Chaotify Jahresrückblick 2022

In 9 Tagen ist Weihnachten, in 2,5 Wochen das Jahr zu Ende. Und ich fühle nix. Keine Weihnachtsstimmung, keine Vorfreude. Ich war zweimal auf dem Weihnachtsmarkt, einmal mit der Tochter, einmal mit Kollegen. Ist es das Alter? Ist es die Weltlage? Keine Ahnung. In einer Welt wo maßgeblich so viel Kacke am Dampfen ist wünsche ich mir einfach mehr Ruhe für alle.

Dieses Jahr war – so wie auch schon das Jahr davor und das Jahr davor – hart.

Beruflich ist Chaos, bei den Nordstadtkatzen hatten wir viele Rückschläge zu verkraften und auch privat war es immer wieder turbulent.

Es kam die Diagnose einer seltenen genetischen Erkrankung bei meiner Frau, gesundheitliche Probleme bei K2 und schulische Probleme bei K3, die bisher immer in ihrer Spur gelaufen war.

K1, der Älteste, hat sich mittlerweile sehr rar gemacht und ist mehr bei seiner leiblichen Mutter, als bei uns. Er hat dort eine Etage für sich mit riesigem Zimmer, Fernseher, Konsole Wohn- und Schlafbereich. Dinge, die ich/wir ihm so nicht bieten können. Ich kann es verstehen. Es tut trotzdem weh, als Vater, der in der Vergangenheit mehr Verantwortung für ihn getragen hat und im eng mit ihm verbandelt war, nun nicht mehr diese Rolle zu spielen. Ich versuch mir einzureden, dass alles okay ist, solange es ihm gut geht. Meine eigenen Gefühle und mein Ego ausblenden kann ich aber nicht ganz.

Hinzu kamen zu den üblichen Alltäglichkeiten 3-mal Waschmaschinen aus dem Keller raus und 3-mal neue wieder reintragen, weil sie ständig kaputtgegangen sind. Immer derselbe Fehler, jedes mal 1 Austausch. Wir haben nun das Fabrikat gewechselt in der Hoffnung, dass an der Stelle Ruhe reinkommt.

Dann war schon wieder mal das Auto von Lovis kaputt und dann meins. Auch das wird ein alljährliches Ritual. Bei ihr war es was Größeres, bei mir wenigstens diesmal eine Kleinigkeit.

Nebenher hatte dann ja mein Vater noch einen Schlaganfall, mit meiner Mutter war ich in Hannover, weil auch bei ihr ein paar Sachen nicht in Ordnung sind. Ihre medizinische Reise ist auch noch nicht beendet.

Die Mutter meines besten Freundes starb unerwartet. Seitdem zieht er sich zurück, ich habe das Gefühl nicht mehr an ihn ranzukommen. Wir sind seit 38 Jahren beste Freunde und ich weiß, dass er in negativen Phasen diesen Rückzug braucht. Allerdings sind es nun 6 Monate mit einer kurzen Nachricht hier oder da und ansonsten nichts. Schade.

Es gab den Streit mit diesem einen Nachbarn, dessen Frau alle Tiere hasst, man aber scheinbar insbesondere mit uns auch ein Problem hat. Er ist so typisch konservativ deutsch, die Doppelmoral trieft aus jeder Pore. Nach außen der feine Christdemokrat und hinter verschlossener Tür wird rumgeschrien und rumgemeckert. Es kam nicht nur einmal vor, das wir Besuch hatten und irritierte Blicke ernteten, wenn er sich mal wieder lautstark über Nichtigkeiten aufregte. So kann man sich auch bekannt machen. Nach der letzten Eskalation sprechen sie nicht mehr mit uns und das ist sehr angenehm. Es wird wieder schön, wenn er im Sommer in den Urlaub fährt und unsere komplette Häuserreihe aufatmet und alle die Liegestühle rausholen. Es ist wirklich so, die Nachbarschaft atmet merkbar auf, wenn er mal weg ist.

Zu guter Letzt hatten wir dann ja die Küche unter Wasser, weil eines der Ablaufrohre zu war und in Folge dessen ein paar Tage nichts ging, bis auf die Toilette (zum Glück) und das Kaltwasserwaschbecken im Gästeklo.

Ich wollte dieses Jahr neben den Illustrationen für redbubble und die #nordstadkatzen auch Richtung Musik wieder etwas durchstarten. Dieses Jahr wurde es nichts, denn neben den ganzen gewohnten Widrigkeiten, kamen ja auch noch die ganz regulären, alltäglichen Dinge hinzu.

Der Wecker klingelt ab 5 und Feierabend ist abends gegen 20 Uhr. Dann war ich im Schnitt 9 Stunden für den Job unterwegs, bin mit den Hunden gegangen, habe die allzu schweren Sachen für Lovis rausgebracht oder reingeholt, Altpapier geschnitten und gestapelt (fällt bei den #nordstadtkatzen deutlich mehr an, als in einem üblichen Haushalt) oder einkaufen, wir haben die medizinische Versorgung gemacht. Dann essen wir was, besprechen das wichtigste des Tages, gehen schlafen.

An den Wochenenden haben wir Adoptanten zu Besuch oder machen halt all die Dinge im Haushalt, die während der Woche liegen bleiben. Zusätzlich steht demnächst eine Frischzellenkur für K2’s Zimmer an, da er mittlerweile ein Teenager ist und sich auch dementsprechend einrichten möchte.

Es ist kaum Platz dafür sich mit anderen Themen konzentriert auseinander zu setzen. Was bleibt, ist eine Runde Angry Birds oder Candy Crush zwischen zwei Aufgaben, etwas Anderes anzufangen lohnt schlichtweg nicht und muss auf einen der seltenen Tage ganz ohne Termine warten.

Wir werden öfter mal gefragt, wie wir das schaffen. Weiter oben lest ihr es. Zumindest meine Seite. Bei Lovis sieht der Tag anders, aber mindestens genau so voll und anstrengend aus.

Es schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Das eine will dies so weitermachen. Das andere will auch mal wieder andere Dinge regelmäßig mit der dafür angemessenen Zeit tun.

Und auch neben all dem was getan werden muss und all dem was getan werden will sollte auch einfach mal überhaupt gar nichts getan werden können sollen. Versteht ihr?

Gestern hatte meine Frau einen beschissenen Tag, musste sich mit einem Menschen auseinandersetzen, der in empathielosigkeit von Empathie faselte und komplett an ihr vorbeigeredet hat. Das ist nichts, was ich an dieser Stelle detaillierter erzählen werde, aber ich finde diese Situation schon symptomatisch für diese Zeiten.

Viele Menschen in leitenden Positionen versuchen andere in ihr Weltbild zu pressen und wenn das nicht sofort passt oder sich passend machen lässt wird es ohne weiteres Reflektieren abgetan, abgebrochen, weggewischt.

Und irgendwie schließ sich hier der Kreis zum Anfang meines Textes.

Wir waren dieses Jahr stark damit beschäftigt trotz aller Widrigkeiten, der oben beschriebenen Probleme und Sorgen und Nöte, irgendwie alles normal am Laufen zu halten.

Währenddessen in der Welt:

Im Iran werden junge Menschen für ihren Wunsch nach einem Leben in Freiheit von alten Männern ermordet.

In Russland hat ein alter Mann Anfang des Jahres beschlossen einen Angriffskrieg auf die Ukraine zu starten und viele Menschen ins Elend und Teile der Welt ins Chaos zu stürzen.

In Deutschland wachsen die Gruppierungen der Reichsbürger und Faschisten.

Jugendliche, die sich auf die Straße kleben oder mit Suppe werfen, werden Terroristen genannt.

Menschen sprechen anderen Menschen das Recht ab sich so zu fühlen, wie sie sich fühlen und zu sein wer sie sind und schlagen sich im Internet die Köpfe deswegen ein.

Die WM findet in einem Land statt, dass sich ebendiese mit Geld und Menschenleben erkauft hat.

Korruption in der EU Regierung.

Pakistan mit seiner Flutkatastrophe.

Afghanistan und das große Versagen, dass die Taliban wieder an die Macht brachte. Auch hier herrschen wieder alte, „religiöse“ Männer und unterdrücken Frauen und Mädchen.

Auch dieses Jahr hat es wieder im Regenwald gebrannt, und zwar wieder einmal schlimmer als die Jahre davor.

Medikamente werden knapp, Medizinisches Personal und Pflege sind am Limit.

Die Liste lässt sich fortsetzen.

Trotz dieser ganzen Katastrophen versuchen die Menschen mehr oder weniger normal weiter zu machen, sofern sie die Möglichkeit dazu haben.

Einige müssen sich gar keine Gedanken machen. Sie haben genug Geld um ihre Energierechnungen zu bezahlen, einen großen Weihnachtsbaum und viele wertvolle Geschenke zu kaufen.

Sie werden Ihre Häuser normal heizen. Den Kühlschrank voll und ein weiches Bett haben. Manche von denen sind sich ihrer Privilegien bewusst, andere nicht.

Für all die, die jedoch ums pure Überleben kämpfen spielt das keine Rolle. Die wären wiederum wahrscheinlich froh, wenn sie meine Sorgen hätten. Auch ich und wir sind immer noch wahnsinnig privilegiert.

Ich will hier aber gar keinen Moralischen von machen. Das Leben ist nicht fair. Es gibt keine Sternchen für besonders gutes Betragen. Du wirst irgendwo in einen Teil dieser Welt geboren und musst mit den dort herrschenden Umständen klarkommen. Dabei hilft dir wiederum die gesellschaftliche Position deiner Familie, oder eben auch nicht.

Nicht jeder hat die gleichen Chancen auf ein Leben mit Wohlstand, Bildung Kultur.

Die, die viel haben, könnten allerdings denen helfen, die nicht so viel haben. Stattdessen beuten die, die viel haben, diejenigen, die wenig haben aber noch weiter für den eigenen Wohlstand aus (nein, natürlich nicht ALLE).

Während eine Holocaustleugnerin über 90 Jahre alt und von Rechten als Heldin verehrt wird, ermorden iranische Mullahs junge Mädchen und Jungen, die nichts weiter wollen als das, was wir hier bereits haben: die Möglichkeit selbstbestimmt zu leben, zu lachen, zu tanzen, zu lieben.  

Einen auf Besinnlichkeit zu machen kommt mir da mittlerweile heuchlerisch vor.

Nein, ich kann mir nicht das Elend der Welt aufladen. Aber verdrängen und ignorieren kann ich es auch nicht.

Ich wünschte mir etwas mehr Gleichgewicht. Ich wünschte, die Wohlhabenden würden den Ärmeren stärker unter die Arme greifen, solange bis diese selber aus eigener Kraft einen Wohlstand halten können. Allen ginge es gut und alle wären glücklich in diesem WiWaWunderland namens Erde.  

Mir ist aber auch klar, dass dies ein frommer Wunsch bleiben wird.

Vielleicht für ein Weihnachtswunder.

Schönen vierten Advent!

1 Blog, some Facts / ein wenig Realtalk

Ja ist es denn die Möglichkeit, ich schreib auch mal wieder was.

Hab gerade zufällig einen Tweet gelesen, wo jemand sehr traurig und verzweifelt ist, weil eine langjährige Beziehung zu Ende gegangen ist. Dazu möchte ich mal im allgemeinen meinen Senf geben, aus eigener Erfahrung. Natürlich ist meine Situation nicht zwangsläufig vergleichbar mit der Situation der betreffenden Person oder einer anderen, aber hey, so sind wir Menschen.

Wir sehen oder lesen etwas und fühlen uns durch eigene Erfahrungen in dem Bereich in irgendeiner Weise mit der Situation verbunden.

Vielleicht hilft dieser Text auch Personen in einer ähnlichen Lage ein bisschen, das wäre dann ja auch schon was.

Ich war knapp 12 Jahre mit einer Frau liiert, mit der ich mir ein Leben aufgebaut hatte. Wir sind recht jung zusammengekommen, waren nicht die Discogänger und recht sparsam. Wir wohnten zunächst in einer kleinen Einliegerwohnung bei ihren Eltern, zogen dann in die nächstgrößere Stadt und wohnten dort für ein paar Jahre zur Miete. Dann Heirat mit großem Tamtam und allem Pipapo, weil man heiratet ja nur einmal im Leben und scheiß drauf, was kostet die Welt? Mit einem gut angesparten Eigenkapital begaben wir uns auf Haussuche, kauften eins, bauten es um und renovierten es und pflanzten einen Baum im Garten. Wie man das halt so macht.

Wenig später wurde sie schwanger. Freudvolle Gedanken an Schwangerschaftskurse, Friede, Freude, Eierkuchen, spazieren gehen mit dem Kinderwagen.

Die Realität: Meine damalige Frau entwickelte eine Zwangsstörung mit Wasch- und Reinlichkeitszwang, erlitt während der Schwangerschaft eine Blutvergiftung und wir mussten zu mehreren Untersuchungen aufgrund fehlenden Fruchtwassers und es zeichnete sich ab, dass unser Kind einen „verbogenen“ Fuß im Mutterleib hat.

Ich will an dieser Stelle nicht näher auf die Details eingehen, aber es war eine unfassbar schwere Zeit. Sowohl psychisch als physisch. Es gingen etliche Waschmaschinen und Trockner in kurzer Zeit drauf, weil sie nahezu ununterbrochen liefen, alles musste zigtausendmal gewaschen, gewischt und geputzt werden. Wer selbst mit so etwas noch nicht konfrontiert war, der kann sich oftmals nicht vorstellen was das bedeutet. Menschen unter Zwangsstörung wissen, dass ihre Handlungen unlogisch sind, können diesem Druck aber nicht standhalten.

Bei der Geburt bekam sie eine Nesselsucht und unser Sohn wurde mit einem Hakenfuß geboren. Dies wiederum bedeutete nach der Entlassung aus dem Krankenhaus direkt nach Hannover in die nächste Klinik zum gipsen und bandagieren, um Bein und Fuß des kleinen zu richten.

Es folgten Therapien, Mutter-Kind-Kur, auf und abs, Erfolge und Rückschläge. Der Fuß des Sohnes konnte glücklicherweise gerichtet werden. Für meine damalige Frau war ein Heilungserfolg leider nicht so schnell greifbar. Es wurden Medikamente probiert und abgesetzt, weitere Therapien begonnen und beendet, selbst an einer Studie an einer med. Hochschule haben wir teilgenommen. Aufgrund ihrer Zwänge musste ich in der ersten Zeit das Füttern und wickeln, ja die Versorgung des kleinen komplett übernehmen und bekam Unterstützung durch die Schwiegereltern, da auch der Zeitpunkt anstand, an dem ich wieder arbeiten gehen musste.

Ungefähr 4 Jahre ging es so weiter. 4 Jahre in denen meine damalige Frau so oft die Sorge äußerte, dass ich sie verlassen würde aufgrund des ganzen Stresses und ihrer Krankheit.

„Du verlässt mich doch nicht? Ich brauche dich doch!“ Einen Satz, den ich mindestens 2 – 3 mal die Woche abends im Bett hörte.

Als sie wieder zu arbeiten anfing besserte sich die Situation. Auch die korrekten Medikamente und die richtige Dosis wurde gefunden, die ihr den Druck und die Angst hinsichtlich der Zwänge nahmen. Es ging endlich wieder bergauf. Eine junge neue Kollegin ermutigte sie, doch am Wochenende mal mit rauszukommen, ein bisschen feiern.

Ich ermutigte sie ebenfalls. Ich war erleichtert, dass sich endlich Änderung einstellte.

Und die Änderungen stellten sich rapide ein. Auch hier möchte ich nicht näher ins Detail gehen, letztendlich endete aber unsere Beziehung an einem Morgen, nur kurze Zeit, nachdem sie das letzte Mal ihre Sorge geäußert hatte, ich könne sie verlassen.

„Ich liebe dich nicht mehr. Ich will andere Männer kennen lernen, ein eigenständiges Leben führen. Ich will nicht immer Dankbar sein müssen. Nicht immer nur Hausfrau und Mutter sein. Ich will ausgehen und Spaß haben.“

Damals haben mich diese Worte wie Peitschenhiebe getroffen. Für mich brach mein Leben von einem auf den anderen Moment zu einem Trümmerhaufen zusammen. Es folgten noch ein paar wenige Gespräche, es folgte Stress innerhalb der Familie und mir wurden von außerhalb ein paar Dinge zugetragen, die mich noch mehr verletzten und einen anderen Blick auf Sie freigaben. Das war eine wirklich schmerzvolle Zeit. Es folgte die Trennung, ich reichte die Scheidung ein. Ich verlor meine Frau, mein Haus und mit finanzieller Sicherheit und Rücklagen war plötzlich auch Essig.

Ganz zu schweigen von dem unsäglichen Gefühlsmischmasch hinsichtlich unseres gemeinsamen Sohnes und allem was auch für ihn aus dieser Situation resultierte.

Aber: wenn du das jetzt gelesen hast kann ich dir versichern, dass es trotz allem wie es gelaufen ist das Beste war, was mir passieren konnte. Nur weiß man so etwas immer erst im Nachhinein und hat währenddessen immer Argumente parat, warum es gerade bei einem selber den Weltuntergang bedeutet. Bedeutet es nicht.

Ich habe in diesen schwierigen Zeiten nach der Trennung eine neue Frau kennen gelernt. Ich habe nächtelang mit ihr geredet. Sie hat mir zugehört, sie hat mich aufgefangen. Sie war immer da als es mir schlecht ging und ist es auch heute noch. Die Beziehung zu ihr hat mich erkennen lassen, dass es auch anders geht und das die Beziehung zu meiner Exfrau im Prinzip zum scheitern verurteilt war. Wenn du allerdings lange mit jemandem zusammen bist werden unter Umständen auch Dinge für dich selbstverständlich, die es nicht sein sollten. Dinge und Umgangsformen, die nicht gut für dich sind, die du aber als „normal“ betrachtest, weil du es nicht anders gewohnt bist.

Meine Exfrau und ich haben nicht zueinander gepasst und im Nachhinein betrachtet ist es fast schon ein Wunder, dass wir eine so lange Zeit miteinander verbracht haben.

Wer von Twitter hier ist, der kennt Tinker/Lovis höchstwahrscheinlich auch. Wir sind nun 10 Jahre zusammen. 7 davon sind wir verheiratet. Nicht einen Tag davon möchte ich missen.

Sie ist nicht nur meine Frau, sie ist auch meine beste Freundin. Ich freue mich immer noch jeden Tag aufs nach Hause kommen und genieße die Zeit mit ihr. Sie hat 2 Kinder mit in die Beziehung gebracht, die nun auch meine Kinder sind und mich zum dreifachen Vater haben werden lassen.

Sie lässt mich sein wie ich bin und die Dinge machen, die ich machen will, auch wenn sie dabei manchmal seufzend mit dem Kopf schüttelt.

Und wir machen gemeinsam unser Ding. Mein Leben vor unserer gemeinsamen Zeit war ein anderes – ein mir mittlerweile völlig fremdes. Es ist gut und richtig wo ich jetzt bin und mit wem ich jetzt bin. Mit einer Familie die ich liebe und die mich liebt. Und mit einer Frau und Freundin mit der ich ein wahnsinnig spannendes und intensives Leben verbringe, in dem wir 1000 Sachen ausprobieren, improvisieren, Blödsinn machen, unsere Kreativität ausleben und kleine Katzen gesund pflegen.

Und mit der ich mich gemeinsam gegen Widrigkeiten stemme, Stolpersteine wegkicke und Erfolge mit einem Gyros feiere.

Und wenn du das gelesen hast, während du selber gerade in einer Trennungsphase bist möchte ich dir mitgeben, dass – auch wenn es gerade im Moment alles ganz anders scheint und all das, was hier steht so gar nicht auf deine Situation passt – so eine Trennung auch Chancen birgt. Und du in einer Woche, einem Monat oder einem Jahr möglicherweise feststellst, dass es vielleicht doch ein bisschen auf deine Situation gepasst hat.

Nun

Nachfolgend ein Beitrag meiner Frau Lovis:

Nun, mal wieder viel zu viele Gedanken in meinem Kopf, die ich gar nicht in der Lage bin, alle aufzuschreiben, viel zu schnell geht es hin und her.

Ich versuche es etwas zu ordnen, deshalb hilft es mir, es aufzuschreiben.

Es geht gar nicht darum, dass dies jemand anders liest, es muss nur irgendwie raus in die Welt.

Vielleicht ist es auch ein bisschen Mimimi…

Ich erzähle ja öffentlich, dass ich zur Therapie gehe… Auch ein bisschen was Neues für mich, aber letztlich ja glücklicherweise nichts ungewöhnliches mehr und längst nicht so ein Tabuthema, wie es mal war.

Die Therapeutin ist im Bereich der Tiefenpsychologie tätig und ich komme relativ gut inzwischen mit ihr aus.

Vor gar nicht allzu langer Zeit hat sich mich gefragt, wie ich mich beschreiben würde, wenn ich ne Kontaktanzeige aufgeben würde.

Es fiel mir sooooo schwer, mich dazu äußern, aber sie war minutenlang geduldig.

Ich hab mich für „chaotisch-kreative Idealistin“ entschieden, so richtig mehr ist mir nicht eingefallen.

Ob mein Mann mich auch so schwer beschreiben könne, hat sie mich gefragt. „Nein, dem fallen bestimmt 20 Dinge sofort ein“.

So ist es auch, ihm würden zig Beschreibungen einfallen, die sich aber für mich alle nicht richtig anfühlen, das habe ich auch so gesagt. Sie machen mir etwas Unbehagen, ich rutsche dann auf dem Stuhl hin und her und … nun ja.

„Und ihr Mann kennt sie doch jetzt seit x Jahren am besten, nicht? Und sagen Sie nicht, dass Sie zwei auch Freunde sind und komplett offen miteinander umgehen, alles besprechen können und ehrlich miteinander sind?“ Na klar, dass konnte ich bejahen, das ist so.

Während ich mit meinem Exmann im Nachhinein betrachtet zu viel Zeit verbracht habe, bin ich jedes Mal froh, wenn seine Lordschaft durch die Tür kommt. Hat er etwas früher Feierabend, freue ich mich, dass wir uns sehen. „Aha! Und meinen Sie dann, er könnte nicht recht haben mit dem, was er über sie sagt?“
Alter, der war fies…

„Oder spielen Sie ihm was vor?“

Nein, natürlich nicht. Vor niemandem habe ich mich je so offengelegt, wie vor ihm und das ganz bewusst von Anfang an. Auch meine absurden, traurigen, schamvollen Gedanken teile ich mit ihm, die, die meine eigene Schuld betreffen, meine Fehler, aber auch meine Wünsche und Hoffnungen. Zu niemandem habe ich solch ein Vertrauen, wie zu ihm. Er ist mein Partner, mein Gefährte, mein bester Freund und jemand, der so tief an mich und meine Seele, meine Ideale und mein Sein glaubt, wie ich es selbst gar nicht kann.

„Was ist denn wahrscheinlicher? Dass Sie sich mit ihrer Selbsteinschätzung irren, oder er?“

Pfffffffffffft, Touché, Frau Therapeutin.

Ich fand das ein bisschen gemein und hab ihr das auch gesagt, aber mit ‘nem Zwinkern.

Sie hat da schon recht, mein Bild über mich ist recht undifferenziert und möglicherweise aus Gründen auch geprägt von Überlebensstrategien und Glaubenssätzen.

Ich habe ein Tattoo, sagen wir mal, „gewonnen“.

Ich darf mir das Motiv aussuchen, gleich was es ist, unabhängig von der Größe, Stelle und überhaupt… Ich habe freie Hand, muss nicht auf die Kosten achten.

An meiner Fessel habe ich drei Worte stehen: Achtung, Liebe, Respekt, meine Grundfesten also, mit denen ich anderen gegenübertreten möchte, im wahrsten Sinne des Wortes.
Es hat mich Überzeugungskraft gekostet, die Tätowiererin davon zu überzeugen, es nicht so zu stechen, dass es für andere Leute symmetrisch aussieht, sondern aus meiner Sicht. Sie war nicht der Meinung, dass mich das auf Dauer glücklich macht.

Letztlich bekam ich es so, wie ich es mir gewünscht hatte und bin so zufrieden damit.

In dem neuen Rahmen habe ich über weitere Worte nachgedacht, zwei standen sofort fest: Würde und Menschlichkeit. Auch sie prägen mein Handeln (hoffentlich) und ich möchte sie verewigt haben.

Ich hab darüber nachgedacht, was wohl zu dem vorhandenen passen würde…

Das andere Tattoo ist braun, nicht schwarz, das war mir zu auffällig, außerdem mag ich die Farbe nicht, sie hat so einen Blaustich.

Dezent soll es sein, unauffällig, da ich das ja nicht für andere tragen möchte, sondern für mich.

Aber es gibt noch so viele andere Dinge, die ich „eigentlich“ gerne hätte.

Und genau an diesem „eigentlich“ hänge ich noch…

Denn: Eigentlich möchte ein Teil von mir sich eben nicht mehr anpassen. Eigentlich mag ein Teil wieder Punk sein und wieder nen Iro haben.

Eigentlich mag ich Farbe. Eigentlich mag ich meinen Körper so tätowieren lassen, wie ich mag.

Eigentlich gibt es viele Menschen, die mit ihren Tattoos unsagbar schön aussehen.

Eigentlich mag ich mich meinen mir selbst aufgestellten moralischen Regeln und Beschränkungen nicht unterwerfen und wieder ein bisschen Fuwuwu werden.

Fuwuwu kann ich euch nicht näher erklären, es ist etwas besonderes zwischen seiner Lordschaft und mir, hat für uns mal eine dolle Bedeutung gehabt, uns aus unseren „alten Leben“ zu befreien und steht für etwas sehr persönliches… Es ist eine Art Mantra und gleichzeitig auch irgendwie für das, was wir noch erreichen möchten, sein wollen, für das, was unser persönliches großes Ziel für dieses Leben ist.

Manchmal sage ich „Och, das mache ich im nächsten Leben“, wenn etwas aufgrund der Umstände nicht möglich ist und es mir selbst aber wünsche…

„Im nächsten Leben werde ich einen Tanzkurs machen/ studieren/ die Stolperseine aus dem Weg räumen, die mich selbst in mir hindern, mich und mein Leben zumindest OK zu finden/ reisen, in die Politik gehen/ oder was auch immer“.

Und langsam wird mir bewusst, dass ich kein nächstes Leben haben werde.

Unabhängig nun mal von Religion, Glauben, Wiedergeburt und so, meine ich.

Denn selbst, wenn das so stimmen würde, wäre ja mein Bewusstsein dieses Lebens nicht existent…

Komische Gedanken, oder?

Darüber habe ich bereits in der Grundschule philosophiert… Wird bereits bei der Zeugung das einzigartige Bewusstsein vergeben? Also wenn ein anderes Spermium gewonnen hätte, würde mein Bewusstsein das dann merken, oder geht das gar nicht, weil es dann ja nicht besteht?! Meine Mutter hat mich mit großen Augen angeguckt…

Nun ja, also tobt in mir auch grad etwas der Kampf, was für ein Tattoo ich möchte.

Und das ist ein großer Kampf, denn es ist stellvertretend für diese Seiten in meinem Leben: Die, die ich bin und die, die ich sein mag.

Kann das grad nicht richtig ausdrücken, aber es hängt auch damit zusammen, wie ich mit mir zufrieden werden kann, was an Erziehung und Glaubenssätzen ich loslassen kann und mich mit mir und meiner Welt arrangieren kann.

Und da ich grad bei dem Thema bin: Autsch.

Gestern haben sich seine Lordschaft und ich ein paar Augenblicke gestohlen und sind in die Stadt gefahren.

Wir wollten ein bestimmtes Buch kaufen, haben es gefunden und mitgenommen, alles tutti.

Aber diese 50 Minuten Stadt haben mir wirklich einiges abverlangt, denn gesundheitlich wird’s grad ehrlich gesagt nicht besser, sondern eher schlimmer.

Auch das ist so ein Thema, was meinen Kopf hart f++++.

Ich habe aus Gründen gelernt, dass ich immer und immer und immer weitermachen muss, auf meinen Körper nicht zu hören habe und immer und immer stärker zu sein habe, als andere Menschen. Über Schwäche und Unzulänglichkeiten wird nicht gesprochen, nützt ja nichts, also Arschbacken zusammen kneifen und trotzdem machen.

Mein Körper ist grad wie ein billig-Akku: Ein, zwei kleine Dinge machen, dann braucht er schon wieder eine Ladestation.

Ich habe täglich Schmerzen, seit meiner Jugend schon. Es gibt keinen Tag, an dem ich schmerzfrei bin und habe aber ja für mich gelernt, dass dies normal ist, zumindest für mich.

Es ist nichts Besonderes, dass ich in bestimmten Positionen nicht sitzen kann, Kopf- und Gliederschmerzen habe, mir Kopfhaut, Arme, Beine, Oberschenkel und sogar Teile des Gesichts einschlafen, dass mir phasenweise die Haare ausfallen, ich auch nach drei Durchgängen in der Sauna noch eiskalte Füße und Finger habe und nicht schwitze. Mir ist eigentlich immer kalt. Also auch im Sommer bei 40 Grad. Da sitze ich gerne auf der Terrasse oder grade den Garten um oder betätige mich körperlich, das ist für mich das angenehmste Wetter, denn dann ist die Kälte nicht so schlimm.

Ich kann mir im Moment die Haare nicht kämmen, zu schnell schmerzen die Oberarme und ich habe keine Kraft mehr, bin aus der Puste alleine davon und brauche eine Pause.

Im Moment gibt es Tage, da ist rein körperlich das Lenkradhalten zu anstrengend…

Die Oberschenkel machen auch nicht mit. Gerade Strecken gehen noch, Treppensteigen oder Anstiege entleeren diesen blöden Akku zu schnell und ich brauchen eine Pause.

In der Stadt gestern war es zu anstrengend, die Hand seiner Lordschaft zu nehmen, wir mussten nach einigen Minuten die Seiten wechseln.

Inzwischen gehe ich solche Strecken kaum noch, es ist eher wie ein Wanken geworden.

Von dem schnellen, dynamischen Schritttempo ist nichts mehr da, eher ein „verdammt, wo kann ich keinen Kopf anlehnen und mich hinsetzen“… Beim Duschen zu stehen, bringt mich auch außer Atem.

Neulich im Krankenhaus bei Belastungs-EKG hab ich stolze 122 Sekunden Fahrradfahren können, ehe ich kurz vor einem heftigen Zusammenbruch war.

Ein Arzt stellte eine Mitochondriopathie fest, ein anderer zweifelt dies an.

Und nun weiß ich nicht weiter und überlege, wie lange ich noch ohne Hilfsmittel mich außerhalb des Hauses bewegen kann und hoffe hoffe hoffe, dass ich bald endlich alle Unterlagen bekommen kann, für den neuen Arzt. Der, der zuhört und mich ernst nimmt, der das alles nicht abtut mit „Psyche“… Zu dem hat mich die Therapeutin geschickt, denn auch sie glaubt nicht, dass dies psychisch ist.

Weder das wiederkehrende Fieber, noch die immer auffälligen Urinproben…

Tja, das ist grad etwas fordernd.

Und ich habe mich getraut, mit seiner Lordschaft darüber zu sprechen… Hab mich auch da nackig gemacht, was meine Kraft angeht. Und er war mal wieder toll!
Vielleicht erzählt er euch davon.

Aber erschrocken war er auch ein bisschen… glaube ich.

Und dann sind da noch die Schützlinge und das, was das alles so beinhaltet.

Das geht ehrlich gesagt einigermaßen gut, im Moment arbeite ich ja nicht und kann in mehreren Abschnitten Staubsaugen und mich zwischendurch hinsetzen, mich schlafen legen und mein eigenes Tempo machen.

Aber klar: Das alles kann ich auch nur, weil ich noch krankgeschrieben bin. Und, das ist mir wichtig zu betonten: Weil es Menschen gibt, die dies auch finanziell unterstützen.

Eigentlich hatten wir uns auf ein „besseres“ Jahr gefreut, mit mehr Hoffnungsträgern und wenigen Nordsternchen… Es kam wieder anders. Wie bitter! Also wirklich!

Um jedes einzelne Lebewesen trauern wir und ich bitte um Entschuldigung, dass ich es nicht geschafft hab, dieses Tier groß zu ziehen… Es ist jedes Mal ein persönliches Versagen…

Bereits bevor wir uns diesen Namen gegeben haben, waren wir im Tierschutz aktiv, irgendwie sind wir einfach dazu gekommen und da so reingestolpert.

Ich war im Vorstand eines Vereins, der sich um Hunde aus Spanien bemüht.

An vier verschiedenen Stadtorten in Spanien hatte der Verein Partner… Also in Spanien vor Ort tätige Menschen und private Organisationen, die die Tiere versuchen aus den Tötungsstationen zu holen, sie einfangen oder annehmen.

Dort gibt es keine Tierheime, wie wir sie hier kennen und der Umgang mit den Tieren, ihr Wert für die Gesellschaft ist einfach anders… Vielleicht eher so, wie bei uns zu Küken, die geschreddert werden.

Dort wird ein Hund (oder eine Katze) in der Perrera abgegeben. Sie haben bis zu 28 Tage Zeit, vermittelt oder freigekauft zu werden, danach werden sie getötet.

In einigen Städten hat sich dies schon geändert, dort gibt es Zufluchtsheime, Shelter.

Es ist auch etwas komplexer, als es hier klingen mag, davon kann ich bei Interesse mal erzählen.

Unser Hund 1 stammt direkt aus einer Tötung. Ein TSV kaufte 20 Tiere dort frei, 21 stiegen in dem Shelter aus dem Transporter. Er war Nummer 21.

Hund 2 war in Adra in einem Shelter und von dem Verein, wo ich später tätig war.

Dieses Sheltern waren 30 qm2 betonierter Hinterhof mit zwei Zwingern, unter freiem Himmel. Dort lebten etwa 15 Hunde. Freiwillige kamen und gaben Futter, sehr viel mehr war nicht möglich.

Der TSV hatte immer wieder Stress mit den „Adra-Mädels“, denn es gab immer mehr Notfälle, schwierige Fälle, immer schwieriger waren die Bedingungen.

Der TSV meinte, sie dürfen keine Tiere mehr aufnehmen.

Die Mädels taten es trotzdem, Stück für Stück. Wenn das Shelter voll war, fütterten sie auf der Straße, versorgten dort, behandelten und hofften auf einen freien Platz im Shelter.

Aber: Voll ist voll, sie wussten das.

Irgendwann hofften sie auf einen Platz für eine schwangere Hündin, sprachen mit dem TSV, baten diese Menschen in Deutschland sie dabei zu unterstützen, dass sie sie doch aufnehmen.

Der TSV blieb dabei: Nein war Nein.
Kurz und knapp: Es gab grausame Menschen dort.

Mutter und die ungeborenen Kinder wurden gemeuchelt.

Ich hab Bilder gesehen, die die Mädels geschickt haben, wie gingen schon sehr sehr tief.

Ein Jahr später etwa war ich mit dem TSV Vorort, habe alle Shelter besucht, die Tiere kennengelernt, mit den Menschen Kontakt aufgenommen, verstanden, geschaut, unterstützt.

Es ist sehr leicht zu sagen: Voll ist voll.

Es ist etwas anderes, das Leid und die Tiere zu spüren und zu erleben.

Von außen urteilt es sich so leicht…

Es gibt im Tierschutz nach meinem Empfinden kein schwarz-weiß.

Ich kenne viele Engagierte, die sagen: Ich kann nicht mehr aufnehmen, es im Notfall aber doch tun.

Natürlich doch tun.

Bei uns ist das ähnlich.

Ich weiß sehr genau, dass wir weniger Schützlinge haben müssen, die Umstände passen nicht gut für so viele.

Seine Lordschaft weiß das, das Internet weiß das, alle wissen es.

Trotzdem tun wir es.

Hätten wir eine imaginäre Zahl, wär Ruth nicht hier.

Wo wäre sie dann?

Höchstwahrscheinlich, nein, in diesem Fall sicher nicht mehr am Leben.

Merkt ihr was? Es ist nicht schwarz-weiß…

Und einfach schon gar nicht! Wirklich nicht! Kein Stück.

Grad, weil wir wissen, dass dies seeeeeeeeehr viel ist und wir selbst schon Grenzen überschreiten…

Doch …

Nunja…

Entweder, müssen wir einen Rahmen stecken, mit allen Konsequenzen und Unnachgiebigkeit zu uns und Anfragen, oder wir versuchen den Rahmen zu verändern….

Puh…

Erfahrungsgemäß sind Januar, Februar und noch bis in den März Monate, in denen die wenigsten Menschen die finanzielle Möglichkeit haben, zu unterstützen.

Geht uns ja nicht anders.

Aktuell ist dazu nicht genug Puffer da, einmal grade raus gesagt.

Habt ihr Ideen dazu?

Es gibt so unfassbar tolle Menschen, die uns wiederkehrend unterstützen (können) und das ist ganz ganz groß!

Es ist mir immer noch unangenehm um weitere Unterstützung zu bitten und ich wünsche mir, dass wir irgendwann an einen Punkt kommen, wo wir wieder alles alleine stemmen können und eben diese Menschen nicht mehr brauchen müssen…

Ich breche hier jetzt mal ab, da sind meine Gedanken zu schnell… Vielleicht besprechen wir das mal in nem Space?

Was ich aber unbedingt auch erwähnen möchte, sind die Erfüllung von privaten Wünschen.

Derzeit können wir wenig geben.

Derzeit sind unsere privaten Mittel begrenzt.

Ich schäme mich vor meinen Kindern deswegen oft und versuche, es sie nicht spüren zu lassen.

Ich müsste finanziell schnellstmöglich wieder arbeiten…

Und das sehe ich grad noch nicht.

Mein Krankengeld deckt nicht mal die Strom- und Gasrechnung…

Was ich damit sagen mag:
Danke!

Ich versuche, es wieder echt zu machen…

Wirklich!

Ich möchte nichts geschenkt, werde es wieder ausgleichen…

Danke für euch!

Danke für diese symbolische Geste und die Dinge!

Lovis

Ein gegähnter Rant

Ich bin müde. Müde von den Spinnern, die sich ihrer Freiheit beraubt fühlen. Müde von den Idioten die Wurmkuren für Pferde fressen aber Impfungen ablehnen.

Müde von denen, die auf alles scheißen, die Solidarität und unsere Demokratie mit Füßen treten und es achtlos in Kauf nehmen, dass Menschen sterben.

Die wissentlich dazu beitragen, dass die Intensivstationen immer voller werden.

Müde von einer Regierung die einen sauberen Vorzeigestart in dieser Pandemie hingelegt hat und uns nun die Clownsnase aufsetzt.

Die Nachrichten sind voll mit Wissenschaftlern, die von Anfang an gewarnt haben und die noch immer nicht ernst genommen werden.

Und so sehr ich verstehe wie wichtig für viele Karneval ist, umso fassungsloser haben mich diese Bilder gemacht. Da hilft auch kein 2G, 3G pipapo.

Wie Lemminge rennen wir sehenden Auges in den Abgrund und es gibt zig Idioten, die sich im freien Fall noch selber auf die Schulter klopfen und sich einen auf ihre egozentrische Engstirnigkeit runterholen.

Wir leben in einer Zeit, wo eine Linken – Politikerin von Rechten beklatscht wird, weil sie immer mehr Stuss redet und abdriftet. Wo eine mutmaßlich liberale, gelbe Partei im Endeffekt zu einem hässlichen, nur offen geldgeileren Zwilling der christlich demokratischen Union mutiert.

Nachdem letztes Jahr ein brennendes Affenhaus das böse Omen für viele weitere Monate voller Katastrophenmeldungen war, haben wir als Gesellschaft scheinbar nichts dazu gelernt.

Die Wälder haben gebrannt, die Dörfer und Städte sind abgesoffen. Die Anzahl der Covid Erkrankungen explodiert täglich in neue Rekordhöhen.

Und immer noch wird diskutiert und nicht gemacht. Und immer noch wird der Wirtschaft eine besondere Position zuteil. Wider aller vernünftigen Argumente werden viel zu lange Diskussionen geführt, Maßnahmen gelockert.

Wer jetzt noch nicht im Vorweihnachtsstress ist, wird es wohl bald sein. Der Black Friday und die Adventszeit stehen bald an. Weihnachtsmärkte, (Online)Shopping. Juhu!

Doch wird es dieses Jahr genug Leute geben, die andere Sorgen haben. Wie zum Beispiel die Bewohner des Ortes Rech an der Ahr. Stand jetzt wurden Wiederaufbauhilfen beantragt, aber noch nicht ausgezahlt. Im November. Der Hilfsantrag ist laut eines Berichts im Focus 48 Seiten lag. Mehr muss man über die schnelle, unbürokratische Hilfe in Deutschland dann auch nicht wissen.

RKI Chef Wieler hat es überdeutlich betont. Die kommenden Wochen und Monate werden hart, es werden weiter Menschen sterben. Viele Menschen.

Es werden Menschen während der Feiertage auf Intensivstationen liegen und auch sterben. Andere Menschen werden für diese Menschen dennoch alles geben, ÄrtzInnen, Krankenschwestern, PflegerInnen. Die seit Monaten am Anschlag sind. Die Situation spitzt sich zu und wird weiter von jenen „Freiheitskämpfern“ befeuert, die die Freiheit für die sie kämpfen nicht mal näher definieren können.

Manche von denen werden dann auch auf der Intensivstation liegen. Und von diesen ÄrztInnen und dem Pflegepersonal dennoch behandelt. Und manche dieser Schwurbler werden auch mit dem Leben bezahlen und ihre Angehörigen zurücklassen.

Wie viele gekaufte Geschenke werden wohl dieses Jahr nicht ausgepackt werden, weil keine schnellen Entscheidungen getroffen wurden? Oder die Sache immer noch nicht ernst genug genommen wurde?

Ich mag nicht darüber nachdenken.

Der Wirtschaft wird es egal sein. Hauptsache der Rubel rollt und die Wirtschaft hält den globalen Lieferengpässen irgendwie stand, nicht wahr?

Eigentlich mag ich nicht mal über die ganze Scheiße schreiben. Ich will dazu auch nichts mehr sehen oder lesen oder hören. Ignorieren hilft aber nicht. Wir schlagen uns fast zwei Jahre mit diesem Virus rum.

Das mit dem Klima ist hinlänglich bekannt, seit Jahrzehnten. So viel Zeit sollten wir uns mit dem Virus nicht nehmen.

Neben Pandemie und Klima werden wir uns mit deutlich steigenden Preisen auseinandersetzen müssen. Nicht nur beim Sprit, Strom und Gas.

Ich arbeite in einer Branche, die Roh- und Hilfsstoffe für zahlreiche Industriezweige zur Verfügung stellt. Auch hierfür sind wiederum Rohstoffe knapp. Hier wartet manch ein Lebensmittelhersteller oder Kosmetikproduzent auf sein Material ähnlich händeringend wie der Gamer auf seine PS5. Und Verknappung lässt die Preise explodieren.

Das alles wird sich bemerkbar auf Lebensmittel, Kosmetika, Medikamente ebenso auswirken, wie es das schon in der Elektronik- und Autobranche tut.

Das ist keine Schwarzmalerei. Nüchtern betrachtet sind es die Resultate unseres Wirkens und Verhalten als Gesellschaft. Als Konsumenten und Lieferanten, Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Vernünftige und Unvernünftige.

Vor Jahren schrieb ich auf einem anderen Blog schon mal über die Schere, den Graben, der sich in der Gesellschaft auftut. Damals war natürlich die Komponente mit dem Virus noch nicht abzusehen, dieser erwies sich aber nun als Brandbeschleuniger, wie man sieht. Viele Masken sind mittlerweile gefallen. Und es werden sicherlich noch einige fallen.

Auch wenn ich müde bin – ich mag die Hoffnung noch nicht aufgeben. Die stirbt ja bekanntlich zuletzt.

Bleibt gesund und passt auf Euch und Eure Mitmenschen auf.

Gestern war ein guter Tag. Der heutige kann noch gut werden.

Diesen Tweet habe ich heute Morgen abgesetzt. Warum war der gestrige Tag gut? Nun, meine Frau hatte an ihrem Wagen einen Platten. Das führte dazu, dass ich ungeplant und kurzfristig einen Tag frei nehmen musste, damit wir uns besser organisieren konnten.

Was aber oberflächlich betrachtet ein Ärgernis ist, dass Zeit und Geld kostet, war in Wirklichkeit ein kleines Geschenk, TROTZ des Ärgernisses. Vorweg möchte ich aber feststellen, dass ich nun nicht regelmäßig irgendwelche solcher „Geschenke“ benötige, gerade weil Urlaubstage und Geld knapp bemessene Güter bei uns sind.

Allerdings war ich abends von einer tiefen, inneren Ausgeglichenheit uns Zufriedenheit erfüllt, wie ich sie schon lange nicht mehr gefühlt hatte. Mein letzter Urlaub liegt gefühlte Ewigkeiten zurück.

Und gestern habe ich wieder mal gemerkt, wie sehr ich es genieße, wenn ich mir den Tag komplett frei gestalten kann. Ohne Terminbücher, ohne Outlook, ohne Deadlines und ohne Termindruck.

Es gibt Menschen, die benötigen feste Strukturen und Vorgaben was sie wie zu tun haben und wann sie es zu tun haben. Und es gibt Menschen wie mich, die das komplette Gegenteil davon sind.

Auch ich habe Rituale und gewisse Tagesabläufe. Und wie im aktuellen Fall geschehen musste auch die Reparatur zügig erfolgen, da meine Frau auf Mobilität angewiesen ist. Der ein oder andere von Euch weiß, wie es bei uns läuft und dass wir manchmal sehr spontan viel fahren müssen. Aber das ist ne Sache, die war halt für uns und bereitet mir überhaupt keine Probleme.

Meine Motivation ist an solchen Tagen, wo ich den Tag frei selber in die Hand nehmen kann, ohne mich anderen Kollegen, Kunden und Deadlines und Vorgängen „unterordnen“ zu müssen eine ganz andere, frischere. Ich nehme meinen Job ernst und mache ihn auch gewissenhaft und so gut ich kann.

Aber es ist halt ein Job. Das ist die Tätigkeit, die uns das Leben finanziert. Nicht meine Berufung. Und es ist ein guter Job. Allerdings bin ich nach einem Arbeitstag auch meist geistig erschöpft und habe die Schnauze voll. Ich mache dann all das, was noch ansteht gebremst und müde. Das bedauere ich.

Nein, mir geht es nicht allein so. Das ist mir bewusst. Ja, es gibt Menschen, denen geht es viel schlimmer und blablabla… Ich sehe das Leben aber nur durch meine Augen und fühle wie ich fühle. Und zum Glück ist das hier mein Blog, wo ich meine Gedanken aufschreibe. Bei Twitter als Thread veröffentlicht kann ich die ganzen Replys sofort vor meinem geistigen Auge lesen.

Aber Leid, Glück, Trauer, Freude, Emotionen generell lassen sich nicht vergleichen. Die werden von jedem ganz individuell empfunden und bewertet.

Ich weiche ab. Also zurück zum Thema:

Ich hätte gerne dieselbe Motivation an Arbeitstagen übrig wie gestern, an einem freien.  Wer aber in der Dienstleistung und mit Menschen arbeitet – gerade wo es immer recht zügig gehen soll – der weiß auch, dass das zehrt – auch nervlich. Menschen sind anstrengend. Menschen, die etwas wollen, sind besonders anstrengend. Und wenn es nicht so klappt, wie sie es wollen, sind sie einfach megaanstrengend.

Es ist ein Zwiespalt, den ich seit Jahren zu kitten versuche. Bei dem ich mir aber durch den Wunsch mein Leben absolut selbstbestimmt zu leben oftmals selber im Weg stehe. Seiner Arbeit nachzugehen ist das normalste von der Welt. Nicht jeder ist selbständig. Genug Arbeitnehmer sind zufrieden mit ihrem alltäglichen Törn und es gibt mit Sicherheit auch so manch Selbständige, die sich wieder in ein Arbeitsverhältnis zurückwünschen, wo sie nicht die ganze Verantwortung allein tragen müssen.

Mir macht jeder (außerfamiliäre) Kompromiss Druck und Stress. Genauso wie „etwas gesagt zu bekommen“ oder sich an „Vorgaben“ zu halten. Das ist ziemlich schwierig. Auch für andere. Es ist aber auch Vertrauensfrage. Hier gibt es meine Frau und meinen Bro. Die dürfen das. Andere eher nicht.

Niemand kann etwas dafür, dass ich im Inneren ständig darauf brenne alles nur so zu tun, wie ich es will und wann ich es will. Das ist mein Paket. Und da dieses Verlangen so extrem ist, hat es in der Vergangenheit schon einige gute Tage gekostet, weil ich mit diesem Verhalten meine Mitmenschen vergrätzt habe oder aufgrund meines Dickschädels dichtgemacht habe.

Mittlerweile konnte ich mich gut mit mir arrangieren. Ich kann meinen Job akzeptieren und auch akzeptieren, dass die Welt kein Wunschkonzert ist ohne jedes Mal in eine destruktive Antihaltung zu verfallen.

Bildlich gesprochen kann ich mittlerweile dieses innere Fegefeuer ganz gut kontrollieren und mir ist auch bewusst, dass es immer da sein wird. Und dass es gefährlich sein kann, wenn man es unbeaufsichtigt lässt. Weil es zu versauten/verbrannten Tagen führt. Es ist ein Teil von mir und das ist auch gut so.

Als integraler Bestandteil unserer Gesellschaft werde ich mich jedoch nie fühlen. Ich stehe immer ein Stück weit außen daneben. Und werde mich auch immer etwas fremd fühlen.

Mein Therapeut sagte es damals in etwa folgendermaßen:
Die Gesellschaft ist ein Fischschwarm und Sie sind einer dieser Fische, der nie mittendrin mitschwimmt, sondern immer etwas am Rand bleibt.

Viele Fische sehen nur die anderen um sich rum. Sie sind am Rand, entfernen sich ein Stück weit vom Schwarm, sehen sich um und sehen auch mal Sachen, die die anderen nicht sehen. Und schwimmen dann wieder ein Stück weit zurück.

Somit kommen wir zum Ende dieses Beitrags. Und zum zweiten Satz der Überschrift und des Tweets.

Der heutige (Tag) kann noch gut werden. Heute Morgen taten beim Aufstehen mal wieder die Knochen weh. Ich bin 41 und fühle mich manchmal wie 100. Sicherlich auch, weil diverse Stellen meines Körpers mittlerweile Baustellen sind. Ich habe mein Portemonnaie verschlampt und Panik deswegen geschoben. Kundschaft „bedienen“ stand auch wieder an. Das Portemonnaie hat meine Frau gefunden, da fiel dann so einiges an Stress ab. Und prompt dachte ich „Verdammt warum hast du dich schon wieder so verrückt gemacht“. Es liegt an mir ob der heutige Tag gut wird. Zumindest zu großen Teilen. Wenn plötzlich der übergroße Alienarsch kommt und unseren Planeten zukackt liegt es eher nicht in meiner Macht, dass der Tag weniger beschissen wird.

Egal. Schluss jetzt.

Wie sieht es bei Euch aus? Hinterfragt ihr Euch häufig und steuert ihr damit Eure Zufriedenheit? Fühlt ihr Euch als Teil der Gesellschaft oder auch eher wie jemand, der da nicht reingehört oder auch gar nicht reingehören will? Wer Bock hat schreibt mir was dazu. Ansonsten noch einen schönen Tag und so.

Bunt ist das Dasein und Granatenstark

Tinker aka Lovis und ich hatten heute ein Gespräch bezüglich Twitter. Sie fragte mich ob sie als Account mit guten 1.000 Followern wohl ein ff (Folgeempfehlung) für einen größeren Account (fünfstellige Followerzahl) geben könne, oder ob sich das nicht gehört.

Ich habe ihr darauf hin meine Erfahrungen damit erklärt. Das es Leute gibt, die das doof finden. Das sind dann aber nicht die empfohlenen Accounts selber, sondern diejenigen, die auf Accounts mit vielen Followerzahlen schimpfen. Abschließend hab ich gesagt, dass ich sowohl kleine als auch große Accounts empfehle. Mach wie du magst.

Es ist das altbekannte Problem mit den Schubladen. Große Accounts, kleine Accounts, viele Follower, wenige Follower. Es ist genau der selbe Trugschlusss wie mit den Bubbles. Es gibt hier wieder lediglich Kategorie A und Kategorie B Bewerter. Es ist halt so schön einfach in Bubbles und Schubladen zu unterteilen. Man fällt schnell sein Urteil und hat ebenso schnell wieder seine Ruhe im eigenen Weltbild.

Ich bin grundsätzlich der Meinung jeder soll machen wie er will, solange er anderen nicht willentlich oder bewusst damit schadet. Ich folge auf Twitter so vielen verschiedenen Menschen und werde von so vielen unterschiedlichen Menschen gefolgt. Ein User auf Twitter schrieb heute er kenne niemanden, der so bunt retweetet wie ich. Und das war eines der schönsten Komplimente.

Ich folge Sexworkerinnen, Sexshopbesitzern, Hassrappern, Punks, Metallern, Tätowieren, Anwälten, Bikern, Hetero-/Homo-/Transsexuellen, Kinkstern, Normalos , Emos, Freizügigen, nicht so freizügigen, Konservativen, Paradisvögeln, Schriftstellern, Comedians, Depressiven, Träumern, Büroangestellten, Arbeistlosen, Alleinerziehenden, Patchworkern, Moslems, Christen, Juden, Atheisten, Satanisten, Spaßmachern, Selbständigen, Reichen, Armen… die Liste lässt sich beliebig fortsetzen.

Jeder von diesen Menschen ist eine Bereicherung. Und jeder von ihnen hat das Recht so zu sein wie er/sie/es ist. Und jeder einzelne ist eine Chance sich selbst zu reflektieren und neue Perspektiven zu gewinnen. Man kommt miteinander in Kontakt und unabhängig von der Hautfarbe, dem Geschlecht, der sexuellen Ausrichtung oder dem Glauben ist da ein Mensch mit dem man interagiert. Und mit dem man Gemeinsamkeiten, neues oder auch Dinge entdeckt, die einem nicht zusagen. Je nach deer Gewichtung kommt man halt miteinander klar oder nicht.

Bei Tinker und mir ist es so, dass wir recht früh in unserer Beziehung lediglich drei Leitwörter für uns gefunden haben: Achtung, Liebe und Respekt. Ein viertes Wort ist dazu gekommen: Würde.

Mit diesen vier Wörtern als Leitsätze lebt es sich vielleicht nicht zu jeder Zeit in jeder Gelegenheit einfach, aber es fühlt sich zumindest für uns richtig an. Wobei ich dazu sagen muss, dass wir keine klischeehaften Ökoterroristen sind, die mit Tambourin und Matetee den Weltfrieden predigen. Wir stehen durchaus mit den Füssen auf der Erde.

Im Folgenden möchte ich nur aus meiner Sicht sprechen, vielleicht hat Tinker mal Zeit und Lust in einem eigenen Beitrag ihre Sicht der Dinge beizusteuern.

Ich bemühe mich immer erstmal jedem mit Achtung und Respekt gegenüber zu treten und seine Würde zu wahren. Sollte das Gegenüber aber anfangen an mein Bein zu pinkeln werde ich dies nicht stillschweigend akzeptieren.

Und mir ist auch durchaus bewusst, dass ich auf Twitter immer wieder ambivalente Gefühle auslöse. Mir wurde im Laufe der Zeit alles mögliche vorgeworfen. Ich war Frauenfeind, Hetzer, Spinner, linksgrünversifft, Sifftwitter, Schmunzeltwitter blablabla. Auch im echten Leben ecke ich natürlich an. Fast jeder tut das. Und ich reagiere halt auch auf meine Art darauf.

Dennoch habe ich das Gefühl, dass ich mit ziemlich vielen verschiedenen und unterschiedlichen Persönlichkeiten klarkomme. Und so ist es auf Twitter, im Job und privat. Auch in letzteren Bereichen ist mein (bzw unser) Umfeld bunt gemischt vom Politiker bis zum Arbeitslosen. Vom konservativen Familienmenschen bis zu Mitgliedern von Biker-Clubs.

Meine Frau steckt über beide Ohren im Job, im Katzvendskalender der Nordstadtkatzen und bei den Nordstatdkatzen selber. Ich habe Hochachtung vor dieser Leistung. Ich nehme mir ein Beispiel an ihr. Sie setzt sich für unsere Tiere ein, sie setzt sich in ihrem Job für die (Benachteiligten) Schützlinge ein und dann sind da ja noch das Haus, unsere eigenen Tiere, und unsere Kinder. Und es funktioniert. Ich unterstütze sie hier nach allen Möglichkeiten und habe doch das Gefühl dieses Level erreiche ich nicht. Aber ich probiere es weiter.

Wenn wir durch die Stadt gehen kennt sie gefühlt jeder. Sie begrüsst Politiker, Künstler, Kollegen, Freunde, aber auch die alte Frau von der Ecke und Obdachlose, die ihre Asphaltzeitungen verkaufen auf die selbe Art. Sie tritt jedem Menschen mit der selben, herzlichen Offenheit gegenüber. Jeder hat die gleiche Chance, unabhängig davon, wer oder was er/sie/es ist. Und in dieser Konsequenz ist das keine Selbstverständlichkeit.

Während meines Burnouts und der ersten großen depressiven Phase habe ich mit meinem Therapeuten über mögliche Inseln gesprochen. Diese „Inseln“ sollten es mir erleichtern, mich zurechtzufinden und Aspekte meiner Persönlichkeit auszuleben, die ich aufgrund diverser Umstände nicht ausleben konnte. So fand ich Twitter wieder. Dort konnte ich schreiben, nachdenken, aber auch Quatsch machen und das in kleinen Häppchen zwischendurch.

Diese Möglichkeit und die gelebte Herzlichkeit meiner Frau haben dazu geführt, dass ich mir keine Gedanken um Schubladen und Zwänge gemacht habe. Für viele von Euch wahrscheinlich selbstverständlich, für viele andere von Euch aber auch undenkbar. Wie immer gehen die Meinungen zu allem weit auseinander und überhaupt. Twitter ist da sein ganz eigener Ort und doch lässt sich vieles auch nach aussen übertragen.

Es macht mich jedenfalls zufrieden, dass es so bunt und chaotisch ist. Ständig was neues. Und so ganz anders als die braune Scheiße der Nazis und Rassisten und die ewig währenden Verschwörungsmythen, die sich lediglich immer mal wieder ein neues Gewand überstreifen.

Alles verändert sich ständig, entwickelt sich weiter. Meine Hoffnung liegt in einem bunten Miteinander, wo die ewig Gestrigen nur noch eine braune Bremsspur im Porzellan sind, die beständig weggespült wird. Mit diesem ästhetischen Bild möchte ich den Beitrag an dieser Stelle dann auch schließen.

Lasst doch nen Daumen nach oben da und abonniert meinen Ka..ach ne, dass war ja irgendwo anders.

Hier könnt ihr mir aber zumindest eure Meinung schreiben. Oder auch auf Twitter. Bis zum nächsten mal, ihr Eumel.

Kurz mal zwischendurch

Jetzt, da wir uns inmitten des letzten Quartals dieses völlig bekloppten Jahres befinden, juckt es mir mal wieder in den Fingern.

In der Welt passieren dieses Jahr wirklich enorm viele verrückte Dinge. Corona, Lockdown, Softlockdown, Homeschooling, Verschwörungsschwurbler / Aluhüte, jüngst die Anschläge in Frankreich und Österreich, sowie die US Präsidentschaftswahl mit einem gespaltenen, amerikanischen Volk. Irgendwie scheint nichts mehr einigermaßen rund zu laufen und ich persönlich habe das Gefühl, dass die Menschheit nicht nur immer mehr am Rad dreht, sondern dies auch in zunehmend schnellerer Geschwindigkeit.

Soziale Medien haben sich in den vergangenen Monaten immer schneller deutlich verändert. Instagram versucht sich die besten Features aus Snapchat und TikTok zusammen zu klauen, was ihnen anscheinend auch ganz gut gelingt. Facebook ist überwiegend ein Kriegsschauplatz für alle möglichen Befindlichkeiten geworden.

Und auf Twitter gibt es mehr und mehr verhärtete Fronten. Zoff gab es dort ja schon immer, aber die Gräben werden tiefer. Über Monate hinweg bestalken sich User aller möglichen „Bubbles“ gegenseitig und versuchen sich das Leben schwer zu machen. Da werden Vermutungen aufgestellt, Fakebilder hochgeladen, es wird versucht möglichst viele Leute auf seine eigene, „richtige“ Seite zu ziehen.

Hier sehe ich im Verhalten durchaus Parallelen zum US Wahlkampf oder den Aluhutschwurblern. Wie im Kleinen, so im Großen. Dabei gibt es keine „Bubbles“. Es gibt auch kein „Schmunzeltwitter“ oder „Hurentwitter“ oderoderoder.

Das alles sind nicht genau definierbare Schubladen. Kategorien, um Menschen in bestimmte Bereiche einzuordnen und Sippenhaft zu betreiben.

Innerhalb der „Bubbles“ gibt es etliche Überschneidungen von Usern, die sich untereinander folgen, obwohl sie per Definition ihrer „Bubbles“ genaugenommen gar nicht zueinander passen dürften.

Dieser Druck oder Zwang – oder wie immer man es auch nennen mag – der einen oder anderen Bubble anzugehören und dann alle anderen zu negieren und zu bekämpfen finde ich persönlich dumm und eindimensional. Wer so viel Energie in einen Kampf auf einem sozialen Netzwerk gegen Menschen steckt, die er meist nicht mal persönlich kennt, muss irgendein großes Problem mit sich selbst haben. Oder aber sehr viel Langeweile. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen, gegen ein selbst erschaffenes Feindbild.

„Jeder kann sich sein Twitter ja machen wie er/sie/es will.“

Das stimmt. Ich versuche es möglichst offen zu halten und wenig zu blocken. Manchmal lernt man einen Account erst nach einer Weile richtig zu lesen und merkt, so verkehrt ist er/sie/es gar nicht.

Mauern zu bauen bzw in diesem Fall zu blocken ist für mich der allerletzte Schritt. Es ist letztendlich auch nichts anderes, als eine digitale Mauer zu bauen und jemanden auszusperren. Und wenn man dies tut sollte man es damit auch gut sein lassen. Blocken und dann rumlästern und hetzen und dem anderen die Möglichkeit zu nehmen Stellung zu beziehen ist feige und kindisch. Aber auch das kommt ja immer wieder zur Genüge an allen möglichen Stellen vor.

Ab davon durfte ich aber eine ganze Reihe Menschen von Twitter in den letzten Monaten besser kennen lernen, zum Teil sogar persönlich, was ich mir bis dato gar nicht vorstellen konnte. Und es war durchweg positiv. Hier bekam die Bezeichnung „soziales Netzwerk“ wieder seinen eigentlichen Wortsinn zurück.

Wenn ihr diesen Beitrag hier lest möchte ich euch zu etwas mehr Offenheit und auch Gelassenheit ermuntern. Im Umgang miteinander, egal ob im Real Life, auf Twitter oder sonst wo. Selbstverständlich gelingt das nicht immer, da nehme ich mich auch nicht aus.

Es muss ja auch nicht die 180 Grad Wende sein, nur hier und da einfach mal etwas anders machen, kleine Schritte gehen. Einmal mehr nachdenken und auch die eigene Meinung zu hinterfragen dauert oft nur einen Augenblick und tut nicht weh. Möglicherweise ist es sogar eine Chance eine neue, gute Erfahrung zu machen.

Nun, eigentlich sollte dieser Beitrag in eine ganz andere und auch persönlichere Richtung gehen. Und eigentlich sollte man das Wort eigentlich nicht allzu oft benutzen.

Scheint also noch nicht der richtige Zeitpunkt dafür zu sein und muss dann in einem der nächsten Beiträge abgehandelt werden.

Bis dahin bleibt gesund und passt auf Euch auf, ihr Eumel.