Real Life, Twitter und 1 Bit an Kunst

Kuckuck,

lange nichts passiert hier. Das hat zum einen mit dem Parameter Real Life zu tun, der einen immer wieder aus seinen digitalen Traumwelten holt, zum anderen aber auch mangelnde Inspiration. Das erste Quartal 2021 ist im letzten Drittel angelangt, wir haben immer noch Pandemie und so langsam ist auch meine Geduld damit erschöpft. Natürlich halte ich mich weiter an die Vorgaben, natürlich trage ich weiter Maske, natürlich vermeide ich unnötige Kontakte.

Aber es zerrt. Zu gern würde ich mit meiner Familie einfach mal wieder ein Eis essen gehen und mit den Jungs in unserer Stamm-Metal-Kneipe zu lauter Musik ein, zwei Bier trinken und Blödsinn labern.

Glücklicherweise habe ich eine wirklich tolle Familie, so dass die auftretenden Lagerkoller sich in Grenzen halten und wir uns immer recht schnell wieder zusammenraufen. Gerade den Kindern sei hier tiefster Respekt gezollt. Sie machen das wirklich super und ich bin stolz auf sie. Oft haben wir Diskussionen, dass ihre Freunde viel länger und viel häufiger online sind und ständig zocken dürfen und sie beschweren sich, dass sie da vergleichsweise strikte Zeiten haben. Mich besorgt es eher, dass in anderen Familien die Kids im vergangenen Jahr scheinbar 24/7 online waren und noch sind. Auch einer der Gründe weshalb ich hoffe, dass wir spätestens zum Ende dieses Jahres einen Teil der Normalität und Offenheit wiederhaben werden.

Durch die #Nordstadtkatzen, dass Homeschooling, unsere Hunde und das Haus haben meine Frau und ich auch immer gute Beschäftigung. Eingeleitet wurde das Jahr durch die verstorbene Kaffeemaschine. Dann folgte der Februar mit dem „großen Schnee“, wodurch dann Wasser vom Spitzboden in die Kinderzimmer eindrang. Glücklicherweise nicht so stark, wie man es bei einigen Bildern auf Twitter gesehen hatte, wo sich ganze Schneelandschaften auf Dachböden bildeten. Mein Uralt-Netbook, mit dem meine Tochter ihre ersten Geschichten geschrieben hat musste leider trotzdem dran glauben.

Abgerundet wurde dies dann vom Kühlschranks, der seinen Dienst ebenfalls quittierte. Da kamen die niedrigen Temperaturen und der Schnee dann doch gerade richtig. Der neue Kühlschrank ist niedriger und dafür breiter, was wir zum Anlass nahmen die Küche einmal umzustellen, da es sonst nicht mehr gepasst hätte. Da unsere Arbeitsplatten noch aus der alten Wohnung übernommen und improvisiert umgeschnitten und wieder verbunden wurden, brauchten wir aus Stabilitätsgründen nun auch neue Arbeitsplatten. Da diese aber derzeit im örtlichen Baumarkt nicht verkauft werden und diese darüber hinaus auch schnell ins Geld gehen haben wir sie kurzerhand selber aus Plankenholz hergestellt und angebaut. Das ist deutlich günstiger. Und deutlich arbeitsintensiver.

Hierbei war ich wieder einmal froh eine Frau geheiratet zu haben, die gerne handwerklich anpackt und mit der man gemeinsam all diese Dinge erschaffen kann. Wir haben mittlerweile ein gemeinsames handwerkliches Niveau als Ehepaar erreicht, bei dem wir in Rekordzeit nahezu wortlos IKEA Möbel zusammen aufbauen können. Ohne Streit und Androhung von Scheidung. Einfach so. Apropos meine Frau: wer uns auf Twitter folgt hat vielleicht mitbekommen, dass sie derzeit die Acrylmalerei für sich entdeckt hat. Ich finde sie kann hier durchaus noch das ein oder andere Bild mehr posten.

Tja und Twitter… naja alles wie immer.

Säue werden durchs Dorf getrieben, Meldungen gemacht, Accounts löschen sich, Accounts kommen wieder, andere machen Screenshots und lästern rum, wieder andere haben einfach Spaß. Durch einen dummen Zufall hatte ich meinen ersten kleinen Trend mit „Dwayne“. Der Tweet war drei Jahre alt und ich habe ihn nochmal retweetet weil er zu einem neuen Tweet thematisch gut passte und dann hat sich das verselbstständigt. Mit den gestiegenen Followerzahlen merke ich nun auch immer deutlicher die Kehrseite bei Twitter. Die unnötigen und zum Teil wirklich dummen Kommentare sorgen dafür, dass man nicht mehr bei jedem Tweet jede Interaktion mit verfolgen kann oder will. Zum anderen wurde mir wieder mal vorgeworfen, ich würde den „Falschen“ Accounts folgen.

Ich hatte dazu schon einmal was geschrieben und werde das hier nicht noch einmal breittreten. Mir folgen alle möglichen Accounts und ich folge allen möglichen Accounts. Ich folge dabei einem möglichst breiten Spektrum. Und selbstverständlich folge ich nicht nur Menschen mit denen ich immer und ständig übereinstimme. Und selbstverständlich tätigen von den knapp 1.000 Leuten denen ich folge auch immer wieder irgendwelche Aussagen, die ich persönlich nicht befürworte. Und das sind weitaus mehr als immer die 1 – 2 Leute, welche immer wieder herangezogen und dafür (stellvertretend!?) an den Pranger gestellt werden.

Es macht auch keinen Sinn das immer wieder zu diskutieren. Jeder hat eine andere Sicht auf Humor, Politik, Religion oder was weiß ich was und wenn man so durcheinander und zahlreich aufeinander knallt wie bei Twitter sind Brände vorprogrammiert.

In Deutschland nutzen ca. 1,4 Mio Menschen Twitter regelmäßig und aktiv. Das ist in Zahlen im Vergleich zu Facebook lächerlich gering (ca. 30 Mio.). Die deutsche Bevölkerung liegt bei 83 Mio.

Mir zeigt das zweierlei:

  1. Auf Twitter werden keine „Schlachten“ entschieden und schon gar nicht Prozesse gelenkt.
  2. 1,4 Mio ist wenig aber für einen einzelnen immer noch zu viel, als sich mit allem und jedem im Einzelnen beschäftigen zu wollen und auf alles und jeden einzugehen.  

Immer wieder werden Accounts als böse deklariert und andere als die großen „Durchblicker“ glorifiziert. Für mich persönlich ist diese Frontenbildung nach wie vor Bullshit. Selbstverständlich sollte man tatsächlich kriminellem Verhalten nachgehen. Allerdings sollte man auch Meinungsfreiheit und die freie Äußerung von Meinungen aushalten können. Sofort dagegen zu brüllen und Himmel und Hölle in Bewegung zu setzen um den anderen „auszuschalten“, zu melden und zu Sippenhaft – mäßigen Massenblockierungen aufzurufen ist aus meiner Sicht mit extremistischen Verhalten vergleichbar. Es werden die Methoden angewandt die am anderen kritisiert werden. Da man selber aber immer eine weiße Weste hat ist das eigene Verhalten natürlich legitim.

Nein. Falsch. Jeder Nutzer sollte für sich allein denken und entscheiden können. Und diese Empfindsamkeiten und das Unvermögen objektiv und nicht emotionsgesteuert an eine Sache ranzugehen verursacht dann doch auch erst diese Schlammschlachten und Treibjagden.

Ein Diskurs findet entweder auf Augenhöhe statt oder gar nicht. Kurzum, Twitter ist für mich Unterhaltung, Meinungsaustausch, Diskussion, Zuflucht. Was ich dort wie mache ist meine Sache und wem ich folge ist meine Entscheidung. Was du dort machst und wem du dort folgst ist deine Sache. Und es ist nicht deine Aufgabe zu entscheiden was richtig und was falsch ist und wer wem aus welchen Gründen auch immer folgt. Meine übrigens auch nicht umgekehrt bei dir oder sonstwem.

Und auch von sonst niemandem. Und überhaupt. Und blablabla. Es sind über die Jahre immer die ewig gleichen, unnötigen Diskussionen.

Twitter ist halt nur ein wirklich verschwinden kleiner Aspekt eines weitaus komplexeren Lebens, dass sich zum größten Teil im realen Leben abspielt und nicht in diesem Mikro-Blogging Dienst. Siehst du das anders, nimmst du das Ganze vielleicht etwas zu ernst. Aber was weiß ich schon?

Zu guter Letzt eine Empfehlung an alle, die Interesse an Fotografie, Malerei und digitaler Kunst haben.

Werft mal einen Blick auf https://www.subs.tv/

Die Plattform ist anders, auch vom Aufbau, als man gewohnt ist und dort gibt es schon eine Reihe eindrucksvoller Arbeiten von tollen Leuten zu bewundern. Der ein oder andere von Twitter ist dort auch zu finden. Und natürlich ist da auch Zeug von mir drauf.

Sayonara Carbonara.