Bunt ist das Dasein und granatenstark

Ich bin Deutscher. Und habe eine helle Hautfarbe. Ich bin blond. Naja, das was noch übrig ist ist noch irgendwie blond. Ich bin groß. Nur meine Augen sind nicht blau. Das wars dann aber auch.

Meinen ersten, bewussten Kontakt mit einem Menschen einer anderen Ethnie und Hautfarbe hatte ich mit ca. Vier. Da hat meine Oma Ihren neuen Lebensgefährten vorgestellt. Der kam aus Indien, war sehr lustig, konnte gut zeichnen und sauleckeres Essen kochen. Ich glaube er hat meine Liebe für scharfes Essen maßgeblich mit geprägt.

Als ich in die Grundschule kam zog eine türkische Familie zu uns ins Dorf. Die Kinder stellten sich in unserer Klasse vor, erklärten uns wo sie herkamen und und wie man auf türkisch zählt. Die türkischen Zahlen habe ich vergessen, behalten habe ich aber, dass ich es sehr spannend fand, etwas über die mir fremde Kultur zu erfahren.
Ein paar Jahre später lernte ein Onkel von mir seine Frau kennen. Sie war Polin. Die später folgende Hochzeit habe ich als lautes, rauschendes und fröhliches Fest in Erinnerung.

Auch wenn ich selber Deutscher bin, so sind meine Wurzeln nicht nur deutsch. Laut Ahnenforschungen meines Großvaters haben wir Wurzeln in Frankreich bei den Hugenotten. Ein anderer Teil meiner Familie wurde im zweiten Weltkrieg aus Stettin vertrieben, welches heute zu Polen gehört. Ich weiß auch, dass ein Teil meiner Familie nach Kanada und Amerika ausgewandert ist. Zu gerne würde ich hier in der Zukunft mal mehr Details in Erfahrung bringen.
Aber zurück zum Thema. Ich habe Freunde, Bekannte und Familienmitglieder aus allen möglichen Kulturen und ich finde es großartig. Ich stehe auf multikulti, darauf neues zu entdecken und zu erfahren.

Ich bin weiß. Und somit privilegiert. Ein Privileg, welches eine Schande ist und welches ich nicht nachvollziehen kann bzw will. Ein Mensch ist ein Mensch. Jedem Nazi lege ich mal Nahe, soweit es geht in seinem Stammbaum zurück zu forschen. Ihr seid keine Herrenrasse, keine Arier, keine Übermenschen. Auch in eurem Stammbaum hat mit Sicherheit der ein oder andere fremder Herkunft reingehalten. Ihr seid Stolz auf etwas, dass keinerlei Grundlage hat, da sich niemand seine Herkunft aussucht. Niemand ist ein besserer Mensch durch seinen Glauben oder seine Hautfarbe.
Selbst der Nationalsozialismus in seiner Wurzel ist schon total daneben. Ein Österreicher, der die deutsche Herrenrasse „führt“. Wäre es nicht so unendlich traurig, es wäre ein Witz. Hätte ein „deutscher Führer“ nicht auch urdeutsch sein müssen. Oder ist das rassistisch?

Sklavenhandel, Konzentrationslager, Rassismus, Faschismus. Alles ein Ausdruck überzogener Machtfantasien oder auch der Angst vor dem Fremden, dem Unbekannten.
Auch meine Reaktion damals bei dem Lebensgefährten war Unsicherheit, weil dieser Mann so dunkle Haut und so weiße Zähne hatte.
Diese Unsicherheit wich jedoch sehr schnell Freude und Spaß und der Lust etwas über meine Mitmenschen kennen zu lernen, egal wo sie herkommen. Dafür bin ich dankbar. Ich bin meiner Familie dankbar, dass diese Möglichkeit bestand und auch meine Eltern und Großeltern hier eine größere Toleranz hatten, als so manch anderer der Kriegs- und Nachkriegsgeneration.

Versteht mich nicht falsch. Auch in meiner Familie gibt es Alltagsrassisten. Ich hatte allerdings die Möglichkeit, mich dagegen zu entscheiden. Und auch diesen Leuten meine Meinung zu sagen.
Unsere Kinder versuchen wir ebenfalls nach bestem Wissen und Gewissen ohne diese Scheuklappen zu erziehen. Sie sollen einen Menschen danach für sich beurteilen, was er/sie/es ist. Und nicht woher dieser Mensch kommt oder woran er glaubt.

Das ist nicht einfach. Und das sich hier von heute auf morgen was ändert ist Wunschdenken. Deswegen sollten wir unser Möglichstes tun, die Schranken in den Köpfen von uns und anderen immer wieder zu öffnen.
Wer Fremden pauschal mit Hass und Gewalt begegnet ist ängstlich und dumm. Gegen Dummheit kann man etwas tun. Und das Tolle daran ist, dass es gleichzeitig die Angst verschwinden lässt.

Ein Kommentar

  1. kritikverloren · Juni 10

    Allein der Titel erweckt in mir den Wunsch mich mit einer E-Gitarre in eine Telefonzelle zu begeben….für eine bessere Zukunft.

    Gefällt 1 Person

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