Mitte. Gelegentlich ist da diese allzu vertraute Schwere und die Sorgen. Dann verkrampfe ich und zieh mich zusammen, will nur noch weg. Aber ich erkenne das Muster mittlerweile und das hilft diese Abwärtsspirale zu durchbrechen.

Und wenn ich es alleine nicht schaffe, dann kommst du. Du lächelst dann und sagst zu mir zum Beispiel „Nimm dir einen Kaffee oder ein Bier, setz dich hin und entspann dich. Es ist alles ok“. Und es beginnt dann schon in dem Moment wieder gut zu werden, wo du gesprochen hast.

Ein paar Gedanken

Was raus ist, tut drinnen nicht mehr weh. Deswegen schreib ich auf.

Nächsten Monat hat mein Kollege 10 jähriges Jubiläum. Anfang letzten Jahres hatte er nach mehreren Wochen warten eine Krebsdiagnose erhalten. Er machte Therapien, wurde operiert und fing Ende letzten Jahres mit der Wiedereingliederung an. Im März hatte er Urlaub, kam von diesem aber nicht wieder. Der Krebs war zurück. Wieder Therapie, wieder warten. Das alles noch zusätzlich in der Corona-Krise. Was ich bisher immer bewunderte war sein Kampfgeist und Optimismus. Er war noch immer am Scherzen, hat sich nicht unterkriegen lassen und die ganze Geschichte mit einem Trotz und einer Kraft durchgestanden, die ich bewundert habe. Vor drei Wochen hat er nicht mehr gescherzt. Er hörte sich matt und abgekämpft an, plante aber bereits den Zeitpunkt, wenn er zurückkommen werde. Vor 1,5 Wochen schrieb mir seine Frau, dass er ins Krankenhaus musste und sich sein Zustand verschlimmert hat. Nun, heute morgen erreichte mich die Nachricht, dass er Krebszellen im Hirnwasser hat und eine weitere Therapie eingeleitet wurde.
Krebs ist ein Arschloch. Ein fieses, hinterhältiges Mistschwein.
In solchen Momenten besinnt man sich wieder darauf, wie dankbar man für eine intakte Gesundheit sein kann und das man – trotz aller Widrigkeiten im Leben – dieses Dasein geniessen sollte. Manchmal kann von heute auf morgen deine persönliche Welt auf den Kopf gestellt werden. Im Kleinen wie im Großen. Die Gesellschaft ist mit Corona konfrontiert. Jeder Mensch für sich anders. Mein Kollege kämpft um sein Leben. So wie so viele andere Menschen auch.
Den Gesunden bleibt in solchen Momenten die Möglichkeit über dieses Geschenk der Gesundheit bewusst zu sein und für die Angehörigen und Erkrankten da zu sein. Der eine mag beten, der andere gut zureden, wieder jemand anderes schweigt vielleicht nur.
Ich bin nicht gläubig. Aber ich wünsche ihm und seinen Angehörigen alle Kraft der Welt und wünsche ihm von Herzen, dass er gesund wird.
Und warte auf den Moment, in dem er wieder durch die Tür kommt und mir einen guten Morgen wünscht.