Bunt ist das Dasein und Granatenstark

Tinker aka Lovis und ich hatten heute ein Gespräch bezüglich Twitter. Sie fragte mich ob sie als Account mit guten 1.000 Followern wohl ein ff (Folgeempfehlung) für einen größeren Account (fünfstellige Followerzahl) geben könne, oder ob sich das nicht gehört.

Ich habe ihr darauf hin meine Erfahrungen damit erklärt. Das es Leute gibt, die das doof finden. Das sind dann aber nicht die empfohlenen Accounts selber, sondern diejenigen, die auf Accounts mit vielen Followerzahlen schimpfen. Abschließend hab ich gesagt, dass ich sowohl kleine als auch große Accounts empfehle. Mach wie du magst.

Es ist das altbekannte Problem mit den Schubladen. Große Accounts, kleine Accounts, viele Follower, wenige Follower. Es ist genau der selbe Trugschlusss wie mit den Bubbles. Es gibt hier wieder lediglich Kategorie A und Kategorie B Bewerter. Es ist halt so schön einfach in Bubbles und Schubladen zu unterteilen. Man fällt schnell sein Urteil und hat ebenso schnell wieder seine Ruhe im eigenen Weltbild.

Ich bin grundsätzlich der Meinung jeder soll machen wie er will, solange er anderen nicht willentlich oder bewusst damit schadet. Ich folge auf Twitter so vielen verschiedenen Menschen und werde von so vielen unterschiedlichen Menschen gefolgt. Ein User auf Twitter schrieb heute er kenne niemanden, der so bunt retweetet wie ich. Und das war eines der schönsten Komplimente.

Ich folge Sexworkerinnen, Sexshopbesitzern, Hassrappern, Punks, Metallern, Tätowieren, Anwälten, Bikern, Hetero-/Homo-/Transsexuellen, Kinkstern, Normalos , Emos, Freizügigen, nicht so freizügigen, Konservativen, Paradisvögeln, Schriftstellern, Comedians, Depressiven, Träumern, Büroangestellten, Arbeistlosen, Alleinerziehenden, Patchworkern, Moslems, Christen, Juden, Atheisten, Satanisten, Spaßmachern, Selbständigen, Reichen, Armen… die Liste lässt sich beliebig fortsetzen.

Jeder von diesen Menschen ist eine Bereicherung. Und jeder von ihnen hat das Recht so zu sein wie er/sie/es ist. Und jeder einzelne ist eine Chance sich selbst zu reflektieren und neue Perspektiven zu gewinnen. Man kommt miteinander in Kontakt und unabhängig von der Hautfarbe, dem Geschlecht, der sexuellen Ausrichtung oder dem Glauben ist da ein Mensch mit dem man interagiert. Und mit dem man Gemeinsamkeiten, neues oder auch Dinge entdeckt, die einem nicht zusagen. Je nach deer Gewichtung kommt man halt miteinander klar oder nicht.

Bei Tinker und mir ist es so, dass wir recht früh in unserer Beziehung lediglich drei Leitwörter für uns gefunden haben: Achtung, Liebe und Respekt. Ein viertes Wort ist dazu gekommen: Würde.

Mit diesen vier Wörtern als Leitsätze lebt es sich vielleicht nicht zu jeder Zeit in jeder Gelegenheit einfach, aber es fühlt sich zumindest für uns richtig an. Wobei ich dazu sagen muss, dass wir keine klischeehaften Ökoterroristen sind, die mit Tambourin und Matetee den Weltfrieden predigen. Wir stehen durchaus mit den Füssen auf der Erde.

Im Folgenden möchte ich nur aus meiner Sicht sprechen, vielleicht hat Tinker mal Zeit und Lust in einem eigenen Beitrag ihre Sicht der Dinge beizusteuern.

Ich bemühe mich immer erstmal jedem mit Achtung und Respekt gegenüber zu treten und seine Würde zu wahren. Sollte das Gegenüber aber anfangen an mein Bein zu pinkeln werde ich dies nicht stillschweigend akzeptieren.

Und mir ist auch durchaus bewusst, dass ich auf Twitter immer wieder ambivalente Gefühle auslöse. Mir wurde im Laufe der Zeit alles mögliche vorgeworfen. Ich war Frauenfeind, Hetzer, Spinner, linksgrünversifft, Sifftwitter, Schmunzeltwitter blablabla. Auch im echten Leben ecke ich natürlich an. Fast jeder tut das. Und ich reagiere halt auch auf meine Art darauf.

Dennoch habe ich das Gefühl, dass ich mit ziemlich vielen verschiedenen und unterschiedlichen Persönlichkeiten klarkomme. Und so ist es auf Twitter, im Job und privat. Auch in letzteren Bereichen ist mein (bzw unser) Umfeld bunt gemischt vom Politiker bis zum Arbeitslosen. Vom konservativen Familienmenschen bis zu Mitgliedern von Biker-Clubs.

Meine Frau steckt über beide Ohren im Job, im Katzvendskalender der Nordstadtkatzen und bei den Nordstatdkatzen selber. Ich habe Hochachtung vor dieser Leistung. Ich nehme mir ein Beispiel an ihr. Sie setzt sich für unsere Tiere ein, sie setzt sich in ihrem Job für die (Benachteiligten) Schützlinge ein und dann sind da ja noch das Haus, unsere eigenen Tiere, und unsere Kinder. Und es funktioniert. Ich unterstütze sie hier nach allen Möglichkeiten und habe doch das Gefühl dieses Level erreiche ich nicht. Aber ich probiere es weiter.

Wenn wir durch die Stadt gehen kennt sie gefühlt jeder. Sie begrüsst Politiker, Künstler, Kollegen, Freunde, aber auch die alte Frau von der Ecke und Obdachlose, die ihre Asphaltzeitungen verkaufen auf die selbe Art. Sie tritt jedem Menschen mit der selben, herzlichen Offenheit gegenüber. Jeder hat die gleiche Chance, unabhängig davon, wer oder was er/sie/es ist. Und in dieser Konsequenz ist das keine Selbstverständlichkeit.

Während meines Burnouts und der ersten großen depressiven Phase habe ich mit meinem Therapeuten über mögliche Inseln gesprochen. Diese „Inseln“ sollten es mir erleichtern, mich zurechtzufinden und Aspekte meiner Persönlichkeit auszuleben, die ich aufgrund diverser Umstände nicht ausleben konnte. So fand ich Twitter wieder. Dort konnte ich schreiben, nachdenken, aber auch Quatsch machen und das in kleinen Häppchen zwischendurch.

Diese Möglichkeit und die gelebte Herzlichkeit meiner Frau haben dazu geführt, dass ich mir keine Gedanken um Schubladen und Zwänge gemacht habe. Für viele von Euch wahrscheinlich selbstverständlich, für viele andere von Euch aber auch undenkbar. Wie immer gehen die Meinungen zu allem weit auseinander und überhaupt. Twitter ist da sein ganz eigener Ort und doch lässt sich vieles auch nach aussen übertragen.

Es macht mich jedenfalls zufrieden, dass es so bunt und chaotisch ist. Ständig was neues. Und so ganz anders als die braune Scheiße der Nazis und Rassisten und die ewig währenden Verschwörungsmythen, die sich lediglich immer mal wieder ein neues Gewand überstreifen.

Alles verändert sich ständig, entwickelt sich weiter. Meine Hoffnung liegt in einem bunten Miteinander, wo die ewig Gestrigen nur noch eine braune Bremsspur im Porzellan sind, die beständig weggespült wird. Mit diesem ästhetischen Bild möchte ich den Beitrag an dieser Stelle dann auch schließen.

Lasst doch nen Daumen nach oben da und abonniert meinen Ka..ach ne, dass war ja irgendwo anders.

Hier könnt ihr mir aber zumindest eure Meinung schreiben. Oder auch auf Twitter. Bis zum nächsten mal, ihr Eumel.

Kurz mal zwischendurch

Jetzt, da wir uns inmitten des letzten Quartals dieses völlig bekloppten Jahres befinden, juckt es mir mal wieder in den Fingern.

In der Welt passieren dieses Jahr wirklich enorm viele verrückte Dinge. Corona, Lockdown, Softlockdown, Homeschooling, Verschwörungsschwurbler / Aluhüte, jüngst die Anschläge in Frankreich und Österreich, sowie die US Präsidentschaftswahl mit einem gespaltenen, amerikanischen Volk. Irgendwie scheint nichts mehr einigermaßen rund zu laufen und ich persönlich habe das Gefühl, dass die Menschheit nicht nur immer mehr am Rad dreht, sondern dies auch in zunehmend schnellerer Geschwindigkeit.

Soziale Medien haben sich in den vergangenen Monaten immer schneller deutlich verändert. Instagram versucht sich die besten Features aus Snapchat und TikTok zusammen zu klauen, was ihnen anscheinend auch ganz gut gelingt. Facebook ist überwiegend ein Kriegsschauplatz für alle möglichen Befindlichkeiten geworden.

Und auf Twitter gibt es mehr und mehr verhärtete Fronten. Zoff gab es dort ja schon immer, aber die Gräben werden tiefer. Über Monate hinweg bestalken sich User aller möglichen „Bubbles“ gegenseitig und versuchen sich das Leben schwer zu machen. Da werden Vermutungen aufgestellt, Fakebilder hochgeladen, es wird versucht möglichst viele Leute auf seine eigene, „richtige“ Seite zu ziehen.

Hier sehe ich im Verhalten durchaus Parallelen zum US Wahlkampf oder den Aluhutschwurblern. Wie im Kleinen, so im Großen. Dabei gibt es keine „Bubbles“. Es gibt auch kein „Schmunzeltwitter“ oder „Hurentwitter“ oderoderoder.

Das alles sind nicht genau definierbare Schubladen. Kategorien, um Menschen in bestimmte Bereiche einzuordnen und Sippenhaft zu betreiben.

Innerhalb der „Bubbles“ gibt es etliche Überschneidungen von Usern, die sich untereinander folgen, obwohl sie per Definition ihrer „Bubbles“ genaugenommen gar nicht zueinander passen dürften.

Dieser Druck oder Zwang – oder wie immer man es auch nennen mag – der einen oder anderen Bubble anzugehören und dann alle anderen zu negieren und zu bekämpfen finde ich persönlich dumm und eindimensional. Wer so viel Energie in einen Kampf auf einem sozialen Netzwerk gegen Menschen steckt, die er meist nicht mal persönlich kennt, muss irgendein großes Problem mit sich selbst haben. Oder aber sehr viel Langeweile. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen, gegen ein selbst erschaffenes Feindbild.

„Jeder kann sich sein Twitter ja machen wie er/sie/es will.“

Das stimmt. Ich versuche es möglichst offen zu halten und wenig zu blocken. Manchmal lernt man einen Account erst nach einer Weile richtig zu lesen und merkt, so verkehrt ist er/sie/es gar nicht.

Mauern zu bauen bzw in diesem Fall zu blocken ist für mich der allerletzte Schritt. Es ist letztendlich auch nichts anderes, als eine digitale Mauer zu bauen und jemanden auszusperren. Und wenn man dies tut sollte man es damit auch gut sein lassen. Blocken und dann rumlästern und hetzen und dem anderen die Möglichkeit zu nehmen Stellung zu beziehen ist feige und kindisch. Aber auch das kommt ja immer wieder zur Genüge an allen möglichen Stellen vor.

Ab davon durfte ich aber eine ganze Reihe Menschen von Twitter in den letzten Monaten besser kennen lernen, zum Teil sogar persönlich, was ich mir bis dato gar nicht vorstellen konnte. Und es war durchweg positiv. Hier bekam die Bezeichnung „soziales Netzwerk“ wieder seinen eigentlichen Wortsinn zurück.

Wenn ihr diesen Beitrag hier lest möchte ich euch zu etwas mehr Offenheit und auch Gelassenheit ermuntern. Im Umgang miteinander, egal ob im Real Life, auf Twitter oder sonst wo. Selbstverständlich gelingt das nicht immer, da nehme ich mich auch nicht aus.

Es muss ja auch nicht die 180 Grad Wende sein, nur hier und da einfach mal etwas anders machen, kleine Schritte gehen. Einmal mehr nachdenken und auch die eigene Meinung zu hinterfragen dauert oft nur einen Augenblick und tut nicht weh. Möglicherweise ist es sogar eine Chance eine neue, gute Erfahrung zu machen.

Nun, eigentlich sollte dieser Beitrag in eine ganz andere und auch persönlichere Richtung gehen. Und eigentlich sollte man das Wort eigentlich nicht allzu oft benutzen.

Scheint also noch nicht der richtige Zeitpunkt dafür zu sein und muss dann in einem der nächsten Beiträge abgehandelt werden.

Bis dahin bleibt gesund und passt auf Euch auf, ihr Eumel.