Stifte, Pinsel, Instrumente

Audiovisuelle Künste sind seit ich denken kann eine der absoluten Hauptinteressen in meinem Leben. Nun, ich bin kein Kunstgelehrter, schaue mir keine Gemälde von Bosch oder Van Gogh an und mache dabei schlaue Bemerkungen, während ich an meiner Zigarre ziehe.

Aber ich konnte mit ca. 5 Jahren den Plattenspieler meiner Eltern selbstständig benutzen und tat dies zum Leidwesen ebendieser auch. Ich hörte mich zunächst durch die Plattensammlung meiner Mutter, wobei besonders KISS, Gerry Rafferty, Uriah Heep und ähnliche bei mir hängengeblieben sind und die Vorliebe für härtere Musik prägten.
Wenn ich keine Musik hörte, dann zeichnete und malte ich. Oft mit meinem Großvater zusammen, der lange Jahre Ölbilder und Aquarelle malte und mit dem Bleistift wie mit einem Zauberstab umgehen konnte.

So oft es ging verband ich beide Leidenschaften miteinander. Und so zeichnete ich, während im Hintergrund Musik lief. Stunde um Stunde.
Ich hatte für ein Kind in meinem Alter recht wenige Hörspiele, dafür lieh ich mir liebend gern die Mixtapes meiner Eltern aus oder nahm Musik aus dem Radio auf.
Die einzige Hörspielserie, von der ich tatsächlich mehr als ein Kassette hatte, war He-Man and the Masters of the Universe. TKKG und Drei Fragezeichen habe ich erst als Erwachsener kennen gelernt. Kein Scheiß.

Sowohl die Musik, als auch das kreieren eigener Bilder hat etwas abenteuerliches. Man erkundet andere Welten oder erschafft sie gar.
Und irgendwann verliert man sich so sehr in dem, was man tut, dass alles andere um einen herum verschwindet und man darin aufgeht.
Wenn ich mal über einen längeren Zeitpunkt nicht dazu komme, mich intensiv mit audiovisuellen Dingen auf einer kreativen Basis auseinanderzusetzen, setzt eine nagende Unzufriedenheit ein. Ich denke dies liegt daran, dass ich dahingehend schon sehr früh sehr stark geprägt wurde, wie ich anfangs angerissen habe.
Mittlerweile lasse ich es am Liebsten gar nicht erst soweit kommen.

Ein besonderes Faible habe ich für die dunklen und schrägen Dinge. Seien es Filme, Bilder oder Musik.
In den letzten 10 Jahren habe ich verstärkt Drone, Noise und Ambient für mich entdeckt.
Bands wie die japanischen Boris, die Amerikaner Sunn O))), Earth oder der japanische Noise Artist Merzbow sind für mich Inspiration, wie ein Teller lauter, düsterer, zerbröckelter Kekse, die dennoch einen sehr angenehmen Geschmack haben.

Seien wir ehrlich, niemand kann sich das wahrscheinlich 24/7 reinziehen ohne sich das Hirn aufzuweichen, aber ohne würde mir etwas fehlen, da ich an herkömmlicher Musik in vielen Genres mittlerweile übersättigt und gelangweilt bin und es viele Bands und Künstler gibt, die Kopien von anderen Bands und Künstlern sind, die von anderen usw.
Da sind die Lauten, die Kaputten, die Exzentriker und Andersmacher einfach ein willkommener Farbklecks in der unüberschaubaren Masse geworden.

Alles ist ständig im Wandel, du und ich eingeschlossen. Hätte ich meinem jüngeren Ich die Scheiben vorgespielt, die ich heute höre,und die Bilder, die mein Kopfkino heute produziert gezeigt, ich wäre vermutlich schreiend weggelaufen.
Dabei sind sie heute ein Teil der Ruhefindung und des Selbst-Zentrieren. Und Inspiration, die eigenen Gefühle in Bild und Ton umzusetzen.

Letztendlich ist es eigentlich auch Wurscht ob sich jemand Horrorstories ausdenkt oder Blumenwiesen malt. Wichtig ist, dass das was man tut, grundsätzlich niemand anderem schadet und es dazu beiträgt, dass eigene Leben in positiver Art und Weise zu bereichern.

Mittlerweile bin ich in der luxuriösen Lage, mir Zeit für kreative Ausbrüche leisten zu können und zu dürfen und lege Dir hiermit ans Herz auch schnellstens damit anzufangen, wenn es noch nicht der Fall ist.
Zackzack!

Aktion Sorgenspende

Die letzten Tage hat es wieder ordentlich gebrannt auf Twitter.
Der Grund war eine Person, die dort seit längerem immer wieder mal Spendenaktionen ins Leben ruft. Da gibt es die Befürworter, die sich an den Aktionen beteiligen und auch spenden, aber auch die Kritiker, die davon überzeugt sind, dort ginge es nicht mit rechten Dingen zu und die verantwortliche Person würde sich persönlich bereichern oder ähnlichen Schmuh betreiben.

Allein diese Situation an sich hat ja schon genug Diskussionspotenzial, letztendlich ist nun aber auch noch eine besonders tragische Sache hinzugekommen. Jemand hat einen Account eröffnet, behauptet seine Frau verloren zu haben und nun alleinerziehend zu sein. Durch einige hilfsbereite Menschen ist der „Spendenaccount“ aufmerksam geworden und dem vermeintlichen Neuwitwer wurde geholfen. So weit so gut. Es stellte sich dann aber heraus, dass es sich um einen Betrüger handelte, offensichtlich entlarvt von einem derjenigen, die auch die Arbeit des Spendenaccounts kritisieren.

Und hier beginnt das eigentliche Elend.
Bei den besagten Kritikern handelt es sich um genau die Personen, die immer wieder mit streitbaren Aussagen und Aktionen auffallen und zum Teil auch grenzwertiges, „investigatives“ Verhalten an den Tag legen. Man hat bei genau diesen Personen das Gefühl, dass sie ihrer „Aufklärungsarbeit“ nicht nachgehen, weil sie für die richtige Sache arbeiten wollen, sondern um ihr Ansehen und Ego ein bisschen aufzupolieren.
Dies erkennt man insbesondere an der nicht neutralen Art, dem geringschätzenden Vokabular und dem Tunnelblick. Sie versteifen sich dabei sehr auf ihre Sicht der Dinge. Wird diese Sicht nicht geteilt wird entweder geblockt oder schlecht Wetter gegen den Kritiker gemacht – oder auch beides in Kombination.
Letztendlich hat man es hier nicht mit richtigen Kritikern, sondern mit Möchtegerns auf Klatschpressenniveau zu tun. Was einem nicht passt wird ignoriert und mundtot gemacht.
Es sind genau die selben Menschen, die man im „Real-Life“ so antrifft, nur das sie es dort hinter vorgehaltener Hand tun.

Es gibt bei uns von Zeit zu Zeit einen Umsonstflohmarkt. Dort bringt man Sachen hin, die man nicht mehr braucht und andere, denen es materiell nicht so gut geht, können dort ihre Kinder oder sich einkleiden, Geschirr, Bücher, Haushaltsgeräte oderoderoder mitnehmen.
Das ganze läuft auf Vertrauensbasis und wird natürlich auch gut angenommen.
Auch hier gibt es Kritiker. Es gibt die sachlichen, die ihren Standpunkt und ihre Meinung ganz neutral vorbringen, aber es gibt auch die Privatermittler, die ganz schlimme, krumme Dinger vermuten und das „aufdecken“ wollen.
Nur gibt es da nichts aufzudecken, denn natürlich gibt es schwarze Schafe. Second Hand Händler, Ebay-Ticker, oder einfach gierige Menschen die sowieso nie genug von allem bekommen können.
Letztendlich macht man mit ihnen seine Erfahrungen und wächst daran.
Mit der Zeit ist es dann recht einfach, wenn man mit ein, zwei Leuten ein bisschen aufpasst, genau diese Leute herauszufiltern. Ich denke jedoch nicht, dass man immer alle erwischt.

Was ich aber jedoch denke ist, dass man solcherlei Aktionen nicht aufgrund der schwarzen Schafe abschaffen sollte. Dann bleiben nämlich die eigentlichen Leidtragenden auf der Strecke. Wenn man sich ein paar mal persönlich für solche Aktionen eingesetzt und sich mit den Menschen persönlich auseinandergesetzt hat, wird man recht schnell eins und eins zusammenzählen können und feststellen, dass nicht die schwarzen Schafe das eigentliche Problem sind, sondern der Grund, warum man Spendenaktionen überhaupt machen muss.

Und es ist wie in allen Bereichen des Lebens der Ton, der die Musik macht.
Meiner Meinung nach sollte man besonders bei den Leuten aufpassen, die immer wieder in allen möglichen Situationen in Erscheinung treten und dabei diese laute Bildzeitungsmentalität an den Tag legen. Auch die werden immer ihre Anhänger haben. Und die haben sie meist aufgrund ihrer grenzüberschreitenden, Effekt heischenden Art. Dabei verhalten sie sich aber unseriös und treten das, was sie verkörpern wollen, mit Füssen in den Dreck.

Für mich gilt die Unschuldsvermutung. Und ich finde eine faktenbasierte und sachliche Herangehensweise beim Aufdecken von Missständen vertrauenswürdiger, als Martkschreierisches anprangern.
Letztendlich habe ich auch online schon das ein oder andere mal gespendet, auch bei Twitter. Ich bin mir bewusst darüber, dass nicht immer alles so sein wird, wie es dargestellt ist. Und oft spende ich erst bei Personen und Aktionen, wo ich einen persönlichen Bezug habe. Oder bei jemandem, dem ich schon länger folge.
Bei betreffendem Spendenaccount habe ich persönlich kein schlechtes Gefühl. Im Gegenteil finde ich es höchst bezeichnend, wie die Kritiker jetzt, da sich hier jemand an der Hilfsbereitschaft vieler User bereichert hatte, von ihrem hohen Ross runter spucken und auch noch nach treten. Nicht beim Blender, sondern bei den Helfern.
Mit so einem Verhalten setzen sich diese Kritiker ins Glashaus der Eitelkeiten und werfen mit Steinen.

Immer bleibt alles anders

Manche Sachen ändern sich nicht, andere dagegen ständig. Und manchmal ist die einzige Konstante, dass sich wieder mal was ändert.

Dann kommen die Zeiten, in denen man durchatmet und denkt, es wird besser. Und nur kurze Zeit später stellt sich wieder alles auf den Kopf.

Ich finde Veränderungen, Entwicklungen und neuen Input grundsätzlich gut. Was eine wirklich harte Übung für mich ist, sind diese ständig wiederkehrenden Dauerschleifen von grundsätzlich unangenehmen, gleichbleibenden und / oder monotonen Situationen. Ich akzeptiere diese mittlerweile so gut es geht, besonders weil ich selber bei einer der Hauptschleifen nicht die Möglichkeit habe, aus eben dieser herauszutreten.

Oder besser gesagt, ich möchte diese Möglichkeit nicht nutzen. Grundsätzlich hat man ja immer die Wahl und muss nur mit den Konsequenzen klar kommen. Diese Konsequenz habe ich bisher immer gescheut – wie sich herausstellt war das auch gar nicht so verkehrt bisher, da sich hierdurch mein Wille zur Akzeptanz und Gelassenheit gestärkt hat.

Nein, man muss nicht alles hinnehmen. Man muss aber auch nicht jedesmal weglaufen oder sofort auf die Barrikaden gehen. Jeder hat sein eigenes Level, ob und wie lange er Dinge ertragen kann. Durch den Halt, den mir meine Familie und mein überschaubarer, guter Freundeskreis gibt, habe ich einen sicheren Rückzugsort. Hätte ich das nicht, wäre meine Zündschnur sicher immer noch so kurz wie in jüngeren Jahren – möglicherweise noch kürzer.

Ich spüre, dass ich in vielen Dingen deutlich ruhiger werde, eher loslasse. Der von Impulsen getriebene, rebellische Terroaffe, der mein Verstand ist lässt sich immer häufiger zähmen. Wahrscheinlich ist schon was dran an der Sache, dass man erstmal ne Menge Scheiß erlebt haben muss, um einen Blick und ein Gefühl dafür zu bekommen, ob sich die eingesetzte Energie in dieser Form lohnt.

Energie konnte ich in der Vergangenheit wunderbar in negativen Gedanken, Ängsten und Sorgen verbrennen. Wären sie Kalorien, ich wäre vermutlich nur noch ein Strich in der Landschaft. Oft genug sind sie immer noch da. Manchmal auch noch Nachts. Längst aber nicht mehr so übermannshoch, wie sie es waren. Vielleicht sogar auf einem fast normalen Level. Aber woran will man das schon messen? Jeder Mensch und sein Empfinden sind einzigartig.

Unterm Strich komme ich mir seit lange Zeit wohl mal wieder selber ein bisschen näher; näher zu dieser inneren Mitte. Gelegentlich ist da diese allzu vertraute Schwere und die Sorgen. Dann verkrampfe ich und zieh mich zusammen, will nur noch weg. Aber ich erkenne das Muster mittlerweile und das hilft diese Abwärtsspirale zu durchbrechen.

Und wenn ich es alleine nicht schaffe, dann kommst du. Du lächelst dann und sagst zu mir zum Beispiel „Nimm dir einen Kaffee oder ein Bier, setz dich hin und entspann dich. Es ist alles ok“. Und es beginnt dann schon in dem Moment wieder gut zu werden, wo du gesprochen hast.

Auf Safari mit Lord und Lady

Es ist ein warmer Junitag. Der Lord und seine Lady (ebenfalls zu finden auf Twitter als @tinker_just) schleichen durch das Unterholz des Stadtdschungels. Wir befinden uns an einem Hotspot. Unterholz knackt unter unseren Füßen. Verdammt, es ist kaum möglich, sich unbemerkt fortzubewegen.
Für einen Moment ist die Stille jedoch greifbar, dann ein lauter, tierischer Aufschrei und die Stimme der Lady. „Zähne hat es schon. Und beißen kann es auch“.
Sie hat eins erwischt und sie wurde von einem erwischt. Es wird in den Transportkäfig verfrachtet.

Wir befinden uns an einer Stelle unserer Stadt, wo wilde Katzen leben. Bei uns im Ort besteht keine Markierungs- und Kastrationspflicht für diese Tiere. Weshalb sie sich unkontrolliert vermehren. Das Problem ist bekannt, einen Plan gibt es bisher noch nicht. Meine Frau setzt sich dafür ein, dass dies geändert wird.
Die Sterblichkeitsrate ist hier hoch. Es befinden sich frequentierte Straßen und eine Bahnlinie in der Nähe. Zusätzlich stehen die Chancen aufgrund der Witterung und mangelnder Ernährung schlecht für diese Tiere.

Nach Rücksprache mit dem Tierschutz ist es sinnvoll die kleinen Kätzchen ab einem gewissen Alter einzufangen. Sie werden dann geimpft und kastriert. Und im besten Fall weitervermittelt. Die Eltern dagegen sollte man nicht einfangen, da der Nachwuchs sonst keine Chancen mehr hat.

Ich möchte hier auch nicht über Sinn und Unsinn und Alternativen diskutieren. Uns persönlich ist es einfach ein Anliegen in so einer Situation aktiv zu werden und möglichst vielen Tieren so die Chance auf ein gutes Leben zu geben. Und natürlich langfristig dafür zu sorgen, dass sich die Anzahl wilder Tiere dauerhaft reduzieren lässt.

Mit dem kleinen Mädel, welches meine Frau eingefangen hat war ich heute beim Tierarzt. Sie ist wohlauf, quicklebendig und hat auch schon einen Interessenten.

Und falls du dich für Katzen interessierst und dir vielleicht auch eine zulegen möchtest ziehe doch zumindest in Erwägung, dass es eine aus dem Tierschutz sein könnte und nicht unbedingt vom Züchter. Bestimmt gibt es auch in Deiner Nähe kleine Tiger, deren Chancen unter Umständen nicht so gut stehen.

Bunt ist das Dasein und granatenstark

Ich bin Deutscher. Und habe eine helle Hautfarbe. Ich bin blond. Naja, das was noch übrig ist ist noch irgendwie blond. Ich bin groß. Nur meine Augen sind nicht blau. Das wars dann aber auch.

Meinen ersten, bewussten Kontakt mit einem Menschen einer anderen Ethnie und Hautfarbe hatte ich mit ca. Vier. Da hat meine Oma Ihren neuen Lebensgefährten vorgestellt. Der kam aus Indien, war sehr lustig, konnte gut zeichnen und sauleckeres Essen kochen. Ich glaube er hat meine Liebe für scharfes Essen maßgeblich mit geprägt.

Als ich in die Grundschule kam zog eine türkische Familie zu uns ins Dorf. Die Kinder stellten sich in unserer Klasse vor, erklärten uns wo sie herkamen und und wie man auf türkisch zählt. Die türkischen Zahlen habe ich vergessen, behalten habe ich aber, dass ich es sehr spannend fand, etwas über die mir fremde Kultur zu erfahren.
Ein paar Jahre später lernte ein Onkel von mir seine Frau kennen. Sie war Polin. Die später folgende Hochzeit habe ich als lautes, rauschendes und fröhliches Fest in Erinnerung.

Auch wenn ich selber Deutscher bin, so sind meine Wurzeln nicht nur deutsch. Laut Ahnenforschungen meines Großvaters haben wir Wurzeln in Frankreich bei den Hugenotten. Ein anderer Teil meiner Familie wurde im zweiten Weltkrieg aus Stettin vertrieben, welches heute zu Polen gehört. Ich weiß auch, dass ein Teil meiner Familie nach Kanada und Amerika ausgewandert ist. Zu gerne würde ich hier in der Zukunft mal mehr Details in Erfahrung bringen.
Aber zurück zum Thema. Ich habe Freunde, Bekannte und Familienmitglieder aus allen möglichen Kulturen und ich finde es großartig. Ich stehe auf multikulti, darauf neues zu entdecken und zu erfahren.

Ich bin weiß. Und somit privilegiert. Ein Privileg, welches eine Schande ist und welches ich nicht nachvollziehen kann bzw will. Ein Mensch ist ein Mensch. Jedem Nazi lege ich mal Nahe, soweit es geht in seinem Stammbaum zurück zu forschen. Ihr seid keine Herrenrasse, keine Arier, keine Übermenschen. Auch in eurem Stammbaum hat mit Sicherheit der ein oder andere fremder Herkunft reingehalten. Ihr seid Stolz auf etwas, dass keinerlei Grundlage hat, da sich niemand seine Herkunft aussucht. Niemand ist ein besserer Mensch durch seinen Glauben oder seine Hautfarbe.
Selbst der Nationalsozialismus in seiner Wurzel ist schon total daneben. Ein Österreicher, der die deutsche Herrenrasse „führt“. Wäre es nicht so unendlich traurig, es wäre ein Witz. Hätte ein „deutscher Führer“ nicht auch urdeutsch sein müssen. Oder ist das rassistisch?

Sklavenhandel, Konzentrationslager, Rassismus, Faschismus. Alles ein Ausdruck überzogener Machtfantasien oder auch der Angst vor dem Fremden, dem Unbekannten.
Auch meine Reaktion damals bei dem Lebensgefährten war Unsicherheit, weil dieser Mann so dunkle Haut und so weiße Zähne hatte.
Diese Unsicherheit wich jedoch sehr schnell Freude und Spaß und der Lust etwas über meine Mitmenschen kennen zu lernen, egal wo sie herkommen. Dafür bin ich dankbar. Ich bin meiner Familie dankbar, dass diese Möglichkeit bestand und auch meine Eltern und Großeltern hier eine größere Toleranz hatten, als so manch anderer der Kriegs- und Nachkriegsgeneration.

Versteht mich nicht falsch. Auch in meiner Familie gibt es Alltagsrassisten. Ich hatte allerdings die Möglichkeit, mich dagegen zu entscheiden. Und auch diesen Leuten meine Meinung zu sagen.
Unsere Kinder versuchen wir ebenfalls nach bestem Wissen und Gewissen ohne diese Scheuklappen zu erziehen. Sie sollen einen Menschen danach für sich beurteilen, was er/sie/es ist. Und nicht woher dieser Mensch kommt oder woran er glaubt.

Das ist nicht einfach. Und das sich hier von heute auf morgen was ändert ist Wunschdenken. Deswegen sollten wir unser Möglichstes tun, die Schranken in den Köpfen von uns und anderen immer wieder zu öffnen.
Wer Fremden pauschal mit Hass und Gewalt begegnet ist ängstlich und dumm. Gegen Dummheit kann man etwas tun. Und das Tolle daran ist, dass es gleichzeitig die Angst verschwinden lässt.

Ein paar Gedanken

Was raus ist, tut drinnen nicht mehr weh. Deswegen schreib ich auf.

Nächsten Monat hat mein Kollege 10 jähriges Jubiläum. Anfang letzten Jahres hatte er nach mehreren Wochen warten eine Krebsdiagnose erhalten. Er machte Therapien, wurde operiert und fing Ende letzten Jahres mit der Wiedereingliederung an. Im März hatte er Urlaub, kam von diesem aber nicht wieder. Der Krebs war zurück. Wieder Therapie, wieder warten. Das alles noch zusätzlich in der Corona-Krise. Was ich bisher immer bewunderte war sein Kampfgeist und Optimismus. Er war noch immer am Scherzen, hat sich nicht unterkriegen lassen und die ganze Geschichte mit einem Trotz und einer Kraft durchgestanden, die ich bewundert habe. Vor drei Wochen hat er nicht mehr gescherzt. Er hörte sich matt und abgekämpft an, plante aber bereits den Zeitpunkt, wenn er zurückkommen werde. Vor 1,5 Wochen schrieb mir seine Frau, dass er ins Krankenhaus musste und sich sein Zustand verschlimmert hat. Nun, heute morgen erreichte mich die Nachricht, dass er Krebszellen im Hirnwasser hat und eine weitere Therapie eingeleitet wurde.
Krebs ist ein Arschloch. Ein fieses, hinterhältiges Mistschwein.
In solchen Momenten besinnt man sich wieder darauf, wie dankbar man für eine intakte Gesundheit sein kann und das man – trotz aller Widrigkeiten im Leben – dieses Dasein geniessen sollte. Manchmal kann von heute auf morgen deine persönliche Welt auf den Kopf gestellt werden. Im Kleinen wie im Großen. Die Gesellschaft ist mit Corona konfrontiert. Jeder Mensch für sich anders. Mein Kollege kämpft um sein Leben. So wie so viele andere Menschen auch.
Den Gesunden bleibt in solchen Momenten die Möglichkeit über dieses Geschenk der Gesundheit bewusst zu sein und für die Angehörigen und Erkrankten da zu sein. Der eine mag beten, der andere gut zureden, wieder jemand anderes schweigt vielleicht nur.
Ich bin nicht gläubig. Aber ich wünsche ihm und seinen Angehörigen alle Kraft der Welt und wünsche ihm von Herzen, dass er gesund wird.
Und warte auf den Moment, in dem er wieder durch die Tür kommt und mir einen guten Morgen wünscht.

Verschwörungs – Recycling

Nein, kein Furzkissen

Anfang/Mitte meiner Zwanziger hatte ich eine ausgeprägte, spirituell-esoterische Phase. Ich beschäftigte mich mit allen möglichen verborgenen Künsten, legte Tarot-Karten, pendelte und kam über Bekannte auch mit Reiki in Kontakt. Alles, was irgendwie in Richtung verborgenes und alternatives Wissen ging, war spannend und interessant und durch die Möglichkeit, sich mit Gleichgesinnten zu unterhalten hatte man das Gefühl einer eingeschworenen Gemeinschaft zu gehören, die etwas wusste, was die breite Masse nicht wusste. Das macht das eigene Leben und erleben zu etwas Besonderem.

Zu diesem Zeitpunkt konsumierte ich auch Bücher des in damaligen Insiderkreisen berühmt-berüchtigten Ewertverlages, der Anteil daran hatte, das Jan van Helsing (aka Jan Udo Holey) eine größere Bekanntheit erlangte.Ich las in den Büchern von der hohlen Erde mit seiner inneren Welt, geheimen Zugängen dazu und wie uns „die da oben“ dieses Wissen vorenthalten wollten.

Damals war das Internet natürlich auch noch nicht dasselbe wie heute. Es spielte sich weitaus weniger im virtuellen Raum ab, als vielmehr in kleinen Gruppenverbänden, Interessengemeinschaften und Treffs von Gleichgesinnten. Durch meinen damaligen Reikimeister nahm ich auch an solchen Treffen teil, wo neue Erkenntnisse und Meinungen ausgetauscht wurden und man gemeinsam geführte Meditationen und Ausflüge machte.

Das Publikum war dabei bunt gemischt. Von jung nach alt und vom Hobbyforscher bis hin zum militanten Aluhut-Träger, wie wir sie derzeit aus den Medien kennen. Es gibt da kein schwarz-weiß, kein gut oder böse. Jedenfalls nicht im pauschalen Sinne.

Mir war anfangs zum Beispiel gar nicht bewusst, wie sehr diese ganze Szene auch damals schon von braunem Gedankengut durchzogen war. Und das Bücher von Herrn Holey aufgrund antisemitischen Gedankenguts verboten wurden auch nicht. Je mehr man in diese Welt eingetaucht ist, desto mehr nahm sie einen in Ihren Besitz und man forschte sich durch alles was man an Quellen bekam. Letzten Endes ließen mich aber nicht nur die rechtextremen Auswürfe in dieser „Szene“ zweifeln, sondern auch das Ausbleiben von Resultaten.

Weltuntergänge, Weltumbrüche, neue Zeitalter, die Rückkehr von Lichtkriegern und unseren Vorfahren vom Aldebaran – all das wurde angekündigt. Genau solche Prophezeiungen, wie sie nun dieser Tage Attila Hildmann, Qanon und Co. verkünden. Derlei Prophezeiungen sind wahrscheinlich so alt wie die Menschheit selber. Und es sind die immer gleichen Geschichten, gekleidet in das Gewand des aktuellen Zeitgeschehens.

Vielleicht sind sie sogar eine Ersatzreligion, ein Glaube. Denn Fakten oder tatsächliche Ergebnisse erwartet man dort vergebens. Die aktuelle Situation hat sie lediglich mal wieder näher ins Rampenlicht gerückt, unsere Weltuntergangspropheten. Vor 100 Jahren hätte Xavier Naidoo sich vielleicht auf eine Seifenkiste auf den Marktplatz gestellt und gepredigt.

Oder wäre mit einem Schild um den Hals und einer Glocke in der Hand durch die Städte gelaufen und hätte „The end is near“ gebrüllt.

Und in 100 Jahren wird es ein anderer tun. Wie gesagt: Es werden dieselben Geschichten sein, nur in einem anderen Gewand. Und auch in 100 Jahren werden noch in irgendwelchen unterirdischen Tunneln Kinder für Adrenochrom gefoltert werden. Also nur rein sinnbildlich. Beweise wird bis dahin noch immer niemand erbracht haben. Wie schon die ganzen Jahrzehnte zuvor.

Weil es da nichts zu beweisen gibt.

Und jeder, der sich nun herausgefordert fühlt, der soll bitte vorangehen und handeln. Zeig uns und der Welt, dass wir alle falsch liegen. Liefere die Fakten und Beweise, die eure Thesen untermauern. Zeig uns Bilder aus den Tunneln der Adrenochromfarmen, zeig uns aktuelle von dir persönlich gemachte Bilder der Reichsflugscheiben und Portale in die innere Welt.Veröffentliche die Geheimdokumente, zeig uns den Echsenmenschen. Spring vom Rand der flachen Welt und film dich dabei.

Wir leben in Zeiten der digitalen Revolution. Noch nie war es so einfach Bild- und Tonmaterial live nahezu überall auf der Welt zu übertragen.Aber diese werden vermutlich auch von der Elite gefiltert?
Dann beweis es, tapferer Aluhut.

Kronkorken der Schöpfung

Ich rege mich mal wieder über mein Lieblingsaufregerthema auf: Menschen.

Die Spezies, die nicht nur über den Planeten läuft, sondern auch fährt und sich in die Tiefen des Meeres wagt, Berge erklimmt und sich sogar bis in die Schwindel erregendsten Höhen begibt. Sogar auf dem Mond ist der Mensch bereits spaziert. Wir schicken Sonden ins All, haben einen PC in Form eines Telefons in der Tasche, mit dem wir überwiegend Fotos unseres Essens und unserer Visagen ins Internet hochladen.

Ja, technisch leisten wir viel. Wir bauen Autos, Fabriken, Kraftwerke. Wir verlängern unsere Leben durch immer mehr ausgefeilte, medizinische Verfahren und Medikamente. Wir optimieren, operieren und synthetisieren an uns rum. Wir spritzen uns die Falten aus dem Leib bis wir wie starre Ballontiere aussehen, Frauen lassen sich Plastikkissen in die Titten nähen, die Kerle pumpen ihre Muskeln mit Gewichten und Drogen auf. Wo der Pavian sein Weibchen mit seinem gewaltigen, strahlenden Arsch beeindruckt, müssen wir halt mit etwas Spachtelmasse und Fotofiltern nachhelfen.

Für seinen aufrechten Gang, seine Erfindungen und technischen Fortschritt feiert sich der Mensch als Krone der Schöpfung.

Wir haben uns die Erde zum Untertan gemacht. Flüsse begradigt, Staudämme gebaut, Wälder gerodet. Wir lassen Kinder Kleidung nähen und in Minen nach seltenen Erden schürfen, damit unsere Smartphoneakkus laufen. Wir pferchen Tiere ein, stopfen sie mit Powernahrung und Medikamente voll, damit wir jeden Tag billig und möglichst viel Fleisch auf dem Teller haben. Wir bestellen uns im Internet dumm und dusselig. Was wir nicht in uns reinfressen können, dass stellen wir uns halt ins Haus oder die Garage. Die Tonnen an Verpackung schmeißen wir dann weg – ABER HERRGOTTNOCHMAL WIR TRENNEN JA PFLICHTBEWUSST UNSEREN MÜLL! Und wir kaufen doch BIO! Und notfalls werden wir halt Veganer und dann richten wir den Planeten halt durch industriell hergestellte Fleischersatzprodukte hin, anstatt durch furzendes Rind. Weil einfach nur Möhre und Salat, das mag man ja auch nicht dauernd essen.

An jedem einzelnen von uns klebt das Blut von Vielen. Und jeder versucht auf seine Art, all das von sich fernzuhalten und rechtfertigt den nächsten Einkauf von Billigklamotten bei Primark, KIK oder abgepackter Massenpresswurst bei Aldi durch den kleinen Geldbeutel.

Ich nehme mich da übrigens nicht aus.

Und neuerdings heulen wir, wenn die Haare länger werden und wenn der Nagellack nicht mehr schön ist. Wir sollen Masken tragen und Abstand halten. Niemand kann mehr meine bis zur unkenntlichen Glätte entstellte Filterfresse auf Insta bewundern, wenn ich mir im Supermarkt eine Packung Klopapier erkämpft habe.Ja wer sind wir denn, dass wir uns nun so einschränken sollen? Wenigstens am Wochenende mal so richtig die Sau rauslassen, feiern und saufen, wo wir doch in der Woche so hart arbeiten, damit wir all die Dinge bezahlen können, die wir konsumieren und über die wir uns doch identifizieren?

Am Ende müssen wir uns noch auf uns selbst besinnen und mit unseren Familienmitgliedern auseinandersetzen. Wo wir doch lieber Bundesliga schauen oder in der Kneipe sitzen könnten. Wie wenig der moderne Mensch damit klar kommt, zeigen uns ja die Auswüchse bei den prominenteren Vertretern unserer Gattung und die darauffolgenden Demos auf den Straßen dieser „erwachten“ Lemminge.

Sei es nun die plötzlich fehlende Aufmerksamkeit oder was auch immer.

Auf diesen ganzen Verschwörungsmüll will ich an dieser Stelle aber gar nicht mehr detailliert eingehen, das sind ja mindestens 2 – 3 Beiträge einzeln für sich.

Letztendlich sind wir der Kronkorken der Schöpfung. Wir deckeln alles, was unsere Spezies irgendwie im egozentrischen Vorankommen bremst. Wir beuten aus bis es zu spät ist. Und regen uns dann noch darüber auf und suchen einen Schuldigen, anstelle von Lösungen.

Hoffnung geben mir die Menschen, die sich mit Herz, Vernunft und Logik dagegenstellen. Die friedlich und wissenschaftlich fundiert nach Lösungsansätzen suchen. Und auch die Menschen, die weiterhin für andere Menschen da sind. Die unterstützen, die helfen und die auch mal selbstlos etwas geben ohne einen Gegenwert einzufordern. Wir brauchen mehr von denen. Wir alle sollten versuchen uns auf wesentlicheres zu konzentrieren. Jeden Tag ein bisschen mehr.

Dann fällt es auch nicht mehr so schwer, wenn man in dieser dekadenten Überflussgesellschaft mal nicht etwas sofort bekommt. Und wer weiß? Vielleicht merkt man dann, dass man dies oder jenes am Ende gar nicht braucht.

Und das schont dann den Geldbeutel. Und die Umwelt.

Und das Nervenkostüm.